Corona-Maßnahmen Engpass bei gynäkologischen Operationen

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Kapazitäten für planbare, aber eilige gynäkologische Operationen müssen unter strenger Indikationsstellung weiter aufrechterhalten werden. Das fordern die gynäkologischen Fachgesellschaften.

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Kapazitäten für dringliche Operationen und Interventionen insbesondere in den gynäkologischen Kliniken müssen auch unter der vierten Welle der Pandemie weiter aufrechterhalten werden, fordern die Fachverbände. – © Mongkolchon (stock.adobe.com)

Durch die aktuellen Einschränkungen komme es zu einem „bedrohlichen Engpass“ bei den Kapazitäten für notwendige gynäkologische Operationen. „Ein einseitiges Priorisierungssystem hat insbesondere für betroffene Patientinnen mit Krebsdiagnose lebensverkürzende Konsequenzen“, teilten die Fachgesellschaften in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Operationen nach prognostischen Kriterien einstufen

Patientinnen mit schwerwiegenden Krankheitsbildern sowie akuten Beschwerden wie Schmerzen oder starken gynäkologischen Blutungen müssten den gleichen Anspruch auf akute Versorgung haben wie an Covid-19 erkrankte Menschen. „Bei einer Verschärfung der Situation und extremen Engpässen in der Versorgung müssten die Operationen unter Umständen nicht nur nach der Dringlichkeit, sondern auch nach prognostischen Kriterien kategorisiert werden“, fordert Prof. Anton Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

Tatsächlich seien onkologische Operationen oder Eingriffe bei symptomatischen Patientinnen keine Notfälle im eigentlichen akuten Sinne, räumen die Fachgesellschaften ein. „Dennoch müssen sie innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens von wenigen Tagen oder Wochen erfolgen, will man die Leidenszeit nicht verlängern und Heilungschancen nicht verpassen“, betonen diese. Maligne Befunde, Präkanzerosen, abklärungsbedürftige oder symptomatische Befunde im Bereich der Brust sowie der inneren und äußeren Genitale zählen aus ihrer Sicht nicht zu den elektiven Eingriffen.

Laut einer Feststellung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen vom März 2020 liegt die Entscheidung ausschließlich bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten vor Ort. Aus Sicht von Prof. Sara Brucker, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), ist die Lage in den Kliniken momentan so prekär wie nie zuvor in dieser Pandemie. Die Ärzteschaft stünde Tag für Tag vor der schwierigen Entscheidung, welche Patienten sie innerhalb der verfügbaren Kapazitäten behandeln können und müssen.