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Medikamentenfehler und unerwünschte Arzneimittelwirkungen Dunkelziffer unterschätzt

Telefonische Meldungen bei Giftzentralen können wertvolle Hinweise über Medikamentenfehler und unerwünschte Arzneimittelwirkungen geben. Da sowohl Patienten bzw. deren Angehörige als auch medizinisches Personal jederzeit bei Giftzentralen anrufen können, werden auch Vorkommnisse außerhalb der Klinikversorgung erfasst.

Von allen Anrufen bei einer kanadischen Giftzentrale während eines Jahres wurden 32,5 Prozent wegen unerwünschter Vorkommnisse im Zusammenhang mit Medikamenten getätigt.

Es wurde unterschieden zwischen (1) „therapeutischen Fehlern“ (30,8 Prozent), also Abweichung vom üblichen Medikationsregime in Form einer falschen Dosierung, eines falschen Applikationswegs, des falschen Empfängers oder der falschen Substanz, (2) „unerwünschten Arzneimittelreaktionen“ (vier Prozent), die auftreten, obwohl das Medikament richtig verschrieben und eingenommen wurde, z.B. bei allergischen Reaktionen, und (3) „anderen Reaktionen“ (65,2 Prozent), z.B. unbeabsichtigter Fehlgebrauch.

Die Mehrheit der Effekte war gar nicht bis mäßig toxisch (78,4 Prozent), dennoch mussten von den Personen mit unerwünschten Arzneimittelreaktionen 3,3 Prozent (n = 2) intensivmedizinisch behandelt werden. Von den Personen, bei denen therapeutische Fehler gemacht wurden, musste ein Prozent (n = 6) stationär behandelt werden. Therapeutische Fehler wurden bei Männern und Frauen gleich häufig begangen, allerdings war das Alter der betroffenen Frauen/Mädchen (37 Jahre) höher als das der Männer/Jungen (16 Jahre). Therapeutische Fehler wurden in der Regel bei Analgetika und Antipyretika (24,7 Prozent) gemacht, gefolgt von Antibiotika (7,9 Prozent), Antidepressiva (5,3 Prozent) und sedativen Hypnotika (3,2 Prozent). Die schwerwiegendsten Fehler (mit intensivpflichtiger Behandlung der Betroffenen) unterliefen mit Phenytoin (Antiepileptikum) und mit Flupentixol (Neuroleptikum). Unerwünschte Arzneimittelreaktionen waren bei Frauen/Mädchen (57,4 Prozent) häufiger als bei Männern/Jungen (42,6 Prozent).

Häufigste Substanzen waren Analgetika und Antipyretika (26,2 Prozent) sowie Antibiotika (23,0 Prozent). Die schwersten Folgen waren bei Diazepam (Benzodiazepinderivat) und Phenobarbital (Barbiturat) zu beobachten.

Methoden

Es wurden alle Anrufe, die während eines Jahres bei einer kanadischen Giftzentrale, die für rund eine Million Bürger zuständig ist und 365 Tage im Jahr über 24 Stunden pro Tag erreichbar ist, ausgewertet.

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