Politik -

Ernährungsreport 2019 Fehlt die Handlungsaufforderung?

Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG, nimmt zum Ernährungsreport 2019 Stellung und kritisiert u.a. die "deutlich zu positive Interpretation."

Themenseite: Verpflegung

„Der Report enthält eine klare Handlungsaufforderung an die Ernährungsministerin: 91 Prozent der Befragten wollen, dass Lebensmittel gesund sind. Doch zurzeit ist in Deutschland das Gegenteil Realität: Viele Fertiglebensmittel sind zu süß, zu fett, zu salzig. Daran wird auch die Nationale Reduktionsstrategie von Frau Klöckner nicht viel ändern, denn die darin bisher vereinbarten Ziele sind viel zu gering – und sie sind nur freiwillig. Damit ignoriert Frau Klöckner ganz klar den Befund, dass 84 Prozent der Befragten den Zuckeranteil in Fertiggerichten reduzieren möchten. An mehreren anderen Stellen erscheint die Interpretation des Ministeriums deutlich zu positiv. So sollte der Befund, dass fast 30 Prozent der Bevölkerung nicht täglich Obst und Gemüse essen, eigentlich ein Weckruf für eine Ernährungsministerin sein. Frau Klöckner sieht darin offenbar kein Problem. Dabei fordern Wissenschaftler schon länger, die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse abzuschaffen und im Gegenzug ungesunde Lebensmittel stärker zu besteuern. Viele kritische Punkte fragt der Bericht auch gar nicht ab, etwa die Frage, ob die Verbraucher die derzeitige Lebensmittelkennzeichnung verstehen.“ Mit diesen Worten kritisiert Barbara Bitzer den Ernährungsreport 2019 .

Der Ernährungsreport

Julia Klöckner (CDU), Bundeslandwirtschaftsministerin, hatte kurz zuvor, am 9. Januar 2019, den Ernährungsreport 2019 "Deutschland, wie es isst" vorgestellt. Darin werden u.a. Erkenntnisse über die Essgewohnheiten der Deutschen zusammengefasst. Darin heißt es von Klöckner "Wir Deutschen essen und kaufen immer bewusster ein. (...) Viele wünschen sich weniger Zucker in den Produkten. Ernährungswissen soll leicht zu finden sein (...). Wir können und wollen den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen sollen. Aber mit einer guten und fundierten Gesamtstrategie für Ernährung möchten wir helfen, die gesunde und bewusste Wahl zur einfachen Wahl zu machen." Deshalb wolle man die Kennzeichung weiter verbessern und das Informations- und Bildungsangebot für Jung und Alt optimieren, um in Sachen Ernährung eine bessere Orientierung zu bieten.

Einige Ergebnisse aus dem Ernährungsreport:

  • 95 Prozent wünschen sich, dass Kinder die Grundlagen gesunder Ernährung in der Schule erlernen sollen
  • 84 Prozent wären dafür, den Zuckeranteil in Fertigprodukten zu reduzieren, auch wenn das Produkt dann weniger süß schmeckt
  • Braten, Schnitzel und Gulasch zählen neben Spaghetti, Lasagne und Spätzle zu den Lieblingsgerichten der Deutschen
  • nur zehn Prozent geben Salat und Gemüsegerichte als Lieblingsgericht an
  • 40 Prozent der Deutschen kochen jeden Tag, 10 Prozent nie
  • 18 Prozent vertrauen den Lebensmitteln "voll und ganz", 54 Prozent "eher", 22 Prozent "eher nicht" und fünf Prozent "gar nicht"

Mit einem Klick hierauf können Sie sich den Ernährungsreport 2019 herunterladen.

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