Digital Health Lexikon -

Digitale Informationsüberleitung

Unter dem Begriff der digitalen Informationsüberleitung versteht man den Austausch von (behandlungs-)relevanten Informationen - in der Regel über die Sektorengrenzen hinaus. Neben den Informationsüberleitungsprozessen umfasst die Thematik auch die Technologien, welche den Informationsaustausch auf technischer Ebene ermöglichen.

1. Synonyme:

Die Thematik der digitalen Informationsüberleitung wird häufig im Zusammenhang mit der intersektoralen Vernetzung genannt. Als Praxisbeispiel dienen u.a. der aus der Teleradiologie bekannte Austausch von digitalen Röntgenaufnahmen oder die Übermittlung von digitalen Dokumenten wie z.B. dem eArztbrief.

2. Kurzhistorie:

Eine der ersten bekannteren medizinischen Informationsüberleitungen fand vor etwa 130 Jahren statt, bei der Alexander G. Bell seinen im Nebenzimmer befindenden Kollegen Thomas A. Watson telefonisch um Hilfe bat, da er sich mit Säure verletzt hatte. Heute finden weitere Technologien Einzug in diesen Bereich, da sich der Informationsaustausch im Gesundheitswesen in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert hat. Neben den elektronischen Varianten der bekannten Medien wie dem Arztbrief oder dem Rezept, liefert die fortschreitende Digitalisierung neue Entwicklungen wie die Übermittlung des Notfalldatensatzes, elektronische Patientenakten oder den elektronischen Medikationsplan.

3. Ziel:

Das Ziel der digitalen Informationsüberleitung ist es, dass die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, in der richtigen Qualität und im richtigen Format vorliegen, um hochintegriert in den angebundenen Systemen weiterverarbeitet zu werden. Als Vorsatz der digitalen Informationsüberleitung gilt es, den großmöglichen Nutzen von Patienten-, Gesundheits- und Behandlungsdaten zu erzielen.

4. Wesentliche Merkmale:

Betrachtet man den Umstand, dass alleine in Deutschland jährlich mehrere zehntausende Menschen an den Folgen von Fehlmedikationen sterben, wird deutlich, dass diese Thematik im Rahmen der Informationsüberleitung zukünftig einen noch größeren Stellenwert einnehmen sollte. Heute wird die Medikation in den meisten Fällen als Teil des Arztbriefes zwischen den Akteuren ausgetauscht.
Der linke Teil der Abbildung zeigt den heute in vielen Fällen üblichen Prozess der manuellen Informationsüberleitung. Betrachtet man dagegen den Prozess der digitalen Informationsüberleitung im rechten Teil wird deutlich, dass die Prozesskette nicht nur kürzer wird, sondern auch die Medienbrüche entfallen, da aufwendiges Ausdrucken und Einscannen sich erübrigen. Die digitale Informationsüberleitung birgt somit nicht nur zeitliches Potential, sondern hilft darüber hinaus, unnötige Verwaltungsaufwände zu minimieren und Fehlern vorzubeugen.

5. Wesentliche Einsatzgebiete:

Die digitale Informationsüberleitung findet seinen Einsatz, wenn zwischen Akteuren Informationen ausgetauscht werden. Als gesetzliche Vorgabe, die dieses Thema aufgreift, ist z.B. der § 39 des SGB V zu nennen, der besagt, dass die Patienten - und auf Wunsch dessen Arzt - am Tag der Entlassung den (vorläufigen) Arztbrief erhalten. Zudem verweist der Artikel 20 der DSGVO darauf, dass jeder Bürger das Recht hat, seine personenbezogenen Daten in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten. Zudem werden die gesetzlichen Krankenkassen durch das TSVG (Terminservice- und Versorgungsgesetz) verpflichtet, ihren Versicherten ab dem 01.01.2021 eine elektronische Patientenakte anzubieten. Auch dieses Vorhaben stärkt die Thematik der digitalen Informationsüberleitung.

6. Unterscheidung von ähnlichen Begriffen:

keine

Christian Gehne

Autor:

Christian Gehne, M.A.

Projektleiter mit dem Schwerpunkt "Intersektorale Vernetzung"

CGM Clinical Deutschland GmbH

mailto:christian.gehne@cgm.com


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