Digitalisierung -

ÖVKT-Tagung in Pörtschach Digitaler laufen lernen

„Digitalisierung ist kein rein technisches Thema. Das Gesundheitswesen 4.0 setzt eine digitale Mündigkeit voraus. Es braucht Regeln, Standards und Sicherheitsvorkehrungen, die der rasch voranschreitenden Technik immer ein Stück weit hinterherhinken, aber dennoch erarbeitet werden müssen.“

Topic channels: Healthcare global, Einrichtung & Ausstattung und Digitalisierung

Radiologen und Juristen müssen nach Prognosen von Volker Wittpahl um ihre Zukunft fürchten. Was sie können, erledigt künstliche Intelligenz (KI) wohl schon bald präziser und schneller. Pflegende hingegen werden durch Roboter und andere smarte Lösungen zwar unterstützt werden, mit ihrer menschlichen Zuwendung aber unersetzbar sein. Auch Krankenhaus- und Facilitymanager müssen nach Wittpahls Einschätzung nicht um ihren Job bangen. Mit ihrer Fähigkeit zur Improvisation und intuitiven Problemlösung seien sie Algorithmen die erforderliche Nasenlänge voraus, führt der Leiter des Instituts für Innovation und Technik (iit) in Berlin weiter aus.

Unter dem Generalthema „Neue Techniken – neuartige Arbeitsplätze“ zeichnet die Jahrestagung des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen (ÖVKT) vom 24. bis 27. September in Pörtschach am Wörthersee ein möglichst scharfes Bild vom bisher eher als Schlagwort existierenden Krankenhaus 4.0.

Innovation zulassen

Während wir uns alle noch gegen die Idee eines Avatars am Empfang sträuben, sollten wir bedenken, dass diese Kunstfiguren alle Sprachen sprechen und verstehen, bei der Erfassung der Daten keine Fehler machen, immer freundlich, nie gestresst und dabei äußerst effizient sind. Mit KI vermessene Tumore könnten von Robotern präziser entfernt werden als von einem Chirurgen nach zwölf Stunden im Dienst. Höchste Zeit also, dass wir uns der digitalen Transformation öffnen, während wir – zu Recht – ein weiterhin menschliches Gesundheitssystem erwarten, fordert Jan Stallkamp von der Fraunhofer Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie in Mannheim. „Die aktuelle Herausforderung der Politik und der Stakeholder im Gesundheitswesen besteht im nächsten Schritt nicht primär in der Entwicklung neuer Technologien, sondern in der Einigung auf einheitliche Prozesse für das digitale Kranken­haus und standardisierte Schnittstellen zur Anwendung vorhandener Technologien. Nur dann kann der Transfer längst verfügbarer Tools ins Krankenhaus gelingen“, so Stallkamp. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die begrenzten Mittel zur Lösung der immer gleichen Aufgabenstellungen der Digitalisierung verbraucht werden.

Im digitalen Krankenhaus macht sich der Patient nicht mehr auf den Weg durch sämtliche, sein Krankheitsbild betreffenden Fachbereiche. Das System kommt zum Patienten. Diagnose und Therapie bilden eine alle Fachbereiche integrierende Einheit. Abteilungsstrukturen gehören ebenso der Vergangenheit an wie Spezialisierungen. Die Klinik 4.0 verlangt damit völlig neue bauliche Konzepte. In einem zwar weitgehend automatisierten Umfeld ermöglicht es durch diese Ganzheitlichkeit unter Umständen sogar eine ganz neue Menschlichkeit.

Menschlich bleiben

Der Mensch sollte im Mittelpunkt aller Überlegungen zur weiteren Technisierung von Krankenhäusern stehen, fordert Johann Čas vom Institut für Technologiefolgenabschätzung in Wien. Vorrangige Zielsetzung sollte in der digitalen Transformation immer eine höhere Qualität bei der Behandlung und Betreuung von Patienten sein. Dies kann einerseits eine Verpflichtung beinhalten, KI zu nutzen, wenn diese zu besseren Diagnosen und Therapien führt, andererseits müssen Entscheidungskompetenzen und Verantwortlichkeiten beim Menschen bleiben. Insbesondere gilt dies auch für Patienten, die entscheiden können müssen, ob sie von Menschen oder von Maschinen behandelt und betreut werden wollen. Effizienzsteigerungen im Sinne von Kosteneinsparungen dürfen nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Mehr dazu hören Sie in zahlreichen interessanten Vorträgen auf der diesjährigen ÖVKT-Tagung in Pörtschach.

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„Neue Technologien - neuartige Arbeitsplätze“ ist das Generalthema der diesjährigen ÖVKT-Tagung vom 24. bis 27. September in Pörtschach. Mehr Informationen zum Programm finden Sie unter www.oevkt.at.

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