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70 Jahre Bayerischer Landespflegerat Eine Wende in Sachen Pflegekammer?

Am 10. Oktober wurde das 70-jährige Bestehen des Bayerischen Landespflegerats (BLPR) gefeiert. Vertreter aus Politik, Gesellschaft und den Pflegefachverbänden kamen zur Jubiläumsfeier in den Sophiensaal des Bayerischen Landesamts für Steuern, München. Für eine Überraschung sorgte die Videobotschaft des Ministerpräsidenten Markus Söder.

Themenseiten: Pflegekammer und Berufspolitik

Edith Dürr, Vorsitzende des BLPR und Generaloberin des Verbandes der Schwesternschaften vom Roten Kreuz in Bayern e.V., zeigte in ihrer Festrede anhand des siebzigjährigen Verbandbestehens die stolze Historie der berufspolitischen Entwicklung in Bayern auf. Dürr ging dabei auch auf die aktuellen Herausforderungen der Branche ein. Der BLPR, der als politische Stimme die professionell Pflegenden in Bayern vertritt, fordert in deren Interesse daher u.a. die Einrichtung einer Pflegekammer. „Wir verstehen uns heute mehr denn je als Arbeitsgemeinschaft von siebzehn eigenständigen Berufsverbänden, Schwesternschaften, Berufs- und Pflegeorganisationen in Bayern. Damit bündeln wir die unterschiedlichsten Expertisen unter einem Dach. Angefangen von den Lehrenden für Pflegeberufe, über das Pflegemanagement, die Bereiche der psychiatrischen, der Kinderkrankenpflege und der palliativen Pflege, die katholischen und evangelischen Verbänden, sowie Schwesternschaften vom BRK, um nur einige zu nennen.“

Weitere Stärkung der Pflege

Nach einem gewohnt engagierten Festvortrag von Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, würdigte Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml die Arbeit des BLPR: "Seit 70 Jahren ist der Bayerische Landespflegerat ein Sprachrohr für die Pflege und für die Menschen, die in der Pflege arbeiten. Ob in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege - der Bayerische Landespflegerat bündelt die berufspolitischen Aktivitäten seiner 17 Mitgliedsverbände und vertritt ihre Positionen und Anliegen in der Öffentlichkeit. Dafür danke ich Ihnen herzlich! Lassen Sie uns auch künftig gemeinsam die Herausforderungen im Bereich der Pflege angehen!" Huml beteuerte, sich für eine weitere Stärkung der Pflege einzusetzen und die Pflegekräfte zu entlasten. Wichtig sei auch mehr Wertschätzung für die Pflegeberufe, die eine unverzichtbare Stütze der Gesellschaft seien, deren Arbeit mit Blick auf die demografische Entwicklung künftig noch an Bedeutung gewinnen werde. "Es muss deshalb das gemeinsame Ziel sein, den Pflegeberuf möglichst attraktiv zu gestalten!" Huml forderte alle Verantwortlichen auf, noch mehr dafür zu tun, damit Pflegekräfte die erforderliche Ausbildung und attraktive Arbeitsbedingungen erhalten. Die Ministerin fasste aber auch zusammen, was in den letzten Monaten bereits angestoßen wurde: "Mit dem Sofortprogramm Pflege werden 13.000 neue Fachkraftstellen in den Pflegeeinrichtungen geschaffen. Und mit der Konzertierten Aktion Pflege nehmen sich alle verantwortlichen Akteure gezielt den Arbeitsbedingungen in der Pflege an." Huml ergänzte: "Das Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz des Bundes sieht zudem Verbesserungen bei der Bezahlung vor: Bereits ab 2018 werden die Tarifsteigerungen für die Pflegekräfte im Krankenhaus vollständig von den Kostenträgern refinanziert. Zudem werden in den Krankenhäusern ab 2020 Personaluntergrenzen auf alle pflegerisch zu versorgenden Fälle im Krankenhaus ausgeweitet."

Auch in Bayern habe man so einiges getan. So habe das Kabinett im April dieses Jahres ein umfangreiches Pflegepaket beschlossen. Huml weiter: "Darüber hinaus hat Bayern in den letzten Jahren z.B. in der Altenpflege die Entbürokratisierung vorangetrieben, sich erfolgreich für die Refinanzierung von Tariflöhnen eingesetzt und Verbesserungen bei den Personalschlüsseln unterstützt."

Ist die Vereinigung nur ein Zwischenschritt?

Für die Überraschung des Tages sorgte die Videobotschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Nachdem sich Söder in die Reihe der Gratulanten eingereiht hatte, bezog er unter Zustimmung der anwesenden Pflegekräfte und der Vertreter der Pflegefachverbände Stellung zugunsten der Einrichtung einer Pflegekammer: „Ich denke am Ende werden wir nochmals über die berufsständische Vertretung reden. Wir haben jetzt einen Zwischenschritt gemacht – langfristig war immer mein Ziel eine Pflegekammer.“

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