Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) Ein steiniger Weg zur Interoperabilität 2.0

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Der bvitg nimmt zum aktuellen Referentenentwurf einer Gesundheits-IT-Interoperabilitäts-Governance-Verordnung (GIGV) Stellung. Er warnt: Das erklärte Ziel besserer Interoperabilität werde durch ungeeignete Prozesse und Strukturen sowie Ausnahmeregelungen verfehlt.

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bvitg bezieht Stellung zur GIGV und sieht Interoperabilität 2.0 gefährdet. – © sdecoret (stock.adobe.com)

Erfolgreiche Digitalisierung des Gesundheitswesens kann nur gelingen, wenn bei allen Prozessen die Interoperabilität gewährleistet wird – so der allgemeine Konsens. Den Weg dorthin will das Bundesgesundheitsministerium nun mit der Interoperabilitäts-Governance-Verordnung ebnen. Die Gesundheits-IT-Industrie unterstützt dies ebenso wie die Konkretisierung eines Interoperabilitäts-Prozesses für das deutsche Gesundheitswesen. Sie sieht aber noch Nachbesserungsbedarf.

„In seiner jetzigen Form wird die Verordnung nur bedingt für mehr Interoperabilität sorgen“, erklärt Sebastian Zilch, Geschäftsführer des bvitg. „Denn die zentralistische Rolle, die der gematik als Koordinierungsstelle zufallen soll, widerspricht dem Ansinnen des Konzepts Interoperabilität 2025, das wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit Bitkom , gematik und hih erarbeitet hatten. Darin definierten wir Interoperabilität als Gemeinschaftsprojekt, das auf einem echten und gleichberechtigten Dialog auf Augenhöhe basieren muss, der innerhalb klarer Strukturen stattfindet.“

Expertengremium als zahnloser Tiger

Fest macht der bvitg die Kritik in seiner Stellungnahme unter anderem an den Regelungen rund um das Expertengremium, wodurch die Expertise verschiedener Akteure eingebracht werden soll. Problematisch ist für den bvitg dabei, dass die gematik sowohl die Mitglieder des Gremiums, deren Vorsitz sowie den Entwurf von deren Geschäfts- und Verfahrensordnung bestimmen soll. Hinzu komme, dass das Gremium in entscheidenden Punkten lediglich eine unterstützende Position innehaben werde. „Wir fordern ein transparentes Konsensverfahren nach dem Vorbild von Standardisierungsorganisationen wie im Health Level 7 (HL7)“, meint Zilch.

Ausnahmen als Regelfall

Auch die zahlreichen Ausnahmen bei der Prüfung hinsichtlich der Interoperabilität kritisiert der bvitg in seiner Stellungnahme. So sei beispielsweise kein rückwirkender Prüfprozess für bereits existierende Spezifikationen geplant. Zudem sollen die Vorgaben, die laut SGB V von der gematik und der KBV bereitzustellen sind, statt eines angemessenen Prüfprozesses lediglich eine Benehmensherstellung mit dem Expertengremium durchlaufen, bemängelt der bvitg.

„Für die datengestützte Versorgung von morgen müssen auch die Widersprüche und Redundanzen des deutschen Flickenteppichs der Interoperabilitätsvorgaben überprüft werden. Mit dem Instrument der Benehmensherstellung zur Überprüfung aktueller Vorgaben wird es keine Veränderung geben“, sagt Zilch.

Die vollständige Stellungnahme finden Interessierte hier .