Health Information Exchange Summit Digitalisierung in der DACH-Region braucht mehr als IT

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Sowohl das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) in Deutschland, als auch die Covid-19-Entwicklung in Österreich und der Schweiz zeigen: Interoperabilität, Einbeziehen der User und IT-Sicherheit sind wichtig.

Health Information Exchange Summit, Sylt, Entscheiderfabrik
Beim Health Information Exchange Summit der Entscheiderfabrik wird klar: Digitalisierung ist nicht nur das Vorhandensein von IT. – © Michael Reiter

Digitalisierung ist mehr als der Einsatz und das Betreiben von IT – darin waren sich die Teilnehmenden des Health Information Exchange Leadership Summits, organisiert von der Entscheiderfabrik, einig. Es seien strategische Punkte von der IT-Security über die Interoperabilität bis hin zu den Rollen und Zuständigkeiten der unterschiedlichen Stakeholder – Pflegende, Ärzteschaft und Management – festzulegen, fasste Dr. Pierre-Michael Meier, CEO der Entscheiderfabrik, zusammen. Die Veranstaltung fand vom 15. bis 16. Dezember 2021 im hybriden Format statt – im Kongresscenter auf Sylt und digital. Live vor Ort nahmen 74 Vertreterinnen und Vertreter aus Krankenhausmanagement, Industrie und Wissenschaft teil.

Deutschland, Österreich und die Schweiz: ein Überblick aus der Praxis

Georg Woditsch, Leitung Referat Digitalisierung bei Alexianer GmbH, gab einen Überblick zum Digitalisierungsgrad in Deutschlands Gesundheitssystem. Beim KHZG stünden Patientinnen und Patienten sowie IT-Sicherheit mittlerweile mehr im Fokus, explizit 15 Prozent fallen pro Fördertatbestand auf die IT-Sicherheit ab. Der Markt an Krankenhausinformationssystemen konsolidiere sich momentan etwas, dabei sei für alle Systeme wichtig, auf strukturierte Daten hinzuarbeiten. Als größtes Problem sah er fehlende IT-Mitarbeitende und zu kleine IT-Budgets in deutschen Kliniken.

Im internationalen Vergleich hätte Deutschland noch einige Aufgaben vor sich, beispielsweise sind in der Schweiz bereits 61 Prozent der Bevölkerung an das elektronische Patientendossier angeschlossen (Trend-Befragung zur Verwendung eines eigenen Patientendossiers, 2021), an die elektronische Patientenakte dagegen nur 0,2 Prozent (Bitkom, Mai 2021). Peter Summermatter, CEO the i-engineers, betonte, dass das elektronische Patientendossier im April einen sprunghaften Anstieg an Daten und Vernetzung durch den Anschluss von Pflegeheimen und Geburtshäusern erwarte und die Vernetzung der Gesundheitsdaten sowie zwischen Stakeholdern nun „richtig losgehe“. Im Moment würden auch in der Schweiz v.a. un strukturierte Daten verwendet, z.B. werden PDFs als behandlungsrelevante Dokumente hochgeladen und nicht-strukturierte Informationen bzw. Datensätze. In Vorbereitung sei jedoch schon, strukturierte Daten einzuspeisen, v.a. Impfausweise und Medikationspläne.

Bernd Sadlo, Head of Healthcare, Kapsch BusinessCom, zeigte als Digitalisierungsbeispiel aus Österreich die Anbindung des e-Impfpass und der e-Impfdoc-App an die ELGA-Plattform (elektronische Gesundheitsakte), die über ein E-Health-Gateway geschaffen wurde. Somit konnte in kurzer Zeit eine lückenlose digitale Dokumentation der Impfungen in der Corona-Pandemie sichergestellt werden. Es gebe keine analoge Impfdokumentation mehr wie beispielsweise den gelben Impfpass in Deutschland.

Mehr auf den Mitarbeitenden fokussieren

Rudolf Dück, CEO Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) IT, sagte, Betroffene zu Beteiligten zu machen sei das Erfolgsrezept in der Digitalisierung. User könnten im Projektteam Anwendungen gemeinsam weiterverfolgen. So wäre sichergestellt, dass die Anwendenden (Stakeholder aus Pflege, Ärzteschaft und Klinik) auch von den Projekten profitieren. Zumeist handle es sich bei Digitalisierungsprojekten um Organisationsprojekte und keine reinen IT-Projekte. Auch Andreas Henkel, CIO Universitätsklinik Rechts der Isar der Technischen Universität München, erklärte, Digitalisierung sei eine Herausforderung für die gesamte Organisation und Mitarbeitende auch außerhalb der IT und Krankenhausleitung.

Es ist geplant, dass der nächste Health Information Exchange Leadership Summit vom 14. bis 15. Dezember 2022 im Universitätsspital Basel stattfindet.