Digital Health Lexikon -

Digitales BGM

Digitales betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst Maßnahmen der Verhältnis- und Verhaltensprävention, insbesondere z.B. zu den in § 20 SGB V definierten Handlungsfeldern Bewegung, Ernährung, Stress und Sucht, die ganz oder teilweise mit digitalen Tools unterstützt werden können.

1. Synonyme:

Synonym zum digitalen betrieblichen Gesundheitsmanagement wird oft Online-BGM, webbasiertes BGM oder BGM 4.0 verwendet; eine eindeutige Abgrenzung existiert nicht.

2. Kurzhistorie:

Internetgestützte Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements gibt es in Deutschland seit etwa zehn bis 15 Jahren, in den USA sind diese bereits etwas länger vertreten.

3. Ziel:

Das Ziel von webbasiertem BGM ist die Verhältnis- und Verhaltensprävention in den Handlungsfeldern Bewegung, Ernährung, Stress und Sucht. Dabei sollen die Fehltage (Absentismus) gesenkt und die Produktivität durch leistungsfähigere Mitarbeiter bis ins hohe Alter erhöht werden (vgl. § 20 SBG V, § 84 SGB IX oder Ottawa Charta 1986). Insbesondere Lifestyle-Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Übergewicht und Bluthochdruck können die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern beeinträchtigen. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen des Unternehmens, wobei die Führungskultur und das Team sowie die Sinnhaftigkeit der Arbeit die relevanten Parameter für die Gesundheit (im Sinne der WHO von 1948) des Mitarbeiters sind.

4. Wesentliche Merkmale:

Oft sind Wettbewerbs- und Gamification-Elemente enthalten. Vielfach werden im Online-Tool herkömmliche analoge Gesundheitsförderungsangebote im Sinne einer Plattform dem Mitarbeiter offeriert. Vorteile der rein webbasierten Angebote sind Anonymität, Preis-Leistungsverhältnis, zeitliche und räumliche Flexibilität und Mehrsprachigkeit. Zunehmend ist betriebliches Gesundheitsmanagement auch ein Instrument für Arbeitgeber, die Arbeitgebermarke zu stärken. Zudem dient es als Element zur Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitern. Mit webbasiertem BGM werden neue und andere Zielgruppen angesprochen (z.B. Männer, technikaffine Mitarbeiter), wodurch die vorherrschend niedrigen Teilnahmequoten der betrieblichen Gesundheitsförderung ggf. erhöht werden können. Inzwischen gibt es erste Konzepte, um Elemente künstlicher Intelligenz einzusetzen, z.B. zur besseren Zielgruppenidentifikation oder um Maßnahmen passgenauer zu zuschneiden. Viele webbasierte Konzepte integrieren analoge Angebote der herkömmlichen Gesundheitsförderung, binden Wearables (Smart Watch, Fitness-Tracker, Schrittzähler, Sportuhren etc.) ein, um Daten zu generieren, und implementieren telemedizinische Elemente.

5. Wesentliche Einsatzgebiete:

Eingesetzt werden diese Angebote im betrieblichen Setting, wobei die Übergänge zur privaten Individualprävention oder z.B. dem Setting Verein oder Kommune oft fließend sind. Die Qualität der angebotenen Programme ist sehr unterschiedlich, weshalb man diese auf einschlägige Qualitätskriterien überprüfen sollte (vgl. Grafik).

6. Unterscheidung von ähnlichen Begriffen:

Digitales BGM bezieht sich primär auf das Setting Betrieb, während Mobile Health auch andere Settings (z.B. das private) integriert.

DHL_Prof. Volker  Nürnberg

Autor:

Prof. Dr. Volker Nürnberg

Partner bei der Prüf- und Beratungsgesellschaft BDO, lehrt an mehreren Hochschulen wie die TU München

Volker.nuernberg@tum.de 

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