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DMEA 2021 Digital Health: Nachhaltige Vernetzung statt Corona-Strohfeuer

Connecting Digital Health: Unter diesem Motto findet vom 7. bis 11. Juni 2021 die Fachmesse für Health-IT DMEA statt. Leider wieder rein digital aber auch passend, denn ob Krankenhauszukunftsgesetz oder die elektronische Patientenakte: In der Zeit der Corona-Pandemie ist auf dem Gebiet der Digitalisierung so viel passiert, wie in den letzten Jahren nicht.

Topic channels: Digitalisierung und KHZG
  • Eröffnung der DMEA 2021 mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
  • Gesundheitsfragen aus Sicht der Patientinnen und Patienten denken
  • 2021: ein Jahr der Chancen und Herausforderungen
  • Digitalisierung im Bereich der sonstigen Leistungserbringer
  • Leuchtturmprojekt in Ostwestfalen
  • Cloudlösungen für optimierte Klinikprozesse
  • Damit Elektrifizierung zu Digitalisierung wird
  • Der Blindspot: Patientinnen und Patienten
  • Digitale Patientenportale und das KHZG
  • Patienten, Prozesse, Portallösungen

*** Hinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Für Updates nach unten scrollen. Letzte Aktualisierung am 10. Juni 2021, 15:45 Uhr ***

Bisher wurde Deutschland eher belächelt, wenn es um digitale Zukunftsthemen ging. Erst recht im Gesundheitssektor sind andere Länder, wie die USA weiter. Aber in der Corona-Pandemie im letzten und in diesem Jahr ist viel passiert. Das KHZG, die elektronische Patientenakte (ePA), das e-Rezept: Kann Deutschland dadurch zum Vorreiter werden? Wie kann aus den Milliarden des KHZG Nachhaltiges entstehen, damit es nicht bei einem Corona-Strohfeuer bleibt?

Eröffnung der DMEA 2021 mit Jens Spahn

Diese Fragestellungen waren der Schwerpunkt im Interview mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der stolz auf das bisher Erreichte die diesjährige DMEA eröffnete. Wie Vieles in Berlin, sei auch das Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens noch eine große Baustelle, gab Spahn zu, aber das Fundament sei fertig. Man habe viel Zeit, Geld und Nerven investiert und auch nach der anstehenden Bundestagswahl im September, müsse das Ziel sein dort weiter zu machen.

"Wichtig ist, dass wir nichts erzwingen, schon gar nicht bei den Patienten. Die ePA soll alles einfacher machen."
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU

Der Digitale Impfpass, die ePA, die sektorenübergreifende digitale Zusammenarbeit, das alles solle für die Bürger selbstverständlich werden, sagt Spahn. Genau wie eine digitale Identität für jeden Bürger. "Aus der Pandemie sollten wir lernen, uns weniger Sorgen zu machen, sondern mehr die Chancen zu sehen", sagt Spahn auf den Datenschutz und die Akzeptanz der Bürger angesprochen. Wichtig sei nur, bei den Patientnnen und Patienten nichts zu erzwingen. Das gleiche gelte für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die Bereicherung sei und nicht Bedrohung.

DMEA 2021: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Interview

Gesundheitsfragen mehr aus Sicht der Patientinnen und Patienten denken

Voraussetzungen für eine breite Akzeptanz sind aber eine Regulatorik und eben der Datenschutz und auch die Beantwortung von Haftungsfragen. Die Fragen tauchen auf, wenn sich Patientinnen und Patienten beispielsweise mit Apps oder Smartwatches überwachen. Technisch ist vieles möglich, wie Dr. Alexander Alscher von Samedi vortägt. Smart-Wearables, die Vitalfunktionen überwachen und bei Bedarf automatisch einen Termin in einer Praxis oder Klinik machen, können den zu behandelnden Menschen und die Behandelnden direkt miteinander vernetzen, liefern in Echtzeit konkrete Daten und könnten die Patient Journey in Zukunft viel effizienter gestalten. Die Herausforderung hier wird die medizinische und versorgungstechnische Definition sein: Ab welchem Punkt kann man die Patientenbetreuung Automatisieren, wann z.B. soll automatisch ein Rettungswagen gerufen werden? Wer haftet für Systemfehler?

Die App auf Rezept

Aber auch für Gesundheits-Apps, die durch das digitale Versorgung-Gesetz auf Rezept verschrieben werden können, liegt der Grundsatz für den Erfolg in der Akzeptanz der Nutzerinnen und Nutzer. Alexandra Heidel von der CompuGroup Medical Deutschland AG, ist dafür sowohl Ärztinnen und Ärzte, als auch ihre Patienten aufzuklären: Sowohl über den Datenschutz, als auch über den Nutzen der jeweiligen App. "Es sollen nicht nur die technik-affinen Menschen die Apps benutzen, sondern die, die sie brauchen", sagt Heidel. Ganz wichtig dabei: die Aufnahme ins DiGA-Verzeichnis.

Sicherheit und Autonomie für Schwangere

Die App Uma, die als Forschungsprojekt an der Hochschule für Gesundheit in Bochum entwickelt wurde, ist noch nicht als Medizinprodukt zertifiziert, aber auf dem besten Wege dahin. Gründerin Mirjam Peters will mit Uma die Selbstbestimmung von Frauen stärken. Uma ist eine App für Schwangere, die den Frauen helfen soll, kleine Beschwerden von echten Problemen zu unterscheiden. Die App ist mit Hilfe von Gynäkologen und Hebammen entwickelt worden und ist als Beta-Version in den App-Stores erhältlich. Bei Gesundheits-Apps ist aber auch ein konkreter User-Research wichtig. Das hat auch Uma-Entwicklerin Peters gemerkt. "Wir sind immer wieder überrascht, dass unsere eigenen Annahmen oft nicht richtig sind, sondern, dass die Endnutzerinnen teils ganz anders denken, als wir."

DMEA 2021

*** Update: vom 7. Juni 2021, 17:50 Uhr ***

2021 wird ein chancenreiches, aber auch herausforderndes Jahr

Mit dem KHZG hat der Bund ein Förderprogramm aufgelegt, das es in der deutschen Gesundheitspolitik noch nicht gegeben hat. Die Bundesländer können über mögliche Förderschwerpunkte der klinischen Versorgung entscheiden. Ab Mitte des Jahres folgt dann die Evaluierung des digitalen Reifegrades der deutschen Krankenhauslandschaft. Gleichzeitig haben Versicherte seit Jahresbeginn die Möglichkeit, eine elektronische Patientenakte (ePA) zu nutzen. Damit verbunden ist ein gesetzlicher Anspruch auf Befüllung der Akte durch die Leistungserbringer, also auch die Kliniken. Das macht 2021 zu einem Jahr voller Chancen aber auch Herausforderungen.

Wie geht es nach der Bundestagswahl weiter und wie nach 2023?

Wie wird das angestoßene Projekt nach der Bundestagswahl im September, nach einem möglichen Regierungswechsel aussehen? Dazu hatten der Vorstand des bvitg Matthias Meierhofer und Michael Waldbrenner, Managing Director bei der Deutsche Telekom Clinical Solutions GmbH Gesundheitspolitiker aus Regierung und Opposition eingeladen.

Die Gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen, Maria Klein-Schmeink befürwortet das KHZG, mahnt aber an, in der nächsten Wahlperiode auch die Betriebskosten der Beteiligten zu berücksichtigen. Alles, was nicht bis 2023 beantragt wird, drohe wieder im Staatssäckel zu versiegen. Sie plädiert darum für eine Verlängerung der Gelder.

"Wir brauchen eine Perspektive für die Zukunft, wenn das KHZG ausläuft."
Dirk Heidenblut, SPD-Gesundheitsexperte

Gut ausgestattet, schlecht vernetzt

Auch Dirk Heidenblut vom Gesundheitsausschuss der Bundesregierung sieht die Notwendigkeit, Krankenhäusern Investitionssicherheit zu geben. "Bis zum Ende dieser Legislatur wird es kein neues Gesetz geben, das das regelt", sagt der SPD-Politiker und erklärt weiter: "Aber wir brauchen eine Perspektive für die Zukunft, wenn das KHZG ausläuft."

Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), ist für eine Anschlussfinanzierung nach 2023, sieht aber die Länder in der Pflicht. Bevor es neue Förderungen gibt, ist er dafür, die Reifegradprüfung abzuwarten. "Unsere Krankenhäuser sind z.T. digital gut ausgestattet aber nicht vernetzt. Wir müssen erst wissen, wo wir stehen", sagt Rüddel.

Föderalismus hemmt Digitalisierung

Auch Waldbrenner fordert für die Deutsche Telekom eine Anschlussfinanzierung über das Jahr 2023 hinaus. Zudem bemängelt er, dass unterschiedliche Datenschutz-Vorgaben in den einzelnen Bundesländern eine flächendeckende Digitalisierung bremsen. Klein-Schmeink bringt einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern ins Gespräch, damit der Föderalismus die Digitalisierung nicht hemmt. Sie glaubt: "Der Datenschutz an sich ist nicht das Problem, sondern dass er neu gedacht werden muss." Auch Heidenblut glaubt, dass verschiedene Auslegungen des Datenschutzes in den einzelnen Ländern ein Hemmnis sein können. Hier kann ein Staatsvertrag helfen und Hürden abbauen.

*** Update: vom 8. Juni 2021, 13:25 Uhr ***

Nicht nur Klinken, Arztpraxen und Apotheken

Hürden abzubauen gilt es noch an vielen Stellen. Beispielsweise auch im Bereich der sonstigen Leistungserbringer. Darunter fallen Gesundheitsberufe, wie die Physio-, Logo- oder Ergotherapie, aber auch Sanitätshäuser, Rehatechnikhersteller oder Krankentransportunternehmen. Auch ihnen fällt eine große Rolle bei der Patientenversorgung zu, wie Ingo Feldhaus, von der Arbeitsgruppe Sonstige Leistungserbringer im bvitg sagt: "Das deutsche Gesundheitssystem besteht nicht nur aus Klinken, Arztpraxen und Apotheken. Wenn eine vernetzte Versorgung erreicht werden soll, müssen alle relevanten Akteure berücksichtigt werden."

"Wenn eine vernetzte Versorgung erreicht werden soll, müssen alle relevanten Akteure berücksichtigt werden.“
Ingo Feldhaus, AG Sonstige Leistungserbringer - bvitg

Durch die großen Digitalisierungsgesetze (DVG, PDSG und DVPMG) wurden wichtige Entwicklungen angestoßen, mit denen die Digitalisierung auch im Bereich der sonstigen Leistungserbringer einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht hat, z.B. die Anbindung an die Telematikinfrastruktur oder die Ausweitung der e-Verordnung. "Ein freiwilliges anschließen an die vorhandene TI bereits jetzt möglich", sagt Feldhaus. Die erste Gruppe, z.B. Physiotherapiepraxen, macht das schon.

Vernetzte Versorgung braucht alle Akteure

Jan Benedikt Brönneke vom Health Innovation Hub des Bundesgesundheitsministeriums weist auf die große Diversität der Akteure im Gesundheitssektor. Er sagt: "Wir schauen oft nur auf die großen, aber es muss auch der kleine Orthopädieschuhtechniker mitgenommen werden, damit die Digitalisierung einen Mehrwert bietet."

Viele Unternehmen sind natürlich intern bereits auf dem digitalen Weg, allein die Vernetzung zwischen den Akteuren fehlt. Rita Becher, Geschäftsführerin eines großen Sanitätshauses aus Engelskirchen bei Köln, hofft auf eine komplette Digitalisierung: "Wir müssen unsere digitalen, oft wieder in analoge Prozesse umwandeln, um mit Krankenkassen, Sozialkassen, Berufsgenossenschaften, Pflegeeinrichtungen, dem Medizinischen Dienst oder auch privaten Zahlern abrechnen zu können."

*** Update: vom 8. Juni 2021, 14:37 Uhr ***

Leuchtturmprojekt in Ostwestfalen

Eine digitale Gesundheitsplattform, in der Daten standardisiert allen beteiligten Akteuren zur Verfügung stehen und die eine patientenzentrierte, sektorenübergreifende, möglichst nahtlose Versorgung ermöglichen. Das ist das Ziel aller, die sich mit dem Thema beschäftigen. So ein Leuchtturmprojekt ist in Nordrhein-Westfalen angelaufen: Im Projekt "Digitale Gesundheitsplattform OWL“ im Raum Paderborn sind fünf Krankenhäuser und mehr als 100 Arztpraxen miteinander vernetzt. Mit dem Land NRW und dem technischen Partner Philips wurde das deutschlandweit bisher einzige Projekt gestartet.

Dabei spiele es keine Rolle, ob ein solches Projekt im Ländlichen Raum oder in einer Metropolregion implementiert wird, es komme darauf an, dass sich Akteure zusammenfinden und beginnen, meint Gerrit Schick, Vorstandsvorsitzender des bvitg und Leiter Healthcare Informatics und Population Health Management für den DACH-Markt bei Philips.

Akzeptanz der Mitarbeitenden nicht vergessen

Auch Marco Siebener, IT-Leiter im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), ist sich sicher: "Regional starten ist richtig. Wenn man klein und konkret anfängt, hat man eine Chance." Im UKE versuche man das Modell aus Paderborn zu übertragen, sagt Siebener.

Aber nicht nur an der Vernetzung, auch mit der Anwendung steht und fällt ein solches Projekt. Prof. Dr. Lutz Fritsche, medizinischer Vorstand der Berliner Johannisstift-Diakonie und Lehrbeauftragter an der evangelischen Hochschule Berlin, sieht den Erfolg in der Userbility für die Mitarbeitenden: "Es geht hier nicht um eine schöne App, das kann ein Gamechanger sein und da muss man alle mitnehmen, nur dann ist es nachhaltig." Laut Fritsche machen es Softwareentwickler gerade älteren Mitarbeitenden im Gesundheitssektor oft nicht leicht.

*** Update: vom 9. Juni 2021, 11:00 Uhr ***

Cloudlösungen für optimierte Klinikprozesse

Aber auch die Prozessverantwortlichen in Krankenhäusern stehen vor große Herausforderungen. Die IT-Abteilungen in Gesundheitseinrichtungen müssen u.a. Pflegedokumentationen, Bettenbelegungssysteme, Notfallkommunikation und interne Kommunikationswege miteinander verknüpfen .

Stefan Patzelt, Head of Innovations beim IT- und Telekommunikations-Spezialisten Ostertag DeTeWe, setzt dabei auf Cloudlösungen. "Die Häuser sind gefordert, Sicherheit und Redundanz zu bieten, Patientinnen und Patienten wollen WLAN, wollen Musik und Filme streamen, bringen ihre eigenen Geräte mit. Dazu kommen noch Zugriffe von außen und natürlich noch alles, was im Haus benötigt wird. Da trifft viel aufeinander und da ist die Cloudkommunikation insgesamt am besten." Neben der Konnektivität und der Mehrfachredundanz, haben Cloudlösungen auch den Vorteil, dass ständig Sicherheitsupdates vom Betreiber kommen und sich die Hauseigene IT darum nicht mehr kümmern muss.

Smartphone als Alleskönner in der Pflege

Über ein System, das an die Cloudlösung von Ostertag DeTeWe andockt, berichtet Marcel Fix vom schweizer Telekommunikationsunternehmen Ascom. Das Smartphone Myco 3 wird im Einsatz in der Pflege für die Wund- und Pflegedokumentation, als Messenger und Diktiergerät verwendet und kann mit diversen Überwachungsgeräten gekoppelt werden. Die Telefonie lässt sich in die Cloud integrieren und funktioniert über DECT, Mobilfunk und WLAN.

*** Update: vom 9. Juni 2021, 13:00 Uhr ***

Damit die Elektrifizierung zu Digitalisierung wird

Bisher wurde im Gesundheitswesen viel elektrifiziert. Jetzt müssen die vielen Insellösungen sektorenübergreifend zusammengeführt werden, erst dann könne man wirklich von Digitalisierung sprechen, ist Frank Schloße, von Deutsche Telekom Healthcare Solutions, überzeugt. Das alles gebe es nicht zum Nulltarif und auch nicht im Plug&Play-Verfahren, merkt Telekom Healthcare Sales Director André Elsenbruch an: "Da kommt auf alle Beteiligten eine Menge Arbeit in sehr kurzer Zeit zu."

Michael Waldbrenner, Geschäftsführer der Deutschen Telekom Clinical Solutions nennt die wichtigsten Player, die mitspielen müssen, damit ein großes Ganzes gelingen kann: die "vier P‘s", wie er sie nennt, sind die Provider, die Payer, die Politik und die Patientinnen und Patienten. Und gerade letztere müssten durch niedrigschwellige Angebote und eine gute Userbility in die Digitalisierung mit einbezogen werden.

*** Update: vom 9. Juni 2021, 15:40 Uhr ***

Der Blindspot: Patientinnen und Patienten

Immer mehr Patienten sind Digital Natives, aber eben noch lange nicht alle. Patient-Empowerment heißt das Zauberwort, damit auch die Menschen an ihrer Behandlung teilnehmen können. Aber wie viel Gesundheitskompetenz brauchen Bürgerinnen und Bürger und welche Fähigkeiten braucht medizinisches Fachpersonal in einem digitalisierten Gesundheitswesen? Wo steht der Mensch in diesem System?

"Wir können Informationen nicht mehr von Patientinnen und Patienten fernhalten, wir müssen sie als wichtigen Baustein ansehen.“
Mina Luetkens, Patients4Digital

Diese Frage stellt sich Mina Luetkens. Sie ist Expertin für Patientenorientierung im Gesundheitswesen und Gründerin von Patients4Digital, einem Verband, der Patienten in den digitalen Prozess einbinden will. Für Sie ist klar: die Bürgerinnen und Bürger sind noch viel zu wenig in diese Transformation involviert. Sie sagt: "Wir brauchen ein komplett anderes Mindset. Wir können Informationen nicht mehr von Patientinnen und Patienten fernhalten, wir müssen sie als wichtigen Baustein ansehen.“

Auch die Digitalisierung funktioniert nur mit Vertrauen

Die Unternehmerin und Digital-Health Expertin Inga Bergen ergänzt, bei aller notwendigen Automatisierung und Optimierung von Prozessen, den Faktor Mensch noch mehr zu stärken: "Wir legen gerade einen großen Fokus auf digitale Lösungen und das ist auch richtig so, aber für Patienten ist das nur ein Teil des Ganzen. Sie achten auf zwischenmenschliche Kommunikation. Nur Menschen können anderen Menschen Vertrauen in eine Behandlung geben." Nur wenn das Vertrauen stimmt, machen die Menschen mit, sind Bergen und Luetkens überzeugt und nur dann kann Digitalisierung funktionieren.

Digitale Patientenportale und das KHZG

Ein wichtiges Mittel zur Kommunikation zwischen Patienten und Krankenhaus ist das Patientenportal, das nun durch das KHZG eine völlig neue Gewichtung erfährt. Erste Zahlen zeigen, dass Digitale Patientenportale bei den Bedarfsanmeldungen einen Großteil der beantragten förderfähigen Vorhaben stellen. Doch die Einführung einer solchen Software ist komplexer als es zunächst scheint, erklären Alexander Janßen, der Gesundheitseinrichtungen berät, und Alexandra Diers, Head of Key Accounts Hospitals Doctolib. Denn ein Patientenportal muss sich am Ende nahtlos in die Digitalisierungsstrategie einfügen und berührt viele weitere Bereiche wie u.a. das Entlassmanagement.

Auch das Prozessmanagement wird einer Bestandsaufnahme unterzogen, denn ein bekanntes Zitat bringt es auf den Punkt: "Was hat man davon, wenn man einen schlechten Prozess digitalisiert? Einen schlechten digitalen Prozess." Wo Einrichtungen zum Start des KHZG "nur" die Muss-Kriterien erfüllen wollten, setzen sie nun vermehrt den Fokus auf die Frage: Welchen Mehrwert können wir zusätzlich durch das Patientenportal schaffen? Zwei Umfragen unter den fast 60 Teilnehmenden der Session zeigten ein aktuelles Stimmungsbild der Branche:

Was ist für Sie das wichtigste Kriterium bei einem Patientenportal? (Mehrfachauswahl möglich)
  1. Interoperabilität (69 %)
  2. Bekanntheit bei Patienten (47 %)
  3. Vernetzung mit Ärzten (intersektorale Versorgung) (44 %)
  4. Zusatzfunktionen (Kann-Vorgaben im KHZG) (13 %)
  5. Kosten/Finanzierung (9 %)
Welchen Mehrwert sehen Sie durch digitale Patientenportale? (Mehrfachauswahl möglich)
  1. Höhere Patientenzufriedenheit (38 %)
  2. Effizienzgewinne in Administration (29 %)
  3. Bessere Patientensteuerung (26 %)
  4. Zusätzliche Patienten (6 %)

*** Update: vom 10. Juni 2021, 16:55 Uhr ***

Patienten, Prozesse, Portallösungen

Nachhaltige Digitalisierung im Gesundheitswesen braucht neben funktionierenden und userfreundlichen Anwendungen vor allem eine reibungslose Vernetzung. So könnte das Fazit aussehen, wenn man einen Strich unter die diesjährige DMEA ziehen möchte. Wie ein roter Faden zog sich durch fast alle Diskussionen, Vorträge und Produktpräsentationen, das Einbeziehen der Patienten.

"Der Patient ist einer, der aktiv mitmacht."
Tobias Schlecht, Nexus AG

Nahezu alle Portallösungen setzen auf Teilhabe und Teilnahme von Patientinnen und Patienten. Patient Empowerment ist das Thema, dem sich alle angenommen haben. "Der Patient ist nicht mehr nur der zu Behandelnde, sondern einer der aktiv mitmacht", sagt Tobias Schlecht, Leiter Produktmanagement beim Softwareentwickler Nexus aus Donaueschingen, der auf Portallösungen spezialisiert ist.

Patientinnen und Patienten als aktiver Teil des Behandlungsteams

Mit Plattformlösungen sind Menschen Teil der Behandlung: von der Terminfindung vor, über Untersuchungen während, bis hin zum Arztbrief nach dem Klinikaufenthalt, werden Patientinnen und Patienten in die Behandlung einbezogen, sind Teil des Teams. So kann auf allen Seiten wertvolle Zeit, viel Papier und letzten Endes auch Geld gespart werden. Vorausgesetzt, Kliniken, Hausarztpraxen, Rehaeinrichtungen, Apotheken und viele weitere Akteure werden in die nachhaltige Versorgung einbezogen.

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