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Lesetipp Ehrlich, zynisch, lustig: Anekdoten einer Chirurgin

Soll man lachen oder den Kopf schütteln? Das fragen sich einige Leser, wenn Dr. Lieschen Müller Geschichten aus ihrem Klinikalltag erzählt. Denn die Unfallchirurgin zählt in ihrem Fachgebiet als Frau zur Minderheit und das bekommt sie zu spüren. Doch die taffe Ärztin lässt sich nicht klein kriegen.

Dr. Lieschen Müller sieht heute keine Arztserien mehr. Früher war sie regelrecht vernarrt in Grey’s Anatomy und Co, doch ihr Alltag als Unfallchirurgin hat sie schnell von dieser romantischen Wolke katapultiert. In ihrem Buch „Oha, können Sie denn auch operieren?“ teilt die Mitte 30-Jährige Anekdoten aus ihrem Klinikalltag, die Leser mal zum lachen bringen, und mal fassungslos den Kopf schütteln lassen.

Mein erfundener Freund

Müller gehört als Frau in ihrem Fachgebiet zur Minderheit, in dem nur 14 Prozent Frauen tätig sind. Die top ausgebildete Medizinerin wird oft unterschätzt, auf ihr Geschlecht reduziert oder angebaggert. Sie erfindet sogar einen Freund, um permanenten Annäherungsversuchen zu entgehen (Martin, erfolgreicher Banker, mit einem Hang zum Kraftsport). Patienten beschweren sich bei ihr, sie würden gerne „einen richtigen Arzt sprechen“. Und bei ihrem ersten Vorstellungsgespräch wurde sie schamlos über ihre Familienplanung ausgefragt (übrigens nicht erlaubt).

Appell an die Politik

Aber auch die positiven Seiten ihres Jobs fesseln sie, wie das unglaublich gute Gefühl, Patienten erfolgreich zu operieren. Trotzdem verändert sich Müllers Haltung nach einem Wendepunkt und die Unfallchirurgin entscheidet sich, der Klinik den Rücken zu kehren. Heute setzt sie sich politisch mit der Initiative Twankenhaus für massive Veränderungen im Gesundheitswesen ein. Das Ziel: Mehr Zeit für Patienten, die eigenen Familien, bessere Arbeitsbedingungen und eine fundierte Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Fazit

Dieses Buch ist die Sammlung frustrierender, aber auch wunderbarer Erfahrungen. Bereits während der ersten Seiten lacht man mehrmals laut auf – obwohl das Thema so Ernst ist. Genau das macht den Charme dieses Buches aus: Müllers ehrlicher aber auch zynischer Blick auf aktuelle Missstände im Gesudnheitswesen. Ein Sachbuch mit Appell an die Gesundheitspolitik, aber auch ein Plädoyer für eine Arbeit in der Branche.

Über die Autorin

Unter dem Pseudonym Dr. Lieschen Müller bloggt die promovierte Ärztin auf unfallchirurginundmutter.de und twittert unter @MuellerLiesche. Sie steht kurz vor ihrer Facharztprüfung als Unfallchirurgin und Orthopädin und lebt mit ihrem Mann und Kind in Süddeutschland.

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