Energie -

Bald im Energiemanagement angekommen Energiebilanz verbessern

Auch in Medizin und Pflege schauen Träger immer häufiger auf den Energieverbrauch. Einzellösungen wie Solaranlagen, Blockheizkraftwerke und LED-Beleuchtung sind bereits in den Gebäuden angekommen. Was Nachhaltigkeit zusätzlich ankurbelt, sind intelligente und vernetzte Energiemanagementsysteme. Hier besteht oft Nachholbedarf.

Themenseite: Energie

Die Kplus Gruppe mit Sitz in Solingen spart dank seines zertifizierten Energiemanagements in 30 Einrichtungen bereits ordentlich Energie ein. Die zur Gruppe gehörenden Krankenhäuser, Pflegeheime, Bildungsstätten und Medizinischen Versorgungszentren wurden im Jahr 2015 erstmals nach ISO-Norm 50.001 zertifiziert. Im Gesundheitswesen warten für Energiemanager besondere Herausforderungen. „Vorgaben der Hygiene oder die diagnostische Leistung stehen über allem. Die Kunst ist, die Medizin und den sorgsamen Umgang mit Ressourcen zu vereinen“, fasst Energiemanager Patrick Preiss zusammen. Wichtig im Energiekonzept der Kplus Gruppe sind z.B. die acht Blockheizkraftwerke, die in vier Krankenhäusern, drei Senioreneinrichtungen und dem Küchenbetrieb rund 50 Prozent des Strombedarfs und mehr als die Hälfte des Wärmebedarfs abdecken. Auch stromsparende LED-Beleuchtung und der Austausch von Warmwasser- und Heizungspumpen helfen dabei, Energiepotenziale zu heben. Einen wichtigen Baustein im Energiekonzept bilden die Workshops, die das Team des Energiemanagements für alle Mitarbeiter des Trägers anbietet, um die Kollegen zu sensibilisieren. Hier geht es um vermeintliche Kleinigkeiten des Arbeitsalltags. Darunter Stoßlüften, das Ausschalten der Zimmer- beziehungsweise Flurbeleuchtung oder das Kleindrehen von Heizkörpern.

Investition lohnt sich finanziell

1,8 Millionen Euro hat die Kplus Gruppe seit 2014 in die Umrüstung gesteckt. Eine Investition, die sich rechnerisch schon nach drei Jahren gelohnt hatte. Denn pro Jahr werden etwa 800.000 Euro eingespart. Davon können die zusätzlichen Abschreibungen in Höhe von 225.000 Euro finanziert werden. „Wirtschaftliche Einsparung und mehr Schutz für die Umwelt treffen hier aufeinander“, bilanziert der gelernte Elektrotechniker. Ohne dabei medizinische Anforderungen zu tangieren. Allein die lokalen Kraftwerke sparen etwa 26 Prozent Primärenergie und vermeiden so rund 1.200 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. „Solche Erfolgsstorys helfen dem Thema Energieeinsparung zu mehr Aufmerksamkeit“, analysiert Emsyst-Vertriebsleiter Hartmut Henzler von der Firma Riempp. Richtig interessant werde es für Healthcare-Einrichtungen aber v.a. dann, wenn clevere und vernetzte Energiemanagementsysteme (EMS) auch noch die Digitalisierung ins Spiel bringen. Dank modularer skalierbarer Systeme sind über EMS Gebäudeautomatisationen möglich. „SQL-Datenbanksysteme, die offen sind für eigene Applikationen, und zentrale Server für alle Liegenschaften sind dafür Voraussetzung“, so Henzler.

Weitere Optimierungen können z.B. durch Prognosen erfolgen, die die EMS anhand der vorhandenen Verbräuche für die Zukunft erstellen. Strom, Gas, Wasser, Wärme, Kälte und auch CO2-Emissionen sind auf modernen Geräten schnell lesbar und „intuitiv bedienbar“, wie Fraunhofer-Forscher Prof. Alexander Sauer erklärt. Damit liefern sie die Basis für Datentransfer und -analyse von Maschinen und Gebäuden. Und können diese sogar aufeinander abstimmen, um Verbräuche zu reduzieren. Berücksichtigt werden können dann externe Vorhersagen wie der Wetterbericht oder interne Auslastungen energieintensiver Diagnoseverfahren. „Man kommt vom Reagieren zum Agieren“, verdeutlicht Emsyst-Mann Henzler.

In diesen Kontext passt, dass Energie über Monitoring inklusive Berichtswesen und Logbuch für Verbraucher managebar wird. So können Pflegeeinrichtungen Lasten steuern, indem sie Spitzen kappen, Grenz- und Schwellwerte überwachen und Aktionen automatisch auslösen lassen. Beispielweise indem sie fossile Energiequellen abschalten und alternative Energien aus BHKW, Solaranlagen und Batteriespeicher hinzuschalten. Auch Ladesäulen für E-Autos oder Förderfahrzeuge können sie ins System integrieren.

Auf diese Weise ließen sich enorme Potenziale im Bestand heben, so Henzler. Nachrüstbare Gebäudeautomatisierung ist in diesem Zusammenhang das Stichwort. Günstige und schnelle Funklösungen anstelle von Verkabelungen. Dabei können Energiemanager schrittweise vorgehen: beginnend bei Einzelräumen über Bereichsautomation bis hin zu Gesamtgebäuden. Auch hier sind Schnittstellen zu allen gängigen Bussystemen Voraussetzung. Über EMS können Energiemanager analysieren, wann sie wie viel Strom oder Wasser verbrauchen. Im Idealfall organisieren sie alle Verbraucher so, dass Lastspitzen gekappt und Dunkelflauten zum Speichern genutzt werden, so Sauer.

Verwandte Inhalte
© hcm-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen