Charité ERIC: Televisite auf der Intensivstation

Zugehörige Themenseiten:
Digitalisierung

Mit dem Projekt ERIC wurde eine zentrale E-Health-Plattform für die multiprofessionelle Vernetzung geschaffen sowie eine standortunabhängige Televisite. Langanhaltende Folgeschäden bei Intensivpatienten und -patientinnen können so verringert werden.

Televisite, Charité, ERIC, Visitenroboter
Tele-Visite auf der Intensivstation der Charité im Rahmen des Projektes ERIC. – © Wiebke Peitz/Charite

Nachhaltig die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit auf Intensivstationen verbessern – das war das Ziel des 2017 gestarteten Projektes ERIC (Enhanced Recovery after Intensive Care). Nun hat sich gezeigt: Mithilfe der multiprofessionellen telemedizinischen Visite kann das Risiko für Folgeschäden für die Patientinnen und Patienten verringert werden. Kürzlich hatte der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) das Projekt ERIC wegen seiner positiven Ergebnisse bereits als eines der ersten für die flächendeckende Versorgung empfohlen. Zwischen 2017 und 2020 wurde das Projekt vom G-BA mit rund 6,8 Millionen Euro gefördert.

Telemedizinisches Zentrum in der Charité

Das Innovationsprojekt fand unter Konsortialführung der Charité mit den Projektpartnern von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Technischen Universität Berlin, des Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, der Klinik Ernst von Bergmann Bad Belzig gGmbH und der Krankenkasse Barmer statt. Über die zentrale E-Health-Plattform wurden die Kommunikation und die Datenerfassung der 15 beteiligten Intensivstationen in einem telemedizinischen Zentrum in der Charité gebündelt. Mit den Hausärzten und Hausärztinnen der Region wurde ein Nachsorgeangebot etabliert, um Patientinnen und Patienten auch nach der Intensivtherapie bestmöglich zu unterstützen.

Evidenzbasiertes Wissen für hohe Versorgungsqualität

Mit ERIC sollen wissenschaftliche und aktuelle Erkenntnisse in Form von Qualitätsindikatoren direkt ans Patientenbett gebracht werden. „Wesentlich war dabei die tägliche telemedizinische Visite auf den Intensivstationen. Diese hat uns geholfen, evidenzbasiertes Wissen in jeder teilnehmenden Einrichtung zu implementieren und dadurch Langzeitfolgen für die Patienten und Patientinnen zu verhindern“, sagt Prof. Dr. Claudia Spies, Projektleiterin und Direktorin der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité. Sie ergänzt: „Die Pandemie war für unser Projekt eine bedeutende und erfolgreiche Bewährungsprobe. In dieser herausfordernden und schwer kalkulierbaren Situation hat die Telemedizin zu einer hohen Versorgungsqualität in der Breite beigetragen. Wir konnten umfassendes Wissen generieren und in kürzester Zeit für alle verfügbar machen.“

Visitenroboter agiert gemeinsam mit Behandlungsteam vor Ort

Visitenroboter Charité Parkplatz
Der Visitenroboter in der Charité. – © Wiebke Peitz/Charité

Der Visitenroboter für die Stationen vor Ort ist mit mehreren Kameras und einem Mikrofon ausgestattet. So ist das medizinische Personal während der Televisite in Echtzeit mit Fachärzteschaft und Pflegefachkräften in der Charité verbunden. Gemeinsam begutachten sie den Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten anhand von acht Qualitätsindikatoren – beispielsweise Medikation oder Ernährung – und besprechen die weitere Therapie.

„Der Visitenroboter kann mit der Kamera dicht an die zu Behandelnden heranfahren. So konnten wir gemeinsam mit dem Behandlungsteam vor Ort Strategien erarbeiten und im Bedarfsfall beraten und unterstützen“, erklärt Dr. Björn Weiß, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin und Koordinator des Projektes. Dazu zählen u.a. die Anwendung der Bauchlage, die Einstellung des Beatmungsgerätes oder die Dosierung der Medikamente. Zudem wurden Hausärzteschaft, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Reha-Zentren über die Plattform ebenfalls mit einbezogen.