Kongress Krankenhausführung Digitale Strategien erfolgreich managen

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Entscheiderfabrik

Beim Kongress der Entscheiderfabrik vom 18. bis 19. Mai 2022 wurden innovative Projekte und Ideen rund um die Digitalisierung ausgetauscht. Die Teilnehmenden diskutierten außerdem über Herausforderungen, die Kliniken bei der digitalen Transformation erwarten.

Digitalisierung Entscheiderfabrik
Beim Kongress Krankenhausführung und digitale Transformation in Bad Kreuznach nahmen mehr als 170 Personen in Präsenz und 1.600 Personen digital teil. – © Kleinsteuber

„Eine nachhaltige Digitalisierung zu bekommen, ist das Ziel“, sagte Peter Förster, Landesvorsitzender beim Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. und Geschäftsführer Westpfalz-Klinikum, zu Beginn des Kongress Krankenhausführung und digitale Transformation in Bad Kreuznach. Dafür müssten Unternehmen und Kliniken zusammenarbeiten. Das Innovationsnetzwerk Entscheiderfabrik unterstützt Einrichtungen dabei, in dem es Industrie- und Klinikvertretende zusammenbringt. Begrüßt wurden die Teilnehmenden des Kongresses außerdem durch Martin Große-Kracht, Präsident Association of Health Information Management Executives (AHIME), und PD Dr. Christian Elsner, Vorstand und Kaufmännischer Direktor Universitätsmedizin Mainz. Dr. Pierre-Michael Meier, CEO der Entscheiderfabrik, führte durch die Veranstaltungstage.

Abgelaufener Entscheiderzyklus 2021

Zum Auftakt der Veranstaltung stellten die Teams der fünf Digitalisierungsthemen 2021 die Ergebnisse ihrer Arbeit vor und schlossen dadurch den Entscheiderzyklus 2021 ab. Details zu den Projekten können Interessierte in diesem Artikel nachlesen. Die Ergebnisse für die fünf Projekte waren u.a.:

  1. Zeit für das Wesentliche – Single-Sign-On-Lösung: In den Projekt-Krankenhäusern wurden u.a. ein schneller Benutzerwechsel durch einen Kiosk Modus umgesetzt, eine Testphase für Single-Sign-On an Apple-Mobilgeräten gestartet sowie Legic Prime als Authentifizierung eingeführt.
  2. Optimal Bed Utilisation and Patient Flow within a hospital using real time patient flow: Unimedizin Mannheim hat das Projekt wegen eines KHZG-Projektes vorzeitig beendet und nicht umgesetzt. Das Klinikum Braunschweig hat u.a. einen Walkout-Alarm umgesetzt, um zu verhindern, dass Kinder unbemerkt die Station verlassen.
  3. Health Data Office – Archivar 4.0 inside: Das Projekt ist bereits in der dritten Runde. 2019 wurde der Bedarf am Markt festgestellt, 2020 ein Proof of Concept umgesetzt und 2021 ein Rollout des Projektes durchgeführt. Das Klinikum St. Vincenz und die Ameos-Gruppe haben u.a. eine Dokumentenqualifizierung umgesetzt.
  4. Closed loop – Sprachverständnis mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI): Das Zollern Alb Klinikum hat den Alphatron Wagen ausgerüstet und iPads in Benutzung, Pflegedokumentation und interne Kurve sollen fortgesetzt werden. Beim Klinikum Porz am Rhein soll eine Evaluation des Projektes erfolgen, um danach eine Entscheidung für eine Spracherkennung zu fällen.
  5. Kontaktlos, sicher und effizient – Videosprechstunde & Chatfunktion als Must-have der digitalen Patientenaufnahme: Dokumente digital signieren, auf Standards setzen, um die Kommunikation von außen nach innen zu bringen. Die Unimedizin Essen hat einen Beirat für Digitalisierung und KI gegründet, mit dem perspektivisch gesprochen werden soll.

Dirk Reddel, Feedbackgeber der Entscheiderfabrik 2021 lobte die Projekte und deren Umsetzungsstati, u.a. sagte er über Projekt „Archivar 4.0“, es habe den Mehrwert, Datenwissen zu teilen und Schlüsse daraus zu ziehen. Er bemängelte jedoch, dass immer wieder gut angelaufene Digitalisierungsvorhaben aufgrund von KHZG-Projekten eingestellt würden wie bei der Universitätsmedizin Mannheim im Projekt zwei. Ob dies sinnvoll sei, stellte er in Frage, verstand aber, dass das Management – oft auch wegen fehlender personeller Ressourcen – Prioritäten setzen müsse.

Workshops mit Raum für Diskussionen

In acht vertiefenden Workshops hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit sich intensiv mit einem Schwerpunktthema auseinanderzusetzen, dessen Herausforderungen und Chancen zu diskutieren und abschließend ihre Ergebnisse mit dem Plenum zu teilen.

Workshop 1: „Zwei KHZG-Fördertatbestände – eine Lösung: careIT One, Alphatron AMiS und ID Medicis im klinischen Stationsalltag“.

Umfangreiche Muss-Anforderungen durch das KHZG führen zu fünf Top-Herausforderungen: Prozesse, Komplexität, Nutzerakzeptanz, Ressourcen und Aufgabenstellung. Diese können beispielsweise durch leistungsfähige Hardware am Point-of-Care oder automatisierte Unterstützung gelöst werden. Fazit: Fokus auf den Menschen legen, da die Software nur so gut ist wie die Menschen, die sie betreuen.

Workshop m.Doc: Schwerpunkt Implementierung des Patientenportals.

Zunächst muss hier die Frage geklärt werden, wie man Patientinnen und Patienten dazu bekommt, neue digitale Wege zu gehen? Hilfreich können hier Use Cases für den Start sein, interdisziplinäre Teams in den Kliniken, und ersichtliche Vorteile für Mitarbeitende.

Workshop 3: „Archivar 4.0 – Partner für Interoperabilität und Wissensmanagement“: Nachweisliche Integrität von Daten als wichtiger Teil vieler Fördertatbestände.

Hier gibt es bei Krankenhäusern oft eine hohe Einstiegshürde, da sie ihre Informationsprozesse kennen müssen und Dokumentationshoheit sicherstellen müssen. Tipp aus der Diskussionsrunde: User involvieren in der Definition der inhaltlichen Perspektive und den Use Cases.

Workshop d.velop: „Entwicklung einer Patienten-Journey – vom analogen Weg zum digitalen Prozess“.

Was passiert analog? Und wie kann man das digital machen? Wo kann man analoge Prozesse digital gestalten, wo sie vollständig automatisieren? Diesen Fragen stellten sich die Diskutanten. „Eine digitale Lösung einzuführen bedeutet nicht nur, ein IT-Thema anzugehen, sondern ganzheitliche Prozesse. Wenn man hier die Menschen nicht abholt, wird man es nicht schaffen, Prozesse und somit die Patienten-Journey zu digitalisieren“, sagte Matthias Habenicht, Senior Account Executive Healthcare bei der d.velop AG.

Workshop MIA: Wegbegleiter einer interoperablen Datenstrategie. Welchen Herausforderungen muss sich das Thema Interoperabilität stellen?

Es müssen Drittanbieter berücksichtigt werden, ebenso wie die Erwartungshaltung beim Kunden. Jedoch können bereits vorliegende Daten nutzbar gemacht werden und in Prozesse integriert werden.

Workshop Philips: IT löst keine Prozessprobleme – es braucht neben digitaler Reife auch Prozessreife.

Digitalisierung muss als Top-Managementaufgabe implementiert werden. Es braucht gezielt externe Unterstützung sowie Realtime-Datennutzung anstatt nachträglicher Dokumentation. Anforderungen sind u.a. Change- und Projektmanagement sowie ein Kommunikationskonzept. Ressourcenengpässe, v.a. personeller Art, sind das größte Realisierungsrisiko.

Workshop xevIT: „Risiken durch Cyberangriffe – Herausforderungen der Umsetzung der Informationssicherheit in deutschen Krankenhäusern“.

Cybersecurity ist ein Organisationsproblem und kein IT-Problem, das beim Top-Management anfängt. Oft ist hier die nötige Awareness noch nicht da, aufgrund fehlender Mittel und Nöte seitens des Managements. IT-Sicherheit muss als permanenter, stetiger Prozess verstanden werden, der auf Risikomanagement aufsetzt. Um Informations- und Wissensprobleme zu umgehen sollten Kliniken auf aktive Vernetzung mit externen Partnern für IT-Sicherheit setzen.

Workshop Smartifyit: Heute schon an morgen denken – was kommt nach dem Patientenportal? Welche Themen kommen nach dem KHZG?

Die Workshop-Teilnehmenden sahen Cloud und KI ganz oben beim Nutzen und der Realisierbarkeit. Darauf folgten Self-Service-Check-In und Telematikinfrastruktur.

Der nächste Kongress Krankenhausführung und digitale Transformation findet am 24. und 25. Mai 2023 statt.