Forschung -

Transplantation Durchbruch: Maschine hält Spenderleber eine Woche am Leben

Bis jetzt konnte eine Leber nur wenige Stunde außerhalb des Körpers aufbewahrt werden. Eine neue Maschine verlängert die Lebensdauer auf sieben Tage. Sogar mangelhafte Spenderlebern retteten die Forscher mit dem cleveren Gerät. Eine Innovation, die vielen Mut machen dürfte.

Themenseite: Medizintechnik

Ein multidisziplinäres Forscherteam am Forschungsplatz Zürich hat eine Maschine entwickelt, die eine Leber ausserhalb des Körpers eine Woche am Leben erhalten kann. Dies ermöglicht eine Behandlung der Leber vor der Transplantation und könnte künftig vielen Menschen das Leben retten.

Bis jetzt konnten Lebern nur für wenige Stunden ausserhalb des Körpers aufbewahrt werden. Mit der neu entwickelten Perfusionsmaschine gelang es weltweit erstmals, diese Zeitspanne auf eine Woche zu verlängern – ein Durchbruch in der Transplantationsmedizin. Die entsprechende Studie wurde am 13. Januar im Wissenschaftsjournal "Nature Biotechnology" publiziert.

Maschine imitiert menschlichen Körper

Die Maschine imitiert den menschlichen Körper möglichst genau, um den Spenderlebern perfekte Bedingungen zu bieten. Eine Pumpe dient als Herzersatz, ein Oxygenator ersetzt die Lungen und eine Dialyseeinheit die Nieren. Daneben übernehmen zahlreiche Hormon- und Nährstoffinfusionen die Funktionen des Darms und der Bauchspeicheldrüse. Wie das Zwerchfell im menschlichen Körper bewegt die Maschine zudem die Leber im Takt der menschlichen Atmung. Die ausgeklügelte Technologie lässt sich bei Bedarf ferngesteuert betreiben.

Liver4Life Perfusionsmaschine

Mangelhafte Spenderlebern retten

Zu Beginn des Projekts "Liver4Life" in 2015 konnte eine Spenderleber nur während maximal 24 Stunden in einer Maschine aufbewahrt werden. Die nun erreichte Überlebensdauer von sieben Tagen ermöglicht verschiedenste Behandlungen z.B. zur Leberregeneration oder auch onkologische Therapien. So wird es möglich, mangelhafte Spenderlebern zu retten und zu transplantieren.

Liver4Life: Ein Projekt von Wyss Zurich

Das Projekt Liver4Life ist unter dem Dach von Wyss Zurich entstanden, welches das technische Know-how und das biomedizinische Wissen von rund zehn Mediziner, Biologen und Ingenieuren des Universitätsspitals Zürich (USZ), der ETH Zürich und der Universität Zürich (UZH) zusammenbrachte. "Die grösste Herausforderung in der Anfangsphase unseres Projekts bestand darin, eine gemeinsame Sprache zu finden, die eine Verständigung über die jeweiligen Fachjargons der Spezialisten hinaus erlaubte", erklärt Prof. Philipp Rudolf von Rohr, Professor für Verfahrenstechnik an der ETH Zürich und Co-Leiter der publizierten Studie.

Liver4Life Spenderleber

Sechs von zehn Lebern gerettet

Für die Studie wurden zehn Spenderlebern in der Maschine aufbereitet, die alle nicht für eine Transplantation akzeptiert worden waren, weil deren Qualität zu gering war. Sechs dieser zehn Lebern wiesen nach der Perfusion in der Maschine eine hervorragende Funktionsfähigkeit auf. Dies zeigt das Potenzial der neuen Technologie. Gleichzeitig besteht ein grosser Bedarf nach funktionsfähigen Spenderlebern: Allein in der Schweiz warten derzeit zwei- bis dreimal so viele Menschen auf eine Leber wie tatsächlich transplantiert werden können. Die erste mit dem neuen Verfahren behandelte Leber dürfte 2020 eingesetzt werden.

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