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15. Gesundheitskongress des Westens Die Zukunft des Gesundheitswesens

Die Veranstalter des Gesundheitskongresses des Westens stellten dieses Jahr die Frage: "Gesundheitssystem am Limit – Wie sieht der Weg in die Zukunft aus?" In verschiedenen Sessions wurden Lösungen gesucht mit dem Fokus auf Patienten und Patientinnen, eine nachhaltige Krankenhausfinanzierung und Umstrukturierung.

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Eröffnet wurde der gesundheitspolitische Kongress als hybrides Format in Köln und digital von der Kongressleiterin Claudia Küng. Küng betonte, dass das Thema Gesundheit noch nie so viel Interesse hervorgerufen habe wie jetzt: Es sei Veränderungsbereitschaft bei den Bürgern ebenso zu spüren wie Veränderungswille bei allen Parteien.

Forderung: eine Änderung der Krankenhausstrukturen

Die Pandemie könne eine große Chance sein, sagt Küng, "denn auch wenn wir die Krise vergleichsweise gut überstanden haben, so wurden auch gnadenlos die Versäumnisse unseres Gesundheitswesens aufgezeigt." Die Gründe hierfür seien vielfältig und hätten selten etwas mit den beteiligten Akteuren zu tun, sondern mit den oftmals bürokratischen Strukturen in Deutschland. Um Strukturen drehten sich viele der Diskussionen: bedarfsgerecht, nachhaltig und finanzierbar müssten sie sein. Beispielsweise nannte Staatssekretär Andreas Westerfellhaus in seiner Einschätzung zu den Stärken und Schwächen des Gesundheitssystems die bedarfsgerechte Umstrukturierung als einen zentralen Punkt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn antwortete in seinem Interview mit Prof. Dr. Dr. h. c. Karl Max Einhäupl, Kongresspräsident, auf die Frage nach einem möglichen Ende des DRG-Systems, dass dies nur unter der Voraussetzung einer bedarfsgerechten Struktur gehe.

"Weniger ist mehr und besser", sagte Gesundheitsökonom Prof. Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin. Mit Blick auf die deutlich zurückgegangenen Patienten- und Fallzahlen plädierte er für eine Schließung von Standorten. Die viel beschworene Erreichbarkeit dürfe nicht das wesentliche Merkmal für die Gestaltung der Krankenhausstrukturen sein. Prof. Josef Hecken, Unparteiischer Vorsitzender Gemeinsamer Bundesausschuss, plädierte für eine flächendeckende Versorgung mit Grund- und Regelversorgern, die mit 30 Minuten erreichbar sein müssten.

Wunsch: Patient und Patientin in den Mittelpunkt stellen

Bei einem waren sich alle Diskutierenden einig: Der Patient müsse in den Fokus rücken. Prof. Heinz Lohmann, Gesundheitsunternehmer, sah dies auch beim bestehenden DRG-System, forderte jedoch eine weitergehende Patientenfokussierung: "Ein leistungsorientiertes Entgeltsystem wie das DRG nimmt Patienten und Patientinnen in den Fokus und das macht Sinn, aber mit DRG kann es auch nicht einfach so weitergehen. Wir müssen das Bestehende in Richtung Patientenorientierung weiterentwickeln." Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V., stellte die Frage, wie zukünftig die Balance zwischen Datenschutz und Patient bzw. Patientin gewahrt werden könne. "Der Datenschutz darf nicht über der Patientensicherheit stehen", sagte Hecker. Sie schlug einen Dreiklang zwischen Technik, Datenschutz und Patientensicherheit vor.

Trotz allem: ein starkes deutsches Gesundheitssystem

Trotz der diskutierten Schwächen und Änderungswünsche im Rahmen des Kongresses, nannte Kongresspräsident Einhäupl das Gesundheitssystem in Deutschland "eines der besten weltweit". Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sowie Bundesgesundheitsminister Spahn betonten dessen Stärken und Leistungsfähigkeit. "Viele sind sicherlich an ihre Grenzen gegangen. Doch bei allen Härten und Belastungen hat unser Gesundheitssystem gezeigt, was es kann", sagte Spahn. "Es ist leistungsstark, robust und resilient."

Der nächste Gesundheitskongress des Westens findet am 30. und 31. März 2022 statt.

Der Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft im Westen Deutschlands widmete sich auch vielen weiteren zukunftsweisenden Themenbereichen, wie etwa der Digitalisierung. Mehr dazu lesen Sie in der HCM-Ausgabe 7/2021.
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