Klinik -

Interview mit Dr. Frank Mau "Die Geschäftsführung ist gefordert, die Krankenhaushygiene aktiv und nachdrücklich zu unterstützen!"

Dr. Frank Mau, seit März 2018 Geschäftsführer der Kliniken Essen-Mitte, erklärt, welche Rolle die Geschäftsleitung bei dem Thema Hygiene hat. Außerdem hat er Tipps für Einrichtungen, die ihr Hygienemanagement verbessern wollen.

Themenseite: Hygiene kompakt

HCM: Was hat Sie als Klinikleitung dazu bewogen, das Thema Krankenhaushygiene so breit mit einer eigenen Abteilung um Frau Lauprecht aufzustellen?

Dr. Mau: Infektionsprävention und Krankenhaushygiene sind längst Medizingebiete, die in einer globalisierten Welt mit sehr vielen Menschenbewegungen in Zeiten von neuen, resistenten Erregern für eine qualitätsorientierte Medizin mit Exzellenzanspruch unerlässlich sind. Wie in allen anderen Fachgebieten erreicht man auch in der Infektionsprävention und Krankenhaushygiene nur durch ein erfahrenes, sehr gut ausgebildetes Expertenteam eine ausgezeichnete Struktur-, Prozess- und v.a. Ergebnisqualität. Durch Etablierung einer eigenen, ärztlich geleiteten Fachabteilung erreicht das Thema Infektionsprävention und Krankenhaushygiene eine andere Wahrnehmung im Klinikgefüge.

HCM: Welche Rolle spielt die Geschäftsleitung denn bei diesem Thema?

Dr. Mau: Die Geschäftsführung muss am Ende des Tages und nach ausgiebiger Beratung mit dem Krankenhaushygieniker verbindlich vorgeben, welche Hygieneziele im Alltag erreicht werden sollen. Hygiene ist zuweilen anstrengend, teilweise unbequem und oftmals muss man auch pedantisch auf Details achten. Daher ist die Geschäftsführung gefordert, die Krankenhaushygiene im Alltag aktiv und nachdrücklich zu unterstützen, Maßnahmen und Projekte wirkungsvoll umzusetzen. Der größte Schritt ist es, ein Umdenken in den Fachabteilungen zu erreichen. Hygieneprobleme sind nicht primär ein alleiniges Problem der jeweiligen Krankenhaushygiene, sondern ein Hygieneproblem in diesem Fachbereich. Nur gemeinsam als Team aus Krankenhaushygiene und Mitarbeitern des Bereiches können diese Themen effektiv und nachhaltig bearbeitet werden. Dies wiederum setzt eine intensive Regelkommunikation in alle medizinischen Abteilungen sowie ein systematisches Surveillance - und schließlich auch ein Risiko-Melde-System voraus.

HCM: Wie werden Sie dem denn gerecht?

Dr. Mau: Infektionsprävention und Krankenhaushygiene gibt es schon sehr lange in unseren Einrichtungen. Allerdings haben wir vor einigen Jahren entschieden, dass wir diese Medizingebiete auf ein exzellentes Niveau anheben wollen. Konsequent haben wir daher in den Aufbau eines Expertenteams sowie in entsprechende Projekte und Maßnahmen investiert.

HCM: Waren Sie zunächst skeptisch, was den Erfolg anbelangt?

Dr. Mau: Im Gegenteil! Wir waren fest davon überzeugt, dass dieser Weg richtig ist. So hat es uns auch nicht überrascht, dass wir schon kurz nachdem wir die Abteilung als autarke Einheit im Klinikalltag etabliert hatten, sehr schnell sehr gute Ergebnisse und Erfolge messen konnten.

HCM: Welchen Rat haben Sie für andere Einrichtungenleitungen, die ihre Krankenhaushygiene verbessern möchten?

Dr. Mau: Man sollte eine Grundsatzentscheidung darüber treffen, welchen Stellenwert man der Krankenhaushygiene über die durch Verordnungen, Gesetze, Leitlinien usw. zwingend vorgegebenen Ziele hinaus beimisst. Dann sollte man ein Team mit einer eigenverantwortlichen Leitung etablieren, Projekte und Maßnahmen fördern. Vor allem aber muss es gelingen, in allen Bereichen die Sensibilität, das Bewusstsein und nicht zuletzt das Wissen der Mitarbeitenden über Hygiene und Infektionsprävention weiter zu entwickeln.

HCM: Denken Sie, dass noch weitere Reduzierungen im Antibiotikaeinsatz sowie Verbesserung sämtlicher Infektionsraten möglich sind?

Dr. Mau: Wenn wir seit Verselbstständigung der Abteilung für Krankenhaushygiene im Lauf der letzten Jahre eines gelernt haben, dann dies: Egal welches Qualitätsniveau man bereits erreicht hat, wahre Experten finden immer noch weitere Optimierungsansätze. Man ist nie am Ziel! Und obwohl wir hier schon sehr weit gekommen sind, gilt das auch für weitere Reduzierungen beim Antibiotikaeinsatz und Verbesserungen bei sämtlichen Infektionsraten.

© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen