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Krankenhauscontrolling-Studie 2019/2020 Digitalisierung im Controlling – noch Luft nach oben!

Ein hoch digitalisiertes Berichtswesen mit weitgehend automatisierten Abläufen gibt es erst in wenigen deutschen Akutkrankenhäusern.

Topic channels: Digitalisierung und Controlling

Die weitgehenden Mobilitätsbeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie führen aktuell zu einem großen Digitalisierungsschub in vielen Lebensbereichen. Es ist zu erwarten, dass diese Entwicklung sich zukünftig auch im Krankenhauscontrolling niederschlagen wird. Die Ausgangsbasis dafür verdeutlichen die Ergebnisse der Krankenhaus­controlling-Studie 2019/2020, die sich – neben weiteren Themen – speziell mit dem Status quo der Digitalisierung in den Controllingabteilungen deutscher Krankenhäuser beschäftigt hat.

Eine wichtige Grundlage für einen hohen Digitalisierungsgrad im Controlling ist die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Quellen in einem Data Warehouse (DWH). Unter den teilnehmenden Krankenhäusern verfügen 58 Prozent über ein solches System, weitere 14 Prozent planen aktuell dessen Einführung. Dabei liegt die Nutzungsquote in großen Häusern (600 Betten und mehr) mit 69 Prozent höher als in mittelgroßen (300 bis 599 Betten, 59 Prozent) und kleinen Häusern (bis 299 Betten, 49 Prozent).

Der Umfang der Daten, die im DWH zusammengeführt werden, ist sehr unterschiedlich. Abb. 1 verdeutlicht, dass v.a. Daten aus der Finanzbuchhaltung und aus den primären Leistungsbereichen (i.d.R. Leistungsdaten aus den Krankenhausinformationssystemen) zumindest teilweise in den DWH der Krankenhäuser vorzufinden sind. Am anderen Ende des Spektrums liegen die Dienstpläne, die nur von einem Drittel der DWH-Nutzer eingebunden werden. Der Umfang der im DWH verfügbaren Daten reicht von einer zumindest teilweisen Verfügbarkeit aller abgefragten Bereiche bis hin zur Verfügbarkeit nur eines einzigen Bereichs. Im Mittel (Median) sind Daten aus acht der zehn abgefragten Bereiche zumindest teilweise eingebunden.

Wie schon in früheren Befragungsrunden, wurden die teilnehmenden Krankenhäuser auch aktuell gefragt, welche Systeme zur Erstellung des Berichtswesens eingesetzt werden. Dabei zeigt sich, dass Tabellenkalkulationsprogramme weiterhin in fast jedem Krankenhaus (95 Prozent) für das Berichtswesen genutzt werden. Dies geschieht vielfach auch ergänzend zum Einsatz von DWH-Lösungen, dem Krankenhausinformationssystem (KIS) und ERP-Software. Die Nutzung von DWH-Lösungen liegt – entsprechend ihrer Verbreitung in den Krankenhäusern – bei 58 Prozent.

Um einen noch tiefergehenden Einblick in den Stand der Digitalisierung zu erhalten, wurden die Teilnehmer der Befragung gebeten, für einzelne Schritte bei der Erstellung eines Ergebnisberichts für die gesamte Einrichtung und eines Kostenberichts für eine Fachabteilung den Umfang der automatisierten Bearbeitungsschritte anzugeben. Da sich die Ergebnisse für beide Berichte nahezu entsprechen, werden in Abb. 2 nur die Angaben für den Kostenbericht auf Fachabteilungsebene dargestellt. Eine Differenzierung erfolgt dabei nach dem Kriterium, ob ein Krankenhaus über ein DWH verfügt oder nicht.

Wie erwartet zeigt sich, dass der Umfang der automatisierten Bearbeitungsschritte bei Häusern mit einem DWH deutlich höher ist. Dies gilt sowohl für die Datenzusammenführung, für die Aufbereitung und Analyse der Daten als auch für den Versand und die Bereitstellung der Berichte. Gleichwohl ist festzustellen, dass auch in vielen Krankenhäusern mit DWH noch eine manuelle Aufbereitung und Nacharbeit notwendig sind. Rund die Hälfte, bei manchen Bearbeitungsschritten sogar zwei Drittel dieser Häuser haben die Berichtsprozesse nicht vollständig digitalisiert.

In der Gesamtbetrachtung zeigen die aktuellen Befragungsergebnisse, dass es bei der Digitalisierung im Krankenhauscontrolling noch „viel Luft nach oben“ gibt. Mehr als ein Drittel der Krankenhäuser verfügt bislang über keine zentrale Datenzusammenführung und ist in hohem Maße auf manuelle Arbeitsschritte im Berichtsprozess angewiesen. Die Einführung eines DWH bietet das Potenzial zur deutlichen Erhöhung der Automatisierung. Diese werden allerdings trotz eines vorhandenen DWH vielfach noch nicht genutzt.

Über die Studie

Die Studie zum Stand und Umsetzung des Controlling in den deutschen Akutkrankenhäuser wird jährlich vom Deutschen Verein für Krankenhauscontrolling (DVKC) e.V., vom Lehrstuhl für Controlling der Bergischen Universität Wuppertal und von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon durchgeführt. In der vorliegenden neunten Befragungsrunde wurden insbesondere Fragen zur Digitalisierung im Controlling und zum Controlling in der Pflege gestellt. Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage, an der sich mit 141 Krankenhäusern gut sieben Prozent des Marktes beteiligt haben, werden am 11./12. Mai 2020 auf dem Deutschen Krankenhaus Controllertag vorgestellt. Dieser findet, der derzeitigen Situation geschuldet, entweder in Potsdam und in virtueller Form oder nur als Livestream im Internet statt.

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