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eHealth-Gesetz: Damit die Telematik kein Trauerspiel bleibt

Mit großen Erwartungen war die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verbunden. Doch noch gleicht die Telematik im deutschen Gesundheitswesen eher einem Trauerspiel. Dabei könnte die Karte gerade in Akutfällen patientenrelevante Auskünfte liefern.

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Stand heute hat die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nur Unsummen verschlungen und keine Ergebnisse gebracht. Deshalb hält Karl-Josef Laumann (CDU), Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, ein eHealth-Gesetz für "notwendig". Diese Meinung äußerte der Politiker im Vorfeld des Pflegekongresses.

Warum das eHealth-Gesetz notwendig ist

Seit dem 1. Januar 2015 ist die eGK für alle gesetzlich Versicherten Pflicht. Zu erkennen ist die Karte am Lichtbild des Versicherten. "Die Versichertengemeinschaft hat bis heute weit über eine Milliarde Euro aufgebracht, um ein Bild auf einer Karte zu haben. Mehr Nutzen hat der gesetzlich Versicherte in Deutschland bislang nicht", sagt der Patienten- und Pflegebeauftragte Laumann.

Das Gesetz sei notwendig, weil die ganze Entwicklung der Telematik  im Gesundheitswesen "ein Trauerspiel" sei. Von der Politik vorgegebene Fristen, Anreize und Sanktionen hält Laumann für richtig und dennoch den Entwurf für human. "Dieses Gesetz ist im Grunde genommen sehr deutlich, aber es lässt der Selbstverwaltung noch ihr Gesicht", erklärt er. Diese habe noch die Chance, es selbst zu machen.

eGK: Diese Daten könnten bei der Behandlung von Notfallpatienten helfen

Von den Vorteilen der eGK zeigt sich der Patientenbeauftragte überzeugt. Es sei wichtig für einen besseren Patientenschutz, wenn Notfalldaten wie Blutgruppe, ein Medikationsplan oder auch Behandlungsunterlagen mit der eGK für Ärzte verfügbar wären, um schneller Informationen über einen zu behandelnden Patienten zu bekommen. Helfen könnte die Karte – in einem zweiten Schritt – auch der Pflege. Von einer Vernetzung der Pflege sei man heute aber noch weit entfernt.

Vielleicht bald Vergangenheit: die Papierakte und der gedruckte Entlassbrief

Gematik-Chef Prof. Dr. Arno Elmer betont, dass auch alle Angehörigen nicht approbierter Gesundheitsberufe in Zukunft die Telematikinfrastruktur, die gerade aufgebaut wird, nutzen können. Laufe alles nach Plan könnte sich jede Leistungserbringerorganisation ab Mitte 2016 – rein technisch betrachtet – an das neue Netz anschließen. Das gelte insbesondere auch für die Pflege. Es mache keinen Sinn, dass Patienten immer noch eine Papierakte oder einen Entlassbrief in die Hand gedrückt bekämen, wenn sie in die stationäre, ambulante Pflege oder in die Reha gingen, so Elmer.

Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit (APS), sorgt sich um die Qualität der Patientensicherheit. "Wir erwarten die längst überfällige Vernetzung aller in der Pflege beteiligten Parteien. Die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Hausärzten, Apotheken, Kliniken und Pflegeeinrichtungen müssen sich zeitnah verbessern", kritisiert die frühere Pflegedirektorin der Charité. Es könne nicht länger sein, dass beispielsweise Rettungsstellen der Kliniken im Akutfall nicht an patientenrelevante Auskünfte herankämen.

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