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Management der täglichen Versorgung in der Intensivpflege Eine Beobachtungsstudie zu Ad-hoc-Entscheidungen

Das Management der täglichen Handlungen in der Intensivversorgung stellt die Verantwortlichen vor immer neue Herausforderungen. Ärzte und Pflegende müssen ständig Ad-hoc-Entscheidungen treffen, also Entscheidungen, die schnell und spontan in einer Situation gefällt werden, da Handlungsdruck besteht.

Obwohl viele der in Intensivstationen notwendigen Tätigkeiten präzise in Leitlinien oder innerbetriebliche Handlungsanweisungen geregelt und beschrieben sind, ist nur wenig über den Ablauf der klinischen Entscheidungsfindung in der realen Intensivversorgung bekannt. Finnische Gesundheitswissenschaftler führten eine Beobachtungsstudie durch, um die Ad-hoc-Entscheidungen von ärztlichen und pflegerischen Schichtleitern in zwei Intensivstationen universitärer Lehrkrankenhäuser zu beschreiben.

Zwölf leitende Pflegekräfte und acht leitende Ärzte wurden in die Studie einbezogen. Sie wendeten während der Beobachtung die Technik des lauten Denkens („think aloud-technique“) an. Bei dieser Methode werden die Teilnehmer gebeten, direkt während der Erledigung ihrer Pflichten ihr Tun und ihre Entscheidungsprozesse zu verbalisieren.

Die Beobachtungen wurden mit einem Audiogerät aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Mithilfe der Protokollanalyse, einer qualitativen Methode mit einem quantitativen Anteil, wurde eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt. Innerhalb des quantitativen Teils wurde auch die Beobachterübereinstimmung überprüft.

Die Studienteilnehmer wurden während regulärer achtstündiger Schichten begleitet. Die Beobachtungen wurden in 15 Früh-, vier Nachmittags- und einer Nachtschicht durchgeführt. Die Forscher identifizierten bei den Pflegekräften 463 Ad-hoc-Entscheidungen, bei den Ärzten 444. Das entspricht knapp zehn spontanen Entscheidungen pro Stunde, bzw. fast 240 während eines Tages in der der realen Intensivpflege.

Die beobachteten Entscheidungen betrafen den vollständigen Pflegeprozess von der Aufnahme bis zur Entlassung. Insgesamt acht Kategorien, die Ad-hoc-Entscheidungen erforderlich machten, wurden identifiziert. Dies waren: (1) unerwünschte Ereignisse, (2) Diagnostik, (3) Personal und Kompetenz, (4) Materialeinsatz, (5) Verlegung, (6) Entlassung, (7) Patienteninformation und Vitalzeichen sowie (8) besondere Behandlungen.

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