Gebäude & Technik -

Menschliche Bedürfnisse Ein „WC“-Raum für alle

Ohne sie geht es nicht im Krankenhaus, so viel ist sicher. Bestimmte Bedürfnisse wollen und müssen zuweilen mehr und weniger dringend erledigt werden – quer durch die Gesellschaft bis hin zur Queen und zum Papst. Und alle wollen die Stoffwechselabbauprodukte diskret und fachgerecht entsorgen.

Themenseiten: Neubau & Sanierung, Ausstattung und Technik und Hygiene

In den Patientenzimmern reicht die Bandbreite von der Gemeinschafts­toilette im historischen Gemäuer für bewegliche Patienten bis hin zum separaten, einem einzigen Patienten zugeordneten WC im Ein-Bett-WL-Zimmer. Letztere ist die beste Variante hinsichtlich Komfort, Geräusch- und Geruchsemission und last, but not least der Hygiene, die im Krankenhaus – theoretisch – dafür sorgen müsste, dass jeder Patient sein eigenes WC hat. Suboptimal, aber üblich, ist das WC in der beengten Nasszelle, das sich die Patienten eines Mehrbettzimmers und deren Besucher teilen. Unterschieden wird hier nicht zwischen Herren (H) und Damen (D).

In den öffentlichen Bereichen, z.B. innerhalb einer Station, stehen ein Besucher- und ein Personal-WC zur Verfügung. Ansprüche sowohl an die Sauberkeit, geschweige denn die Ästhetik, werden hier kaum erfüllt. Es gab Zeiten im öffentlichen Leben, da waren Restaurants angenehm gestaltet und die WCs ein Graus oder gar eine Zumutung. Inzwischen hat sich viel getan. Heute werden sie sogar hin und wieder als Highlight inszeniert. Nicht aber im Krankenhaus! Dabei sollte es an dieser Stelle das Ziel von Innenarchitektur sein, aus dem WC-Besuch ein erfreuliches Erlebnis zu machen: Von Rosen in Marmor im Office bis hin zu ambitionierter Farbe.

Außerdem sind da Orte wie Ambulanzen, wo sich viele Menschen aufhalten. Bemerkenswert ist, dass in den entsprechenden Raumprogrammen die Toiletten weniger werden, weil deren Anzahl z.B. mit Hilfe von Schichtenmodellen kleingerechnet wird und dem Kostenkorsett zum Opfer fällt. Hinsichtlich der Flächeneffizienz sollten Urinale mit 90-prozentigem Nutzungspotenzial deutlich auf dem Vormarsch sein.

Dennoch werden einzelne Toiletten, oftmals ohne Urinal, dafür aber mit zwei identischen Vorräumen jeweils für D und H, mit komplett gedoppelter Ausstattung angeboten. Das Viktorianische Zeitalter, aus dessen Zeit diese Geschlechtertrennung stammt, hat offensichtlich noch heute alle im Griff. Damals war Prüderie schick und es gab entsprechend das soziale Gendermodell. Historisch traditionell sortiert, zeigt sich daher das heutige Regelwerk in der Architektur als Ausdruck unserer Kultur. Ich muss als Frau nicht meine Tugend auf dem WC retten, indem ich aus der männlichen Öffentlichkeit verschwinde. Mir droht auch keine Gefahr. Deplatzierter geht es kaum.

Die Verteilung der WCs im Raum ist bei der sanitären Grundversorgung im Krankenhaus eine hygienische und eine soziale Aufgabe. D und H sind im Gegensatz zum Viktorianischen Zeitalter heute gleichberechtigt. Daher braucht es auch keine Trennung mehr. Dies gilt zunehmend als diskriminierend.

Somit kann die Antwort in Zukunft nur heißen: Es braucht saubere Toiletten in ausreichenden Anzahl an den passenden Stellen für alle, also m, w und d. An dieser Stelle setzt ein kultureller Wandel ein, der bauliche Folgen haben wird.

Die baulichen Folgen

Konkret kann das ein gemeinsamer Vorraum sein mit Urinalen plus separaten WC-Kabinen. Die Urinale sind flächeneffizient und entstammen übrigens dem Taylorismus. Sie unterstützen die Integration in enge Raumkonzepte, wobei auch Frauen­urinale als „Potty Parity“ erwogen werden können. Zeitgemäße Toiletten punkten in technologischer Hinsicht, aber auch im Einklang mit kulturellen und sozialen Aspekten.

Innovative Konzepte finden sich weltweit von etablierten All-Gender-WCs in Australien bis hin zu Frauen­urinalen bei Festivals wie Glastonbury. Ein verändertes gesellschaftliches Menschenbild, verbunden mit Wirtschaftlichkeit, könnten Krankenhäuser anderen Branchen beim WC vormachen: Vielleicht nicht als m/w/d-WC, das die Verschiedenheit doch nur betont, sondern schlicht als „WC“-Raum für alle, egal aus welcher Perspektive man es betrachtet.

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