Die Pflege der Zukunft

Digitalisierung und Technik nehmen in der Pflege zunehmend eine bedeutendere Rolle ein. Aber welchen Stellenwert haben Digitalisierung und Technik in der Arbeit der Pflegekräfte und was denken diese darüber?

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Welche Meinung haben Pflegefachkräfte zu Digitalisierung und Technik in ihrem Tätigkeitsumfeld? Antworten auf diese Frage wollte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ( StMGP) in Erfahrung bringen und hat dazu erstmalig eine Umfrage zu „Digitalisierung und Technik in der Pflege“ durchgeführt. Die Ergebnisse präsentierte Andreas Ellmaier, leitender Ministerialrat beim StMGP. Rund 100 Teilnehmer waren bei der 1. Fachtagung „Gestaltung von Digitalisierung und Technik in der Pflege“ am 16. April 2015 in München dabei.

Premiere: Die Fachtagung zu „Digitalisierung und Technik in der Pflege“ fand erstmals statt. – © Felix Dehn

Technik gefährdet Arbeitsplätze – kaum genannt

Als Ergebnis der Umfrage nun eine Zusammenfassung mit einigen ausgewählten Fragen und den entsprechenden Ergebnissen: Welche Wünsche und Erwartungen Pflegekräfte an eine technischebzw. digitalisierte Unterstützung ihres Pflegealltags haben, beantworteten diese als Erstes mit „Zeitgewinn“, gefolgt von der Antwortmöglichkeit „weniger Dokumentationsaufwand.“ Auf die Frage, welche Herausforderungen im Pflegealltag durch technischebzw. digitalisierte Unterstützung erleichtert werden könnten, ist „Dokumentation und Archivierung“ die mit deutlichem Abstand häufigste Antwort. Als Zweites wurde mehrheitlich „Zeitmanagement und Erinnerungsfunktion“ und daran anschließend „rückenschonendes Arbeiten“ genannt. Teilnehmer konnten außerdem ihre Meinung äußern, welche Sorgen sie bewegen, wenn sie an eine technischebzw. digitalisierte Unterstützung ihres Pflegealltags denken. Dass der „Alltag komplizierter wird“, darum sorgen sich die Fachkräfte. Gefolgt von dem „Fehlen von menschlicher Zuwendung.“ Die „Ablehnung durch die Pflegekräfte (mangelnde PC- Kenntnisse)“ sowie die „Gefahr bei Ausfall der Technik“ folgt. Die Aussage, „Technik könnte Arbeitsplätze gefährden“, nimmt eine untergeordnete Rolle ein und ist die am wenigsten genannte Antwort bei dieser Fragestellung.

Herausforderung: „Gesellschaft des langen Lebens“

Einen Ausblick auf die Pflege der Zukunft wurde den Zuhörern in Vorträgen geboten. Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar sprach in seinem Vortrag von der Chance einer „Gesellschaft des langen Lebens.“ Dies werde auch die Pflege vor immer größer werdende Herausforderungen stellen. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte von Hülsken-Giesler ist u.a. die Zukunft der Pflege. Zudem befasst er sich mit gemeindenaher Pflege sowie dem Einfluss von Technik im Pflegebereich. „Gamification“ bzw. „serious games“ als wachsender Markt mit Potenzial für die Behandlung und Rehabilitation. So erklärte Prof. Dr. Petra Friedrich von der Hochschule Kempten, dass unter den Begriffen „Spiele“ zu verstehen seien, die zur Therapie oder zur Übung, z.B. als Reha-Maßnahme der Pflegenden, eingesetzt werden. Dies biete den Betroffenen einen spielerischen Anreiz als Belohnung bei der Therapie.

System setzt selbstständig Notruf ab

In Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer u.a. mit der Zukunft der Pflege im Jahr 2025. – © Felix Dehn

Am Nachmittag durften die Teilnehmer aktiv in Workshops Lösungskonzepte erarbeiten . Dabei standen intensive Diskussionen über Digitalisierung und Technik sowie der Zukunft der Pflege im Mittelpunkt. Zu den Themen sollten Handlungsempfehlungen entwickelt werden, damit eine sinnvolle I&K-Entwicklung und -nutzung in der Pflege von Morgen vorbereitet werden kann. Ebenso gaben Impulsvorträge mit Praxisbeispielen zu Digitalisierung und Technik in der Pflege einen Überblick, was bereits heute in der Pflegebranche alles möglich ist. Darunter war u.a. eine App. Mit dieser können pflegende Angehörige ihre Unterstützung dokumentieren und so zu einer besseren Organisation der Pflege beitragen. Außerdem wurde eine Software-Lösung für Videoberatung zwischen Arzt und Patient vorgestellt. Das Unternehmen widmet sich dem Thema „Digitalisierung von beratungsintensiven Serviceleistungen.“ Ein Schwerpunkt hierbei ist die Gesundheits- und Pflegewirtschaft. Dass intelligente Technologien im Bereich „smart living“ den Bewohner schützen können, zeigte ein weiterer Impulsvortrag. Praxisbeispiel war u.a. eine Fenster- und Türkontrolle zum Schutz vor Einbruch und Nachlässigkeit sowie ein Notrufsystem, das auf Wunsch Risikosituationen und Bewegungslosigkeit erkennt. Schlägt es Alarm, setzt es selbstständig einen Notruf ab.

Forderung nach einer Pflegekammer und mehr Chancen für die Nachwuchsgewinnung waren u.a. Ergebnisse der Diskussionsrunden. – © Felix Dehn

Pflege 2025: Chancen durch mehr Technik

Im Anschluss bekamen alle Teilnehmer die Ergebnisse der Handlungsräume im Plenum von den Diskussionsgruppen präsentiert. Anschließend diskutierte die Runde darüber. Als Ausblick auf die durch Digitalisierung und Technik geprägte Pflege im Jahr 2025 ergab sich, dass Technik dem Berufsbild helfen könne. Der Pflegeberuf könne dadurch attraktiver gemacht werden. Allerdings sei die Technik in der Ausbildung bislang kaum vorhanden. Eine Erweiterung der Ausbildungsinhalte müsse entsprechend folgen.

Fortsetzung geplant

Andreas Ellmaier vom StMGP ziehte als Tagungsleiter ein positives Fazit. – © Felix Dehn

Zum Abschluss betonte Ellmaier vom StMGP, dass eine Fortsetzung der Fachtagung zu „Digitalisierung und Technik in der Pflege“ bereits geplant sei.

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage finden Sie in einer Bildergalerie .

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    Die Teilnehmer erwarten als Erstes „Zeitgewinn“ von einer technischen bzw. digitalisierten Unterstützung.
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    Die Herausforderung der „Dokumentation und Archivierung“ könnte durch Digitalisierung in der Pflege erleichtert werden.
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    „Alle Hilfsmittel werden benutzt“, ist die meist genannte Antwort auf die Frage nach technischen Hilfen.
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    Meist genannte Antwort ist auch hier, dass alle Hilfsmittel benutzt werden.
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    Die Frage, warum technische Hilfe fehlt, wird eindeutig mit „Kosten“ beantwortet.
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    Technische Unterstützung könnte zur „Arbeitsentlastung (Stress reduzieren)“ beitragen und darüber hinaus den „Rücken schonen“.
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    Ob die Befragten einen Zeitgewinn durch technische Hilfen sehen, den sie für mehr Zuwendung für die Pflegenden verwenden können, eindeutig „Ja.“
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    Pflegekräfte treibt die Sorge um, dass ihr Alltag komplizierter wird und es an menschlicher Zuwendung fehlt.