Clinical Decision Support Diese App unterstützt bei der Behandlung von Covid-19

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Corona-Pandemie und Digitalisierung

Seltene oder neue Erkrankungen, wie eine Infektion mit Covid-19, stellen medizinisches Personal vor Herausforderungen bei der Behandlung. Im Notfall eignet sich ein Buch als Nachschlagewerk kaum. Hier können Apps inklusive intelligenter Entscheidungsunterstützung helfen.

Oberfläche der App
Die Entscheidungsbäume von wurden von Elsevier für die Anzeige auf mobilen Endgeräten optimiert. Die Lösung ist auch als Desktop-Version verfügbar. – © Elsevier

Medizinisches Wissen liegt konventionell als Text in Form von Büchern oder wissenschaftlichen Artikeln vor. Digitale Wissensplattformen, die Ärzte im Klinikalltag unterstützen sollen, bieten meist nur elektronische Bücher und Artikel, wobei ein Trend zu Kurzfassungen in Stichpunktform auffällt. Es steht jedoch außer Frage, dass Ärzte während der Patientenversorgung, besonders in Notfallsituationen, keine Zeit haben, Texte durchzuforsten und relevante Informationen zu recherchieren.

Gerade im Zuge der Covid-19-Pandemie wurde zunehmend deutlich, dass ein effektives Informationskonzept gebraucht wird, das Ärzten insbesondere dabei hilft, Patienten mit seltenen oder komplexen Krankheitsbildern individuell effizient zu managen. Mit „ClinicalKey Now“ hat Elsevier eine Clinical Decision Support-Lösung entwickelt, die bei dieser Herausforderung Abhilfe verschaffen soll.

Informationen im Klinikalltag: Relevantes Wissen auf Abruf

Gemeinsam mit vier Kliniken im deutschsprachigen Raum, u.a. dem St. Marien-Hospital in Köln und einer Vielzahl verschiedener Fachärzte sind die Entwickler bei Elsevier der Frage nachgegangen, wie Informationen im Versorgungsalltag aussehen sollten, damit sie auch erfasst und genutzt werden können. Folgende Kernbedürfnisse haben sich im Austausch mit Ärzten heraus kristallisiert:

  1. Ärzte wünschen sich zu Beginn eine Art visuelle Karte, die einen schnellen Überblick über das klinische Vorgehen bei einem Symptom, einem Befund oder einer (Verdachts)Diagnose bietet. Dieser Überblick verhindert, wichtige Schritte in der Diagnostik und Therapie zu übersehen.
  2. Als Überblick sollten verschiedene Optionen entlang eines Algorithmus aufgezeigt werden, wie man praktisch und strukturiert vorgehen kann, je nach individueller Situation der Patienten.
  3. Da Ärzte bei der Versorgung von Patienten mit spezifischen Fragestellungen konfrontiert werden, genügt ein kurzer Überblick über das klinische Vorgehen allein meist nicht. Ärzte möchten bei Bedarf jederzeit die Möglichkeit haben, eine Definition, Erklärung oder mehr Detailinformationen zu einem bestimmten Schritt in der Diagnostik und Therapie zu erhalten. Nur dann können sie eine sichere Entscheidung treffen, welche Maßnahme sie als Nächstes für Patienten einleiten.
  4. Die visuelle Karte sollte demnach auch interaktiv sein: Ärzte müssen schnell einen beliebigen Schritt innerhalb der Karte ansteuern und anklicken können, um mehr Infos abzurufen. Wichtige Differentialdiagnosen und assoziierte Symptome oder Erkrankungen sind entsprechend verknüpft, sodass zeitaufwändiges Nachschlagen und -suchen entfällt.
  5. Die Informationen müssen mobil zur Verfügung stehen, da Ärzte im Krankenhaus meist in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden.

Auf Basis dieser fünf Kernbedürfnisse wurde das  interaktive Informationsprodukt für den Einsatz im Klinikalltag entwickelt.  

So funktioniert ClinicalKey Now

Das Kernstück der Plattform, die als mobile App und Web-Version zur Verfügung steht, sind u.a. die interaktiven Entscheidungsbäume . Hierbei handelt es sich um Flussdiagramme, die Ärzte Schritt für Schritt und auf einen Blick das klinische Vorgehen bei einem bestimmten Symptom, Befund oder einer (Verdachts)Diagnose aufzeigen. Interaktive Entscheidungsbäume wurden für drei Kerntätigkeitsbereiche von Klinikärzten entwickelt: Notärzte, Notaufnahme und Station. Textboxen innerhalb des Entscheidungsbaums enthalten kurze, aber spezifische Erklärung für jeden Schritt. Besteht weiterhin Unsicherheit, kann der Ärzte unterhalb der Erklärung nach weiterführenden Informationen suchen.

Das Informationsformat wurde gründlich mit einem breiten Kreis von Ärzten (Assistenz-, Ober-, Chefärzte, ärztliche Direktoren) in Deutschland, Österreich und der Schweiz getestet. Eine Ärztin aus Köln gab an: „Gut gefällt mir, dass die Informationen zunächst kurzgehalten sind, man bei Bedarf aber zusätzliche Informationen erhalten kann. Auch gut: konkrete Informationen (also z.B. Sauerstoff geben, wenn die Sättigung unter 90 Prozent beträgt), denn diese sind besonders Anfängern sehr wichtig .“ Eine im gleichen Krankenhaus arbeitende Kollegin ergänzte: „Insgesamt helfen die Entscheidungsbäume vor allem mir als Anfängerin dabei, gezielt relevante diagnostische Maßnahmen und mögliche Therapieoptionen systematisch durchzugehen.“

Intelligente Entscheidungsbäume

Interaktive Informationsformate wie diese vereinfachen v.a. die Behandlung unbekannter, seltener oder komplexer Krankheitsbilder , da Ärzte diese effizienter erkennen und Behandlungsoptionen schneller finden. Ein Anwendungsbeispiel ist die Behandlung von Covid-19 Patienten. Für das Management von Covid-19-Patienten und Verdachtsfällen wurden zwei Entscheidungsbäume für die Notaufnahme entwickelt:

  1. Verdacht auf Atemwegsinfektion, Ausschluss von Covid-19 (Notaufnahme)
  2. Management von Covid-19 bei positivem Test (Notaufnahme)

Damit die Entscheidungsbäume Ärzte zum Handeln befähigen, müssen Informationen so kurz wie möglich und dabei so konkret wie möglich formuliert sein. V.a. bei der Diagnostik müssen Ärzte entscheiden können, welchen Weg sie einschlägen, wenn mehrere Optionen auch je nach klinischem Zustand des Patienten existieren. Eine Aufzweigung ergibt sich z.B. bei der Evaluation der Versorgungsstufe: Soll der Covid-19-Patient auf eine Allgemeinstation aufgenommen werden oder benötigt er eine intensivmedizinische Behandlung? Ein Klick auf die Box im Entscheidungsbaum – und dem behandelnden Arzt wird aufgezeigt, welche Parameter bei der Entscheidung evaluiert werden sollten und welche Grenzwerte zur Entscheidungsfindung herangezogen werden können. Zentral sind dabei transparente Informationen zu den Entscheidungskriterien. Nur dann können Ärzte eine sichere und patientenindividuelle Entscheidung treffen.

Ärzte sind so in der Lage, eine zentrale Herausforderung im Klinikalltag zu meistern: Medizinisches Wissen muss nicht nur aktuell sein, sondern auch in einer Weise aufbereitet sein, die das Wissen während der Patientenversorgung anwendbar macht.