Positionspapier DKG drängt auf Psychiatrie-Reform

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Corona-Pandemie und Psychiatrie

Die Corona-Pandemie hat psychischen Erkrankungen weltweit Vorschub geleistet. Um auf Sicht die Angebote für Betroffene zu verbessern, braucht es umfangreiche Reformen in den Bereichen Psychiatrie und Psychosomatik, schreibt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) in einem neuen Positionspapier.

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert in ihrem Positionspapier umfangreiche Reformen in den Bereichen Psychiatrie und Psychosomatik. – © VectorMine (stock.adobe.com)

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft ( DKG) erklärt: „Wir haben ein hoch effektives und qualitativ hochwertiges Versorgungsnetz in den Kliniken. Gleichzeitig bestehen extreme Herausforderungen für die Versorgung psychisch kranker Menschen in Deutschland. Wir brauchen dringende Reformen und erwarten von einer zukünftigen Regierung und Koalition, dass das Thema nachhaltig angegangen wird.“

Herausforderungen bewältigen

Die DKG betont im Positionspapier die große Bedeutung, die den stationären Einrichtungen bei der Versorgung psychiatrischer und psychosomatischer Patienten und Patientinnen zukommt. Sie verweist zudem auf neu entstehende Herausforderungen durch Entwicklungen wie die Spezialisierung der Medizin und den demografischen Wandel. In ihrer derzeitigen Verfassung sei die psychiatrische und psychosomatische Versorgungslandschaft nach Ansicht der DKG diesen jedoch nicht gewachsen. Laut Positionspapier „gefährden die bestehenden Rahmenbedingungen (…) die am individuellen Patientenbedarf orientierte Versorgung und stellen Hürden für die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen dar“.

Versorgungsnetzwerke etablieren

Einer der Hauptkritikpunkte der DKG betrifft die Fragmentierung der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung. Sie erschwere vernetzte, ineinandergreifende Behandlungsansätze. Hinzu komme vielerorts ein Mangel an vertragsärztlicher Versorgung. Die DKG plädiert deshalb für die Etablierung regionaler krankenhauszentrierter Versorgungsnetzwerke und den Ausbau ambulanter Behandlungsmöglichkeiten für Kliniken.  

Personalsituation verbessern

Ebenfalls im Fokus: die Verbesserung der Personalsituation in den Einrichtungen. Im Positionspapier heißt es hierzu: „Die kleinteiligen und restriktiven Personalmindestanforderungen des G-BA sind hierfür und als Instrument der Qualitätssicherung vollkommen ungeeignet.“ Weiterer Reformbedarf bestehe laut Verband außerdem bei den Themen Vergütungssystematik und Dokumentations- und Nachweispflichten sowie beim Ausbau der Digitalisierung.

Die fünf wichtigsten Punkte zusammengefasst

Aus Sicht der Krankenhäuser gibt es v.a. allem fünf Bereiche, in denen grundlegend reformiert werden muss:

  • Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgungsstrukturen und Förderung regionaler Netzwerke,
  • sinnvolle Weiterentwicklung der Personalausstattung,
  • Weiterentwicklung des Vergütungssystems,
  • Abbau überflüssiger Dokumentations- und Nachweispflichten sowie
  • Ausbau der Digitalisierung.
 

Diese Reformbedarfe wurden in „Positionen der Deutschen Krankenhausgesellschaft zur psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung für die 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages“ zusammengeführt. 

Das Positionspapier der DKG finden Sie mit einem Klick hierauf.  

Hintergrund: Die psychiatrische und psychosomatische Versorgung in Deutschland

Mehr als 800 Fachabteilungen für Erwachsenenpsychiatrie, Psychosomatik und Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland versorgen etwa eine Million Patientinnen und Patienten pro Jahr. Neben vollstationärer Behandlung bieten rund 750 der Einrichtungen auch teilstationäre Behandlung an. Etwa 450 Krankenhäuser versorgen Patientinnen und Patienten in Psychiatrischen Institutsambulanzen. Mehr als 7.500 Ärztinnen und Ärzte und 48.500 Pflegende versorgen in multiprofessionellen Teams mit Psychotherapeuten und -therapeutinnen sowie Spezialtherapeuten und -therapeutinnen die Patientinnen und Patienten rund um die Uhr. Die Krankenhäuser stellen eine moderne psychiatrische und psychosomatische, auf den individuellen Bedarf der Patientinnen und Patienten ausgerichtete Versorgung sicher.