Nationales DRG- und Reha-Forum 2018 Die Fallen der Fallpauschalen

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Gut 1.400 Teilnehmer beim 17. Nationalen DRG-Forum zeugten vom großen Brancheninteresse rund um ein Fallpauschalensystem, das mehr denn je diskutiert wird. Mit Jens Spahns erster öffentlicher Rede als neuer Bundesgesundheitsminister konnte das zweitätige Berliner Event zudem gleich zur Eröffnung mit einem echten Highlight auftrumpfen. Parallel fand das 2. Nationale Reha-Forum statt.

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    Erster öffentlicher Auftritt als neuer Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn (CDU) eröffnete das 17. Nationale DRG-Forum 2018.
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    „Personaluntergrenzen sind keine Personalanhaltsgrenzen – sie stehen nicht für gute Pflege“ mahnte Dr. Gerald Gaß, neuer Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) auf dem 17. Nationalen DRG-Forum 2018.
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    Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), plädierte auf dem 17. Nationalen DRG-Forum und 2. Nationalen Reha-Forum 2018 dafür, die Ambulantisierung mit klug abgestimmten Konzepten auszubauen.
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    Mit knapp zehn Podiumsveranstaltungen, 23 Workshops und 150 Vorträgen boten DRG- und Reha-Forum 2018 auf zwei Etagen des Berliner Estrel Congress Centers ein kompaktes Programm.

Aktueller ging es nicht: Erst am Vortag als Bundesgesundheitsminister vereidigt, trat Jens Spahn beim DRG-Forum zu seiner ersten öffentlichen Rede im neuen Amt an. Und gab erst einmal zwei Marschrouten aus.

„Ich bin ein großer Freund kontroverser Diskussionen, so sie zielgerichtet sind.“ Eine Anspielung an die vorherigen Tage, an denen seine Äußerungen zu Hartz IV für Furore gesorgt hatten. Zugleich aber versicherte der CDU-Politiker: „Ich möchte Ihnen meine Zusammenarbeit anbieten.“ Denn: „Nur weil das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der Welt ist, heißt das nicht, dass es perfekt ist.“

Ausblick auf politische Schwerpunkte

Teil seines Auftritts war dann auch ein Ausblick auf Themen, die er in der nun laufenden Legislaturperiode angehen will. Darunter Qualitätsmessung, „Redesign“ der Krankenhauslandschaft, Investitionsfinanzierung, laufende Finanzierung, Notfallversorgung und Digitalisierung. Spahn, lange gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, rekapitulierte etwa den unrühmlichen Fortgang zur elektronischen Gesundheitskarte und erntete dafür so Gelächter wie Applaus: „Ich war 2004 bei der Einführung mit dabei, zumindest im Gesetz, mit dem Ziel, dass sie nach zwei Jahren funktioniert… Jetzt haben wir 14 Jahre späterund das Ding kann immer noch nicht das, was es können soll.“

Sein Fazit binnen knapp 25 Minuten Redezeit u.a.: „Ich bilde mir nicht ein, dass nur, weil jetzt der Spahn kommt, ich nach 30, 40 Jahren monetäre Probleme mal eben gelöst kriege.“

Quo vadis Diagnosis Related Groups?

Diese Probleme standen nicht nur bei der Ministerrede im Fokus, sondern anschließend über zwei Tage auf vielen der insgesamt knapp zehn Podiumsveranstaltungen, 23 Workshopsund in 150 Vorträgen. Nicht zuletzt die im Koalitionsvertrag von CDU, CSUund SPD vereinbarte Fundamentalreform des Fallpauschalensystems zur Finanzierung der Krankenhäuser sorgte für hitzige Debattenund zeigte (neue) Fallen auf.

Wulf-Dietrich Leber etwa, Abteilungsleiter beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), bezeichnete es als „Meteoriteneinschlag“, dass die Pflege-Finanzierung aus dem DRG-System herausgelöst werdenund über einen gesonderten Topf laufen soll. Minister Jens Spahn war zuvor auf diesen Punkt ebenso eingegangen: Man müsse auspassen, dass nicht gleichzeitig die Krankenhäuser ihrer betriebswirtschaftlichen Verantwortung beraubt würden.

Viel Kritik beim Reha-Forum

Ebenso das parallel stattfindende 2. Nationale Reha-Forum zeigte, wie im Vorjahr, den großen Handlungsbedarf auf. Schon beim ersten Plenum fielen deutliche Worte wie „Wir sparen die Reha kaputt“ bzw. sie käme wenig bis gar nicht vor.

Interessanterweise fand sich für diese Diskussion im Vorfeld kein Vertreter der Krankenkassen, der bereit gewesen wäre, sich der Kritik zum mangelhaften Umgang mit Reha-Bewilligungen, -Maßnahmenund -Finanzierung zu stellen. Obwohl, wie mehrere Vorträge belegten, beispielsweise eine geriatrische Reha meist erfolgreicher ist als die sogenannte geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung im Krankenhaus, die zudem doppelt so teuer ist.

Gleichwohl gab es trotzdem lobende Erwähnungen: Ob nun die letzte Legislaturperiode oder neuer Koalitionsvertrag – immerhin sei einiges angeschoben.

„Vordenker des Jahres 2018“

Als „Vordenker des Jahres 2018“ wurde am ersten Abend Prof. Dr. Jens Scholz ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Wahl u.a. damit, dass der Vorstandvorsitzende des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein wie kein anderer an den Standorten Kielund Lübeck die Neuausrichtung des deutschen Gesundheitswesens in Zeiten der Digitalisierung verkörpere.

Scholz – Bruder des früheren Hamburger Bürgermeistersund neuen Bundesfinanzministers Olaf Scholz – löse seit Jahren „Mithilfe eines ehrgeizigen baulichen Masterplans den erheblichen Sanierungs-und Investitionsstau an beiden Standorten auf“und forciere „konsequent die Digitalisierung der Medizin“.