Personal&Führung -

Digitalisierungsgrad des Krankenhauses Wettbewerbsvorteil im Werben um Fachkräfte

Der „War for Talents“ ist überall spürbar. Ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, wird in Zukunft noch verstärkt über die Zukunftsfähigkeit von Gesundheitsunternehmen entscheiden. Die Klinikgruppe Asklepios hat daher eine Reihe von Ansätzen entwickelt, um Fachkräfte zu rekrutieren und zu binden bzw. selbst auszubilden.

Die Klinikgruppe Asklepios mit rund 150 Gesundheitseinrichtungen in 14 Bundesländern hat daher eine Reihe von Ansätzen entwickelt, um Fachkräfte zu rekrutieren und zu binden bzw. selbst auszubilden. Neben der eigenen Medical School wird auch zunehmend der Grad der Digitalisierung als Faktor für die Gewinnung junger Ärzte ernst genommen, weiß Prof. Dr. med. Alexander Ghanem, Leiter der Kardiologie und Internistischen Intensivmedizin der Hamburger Asklepios Klinik Nord - Heidberg, zu berichten.  

Diese Faktoren machen Asklepios Heidberg zu einem besonderen Haus

„Wir sind ein Maximalversorger mit 24 Fachabteilungen – darunter die Kardiologie und Internistische Intensivmedizin – mit einer definierten Zielvorstellung von der Patientenversorgung“, unterstreicht der Chefkardiologe: „Wir möchten, dass die Patienten, die Zuweiser, die Mitarbeitenden gern zu uns kommen, in unser Haus mit flachen Hierarchien und gutem Umgang miteinander. Wir haben das Ethos, die Patientenversorgung an die erste Stelle zu setzen. Das macht ein gutes Krankenhaus aus – und eben das Asklepios Klinikum Heidberg“.

Neue Mitarbeiter zu gewinnen – das hat eine ganz hohe Priorität in Heidberg. „Über die Asklepios Medical School, unsere eigene Kaderschmiede, haben wir die Möglichkeit zur Rekrutierung von Studenten“, erläutert der Prof. Ghanem. In der Kardiologie der Klinik ist die Großzahl der Ärzte aus der Reihe der Assistenten rekrutiert – er sei der einzige Externe, betont der Chefkardiologe – worauf das Haus sehr stolz sein könne. „Hinter der Idee dieser Kaderschmiede steht das Paradigma des Generierens von Nachwuchs aus dem eigenen Haus“.

Forderungen der neuen Generation

Dass in Zeiten digitaler Transformation  und Disruption ein Führungsverständnis, das sich im reinen Verwalten („Managen“), Optimieren von Prozessen und Streben nach Effizienzsteigerung manifestiert, keinen Erfolg verspricht, ist Nachwuchskräften bewusst. Komplexe Herausforderungen lassen sich nicht allein mit Berufserfahrung oder gar Hierarchiedenken lösen. So nehmen sie die Unterstützung durch digitale Lösungen und Anwendungen eher selbstverständlich in Anspruch – sie fordern sie sogar. Dass sich Gesundheitseinrichtungen gerade im Zwischenstadium der Digitalisierung befinden, macht den „Cultural Fit“ nicht leichter. So beobachtet Prof. Ghanem: „Die Millennials nehmen viele Dinge im heutigen Arbeitsalltag als irritierend wahr, etwa Patientenakten in Papierform und Medienbrüche auf dem Weg hin zur elektronischen Patientenakte. Deshalb ist es für mich auf der einen Seite eine Herausforderung, diese Mitarbeiter zu motivieren, mit uns gemeinsam digitaler zu werden – und auf der anderen Seite ist es ein treibender Motor, weil ich natürlich ohne tragfähige Digitalisierung diese Mitarbeiter gar nicht in meine Klinik bekommen kann“. Diese suchen sich dann mitunter andere Arbeitgeber, so der Kardiologe.

Neben diesem Kriterium stehen aber auch gute Möglichkeiten zur Weiter- und Fortbildung auf dem Wunschzettel der jungen Ärzte. Das Thema Wissen bzw. Wissensmanagement spielt für die Asklepios Kliniken von jeher eine zentrale Rolle; so entschied man sich vor knapp zwei Jahren für eine Digitalisierung des Wissensmanagements und für das Wissenstool UpToDate von Wolters Kluwer.

Digitale Lösung für Fortbildung und Qualitätsmanagement

Prof. Dr. Ghamens Team plant, UpToDate vorrangig in der Fortbildung einzusetzen – aber auch in der Qualitätssicherung. „Fortbildung ist deshalb wichtig, weil wir diese beinahe täglich stattfinden lassen – im Rahmen der Visiten“, so der Chefarzt. UpToDate gibt ihm hierzu ein valides Tool an die Hand, mit dem er „einen Goldstandard setzen kann, was die aktuelle Datenlage und Leitlinienempfehlung angeht“. Für junge Mitarbeiter bedeutet dies eine Hilfe dabei, leitlinienkonform zu agieren; und erfahrenere Kollegen können darüber Qualitätssicherung durchführen – vor dem Hintergrund der Fragestellungen „bin ich überhaupt auf dem Stand der Dinge; tue ich, was aktuell notwendig ist … und bin ich aktuell leitlinienkonform?“.

Der Patient als Treiber für digitale Kommunikation

Zu den Veränderungen durch die Digitalisierung zählt, dass der Patient den ersten Schritt tun kann. Über die Neuen Medien, sagt Prof. Dr. Ghanem voraus, können sie Bilder für den Arzt hochladen oder EKGs von ihrer Smartwatch dem Arzt zuspielen, der so seine Diagnostik und Therapie erweitert. Der Input verändert sich also, der Patient „kommt elektronisch im E-Mail-Fach“ beim Arzt an. „Zu Filtern, wer krank ist bzw. wer nur eine Abweichung vom Normalbefund hat – das ist künftig Aufgabe des Arztes; er kann auch seine Patienten besser sortieren: Dank Wearables lassen sich dann auch Herzrhythmusstörungen und weitere Erkrankungen viel früher diagnostizieren. Die längere Tragedauer führt zu einer deutlich besseren Befunddokumentation.“

Wird sich das Berufsbild des Arztes verändern?

Somit bringt der Einsatz von IT-Systemen  wie UpToDate sowohl jungen als auch erfahreneren Kollegen maßgebliche Vorteile. Dabei lautet Dr. Ghanems Einschätzung: „Die körperlich notwendige chirurgische bzw. interventionelle Arbeit am Patienten bleibt erhalten; die Auswertung diagnostischer Bilder ortsunabhängig am Bildschirm und das Einbestellen von Patienten sowie das Führen von Beratungsgesprächen durch elektronische Kommunikation ist die andere Schiene. Ob sprechender oder manuell handelnder Arzt – im Rahmen der Digitalisierung wird sich das Arztbild ändern, ersetzt werden wir jedoch sicher nicht“.

Konsequenzen für Arbeitgeber

„Wie machen wir im Kontext der knappen Ressource Arzt den entscheidenden Faktor aus? Wie modern, wie digital sind wir; wie präsent sind wir im Alltag des Patienten? Gibt es für beide Seiten telemetrische Möglichkeiten, in Kontakt zu treten? Biete ich eine Plattform für die umliegenden Praxen an? Fühlen die Zuweiser sich wohl damit, ihre Patienten uns zu überweisen – weil sie rasch die Befunde erhalten und gut mit uns kommunizieren können … z.B. durch die Verwendung derselben elektronischen Patientenakte wie unser Haus?“ – diese Fragen stellt der Chefkardiologe sich und seinem Klinikum.

Bei der Rekrutierung von High-Potenzials und anderen Mitarbeitern müssen sich Kliniken nicht nur diesen Herausforderungen stellen. Vielmehr gilt es auch, gute Antworten auf Fragen zu finden wie „bin ich der attraktivste am Markt, habe ich angenehme Führungskräfte und gute Strukturen innerhalb der Klinik, die mir ein angenehmes Arbeiten und eine gute Leistungs- und Pflichterfüllung erlauben … anstelle veralteter Strukturen und Ansichten zur Patientenversorgung“, lautet der Blick des Chefarztes in die Zukunft. Die Digitalisierung, so seine Meinung weiter, wird in Zeiten des Wettstreits um Fachkräfte die besten Arbeitgeber herausstellen – und zu ihnen werden die Arbeitnehmer strömen.

Prof. Dr. med. Alexander Ghanem im Interview

Leiter der Kardiologie und Internistischen Intensivmedizin der Hamburger Asklepios Klinik Nord - Heidberg

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