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Impfbeginn Die ersten Spritzen gegen Corona sind injiziert

Um 8:50 Uhr am 27. Dezember 2020 erhielt Gertrud Haase, Bewohnerin des Agaplesion Bethanien Sophienhaus, ihre erste Corona-Impfungen im Beisein der Hausärztin Dr. Irmgard Landgraf. Damit ist sie eine der ersten Empfängerinnen der neuen Impfung von BioNTech und Pfizer in Deutschland.

Aufgeregt sei sie nur die vergangenen Tage gewesen, sagte Gertrud Haase laut einem Bericht der dpa. Am Sonntagmorgen des 27. Dezember 2020 habe sie sich eher überlegt, was sie anzieht, um ohne Probleme ihren Oberarm frei zu bekommen. Mit der gewählten Bluse habe das aber gut geklappt. Die 101-jährige Frau wurde als einer der ersten Menschen in Deutschland gegen das Corona-Virus geimpft. "Ich habe den Piks gar nicht gemerkt. Ganz toll", sagte Haase gut gelaunt, freundlich lächelnd und mit leiser Stimme eine halbe Stunde danach, laut einem Bericht der dpa. Beschwerden habe sie demzufolge ebenso nicht. Von der Notwendigkeit der Impfung sei sie überzeugt. Sie habe viel von Toten in anderen Heimen gelesen und gehört. "Es ist sehr gut, dass man jetzt dagegen geimpft wird. Das ist schon ein großer Vorteil für uns alle Leute hier." Die zweite Dosis des Impfstoffs soll sie im Januar bekommen.

"Nach vielen kräftezehrenden Wochen und Monaten haben wir endlich der Pandemie etwas entgegenzusetzen. Mit der Impfung kann nun ein großer Schritt in Richtung Normalität getan werden. Mit 93 Prozent haben wir im Agaplesion Bethanien Sophienhaus eine sehr hohe Impfquote. Ich hoffe sehr, dass sich möglichst viele andere Menschen auf den gleichen Weg machen werden, wie es gerade Frau Haase getan hat“, erklärte Alexander Dettmann, Geschäftsführer der Agaplesion Bethanien Diakonie.

Von den 97 Bewohnern des Pflegeheims Agaplesion Bethanien Sophienhaus sollen 90 am 27. und 28. Dezember 2020 geimpft werden, berichtete die Heimärztin Dr. Irmgard Landgraf. Sie habe mit sehr vielen Frauen und Männern gesprochen und sie vorbereitet. "Sie sind ganz stolz, dass sie die ersten sein dürfen und alle wissen auch zu schätzen, dass wir mit dieser Impfung jetzt einen zusätzlichen Schutz haben, vor allen Dingen vor schweren Krankheitsverläufen", sagte Landgraf, Hausärztin von Haase, laut einem Bericht der dpa.

Bei der Impfung seien das Impfteam, die Heimleitung und mehrere Journalisten sowie auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) dabei gewesen. Sie zeigte sich danach laut dpa "sehr erleichtert". Das mobile Impfteam, das zum ersten Mal im Einsatz war, habe "super funktioniert". Sie sei froh, dass es "den ersten drei Impflingen gut geht". Kalayci habe an Ärzte appelliert, ihre Patienten in den Pflegeheimen gut auf das Impfen vorzubereiten und sie zu begleiten. "Meine Hoffnung ist, dass viele, viele Menschen sich impfen lassen. Denn dieser Impfstoff ist ein großes Glück in dieser schrecklichen Pandemie. Dass es überhaupt einen Impfstoff gibt in zehn Monaten, ist keine Selbstverständlichkeit."

Ein Seniorenzentrum in Sachsen-Anhalt preschte vor

Die erste Impfempfängerin Deutschlands war wohl Edith Kwoizalla. Die Bewohnerin eines Seniorenzentrums in Halberstadt erhielt laut einem Bericht der dpa bereits am Samstag, 26. Dezember, die Impfung. Eigentlich sei die Impfung Kwoizallas, rund 40 weiterer Heimbewohner sowie zehn ihrer Pfleger viel zu früh erfolgt. Die ganze Europäische Union hatte sich darauf verständigt, erst am 27.Dezember loszulegen. Erst scherte Ungarn aus, dann auch die Slowakei und schließlich der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Den Verantwortlichen im dortigen Pandemiestab und dem Halberstädter Heimleiter Tobias Krüger leuchtete nicht ein, warum man angesichts der Dramatik der Lage noch Zeit verlieren sollte. "Jeder Tag, den wir warten, ist ein Tag zu viel", sagte Krüger laut dpa.

Impfstart auch in anderen Ländern Europas

Die Corona-Impfungen starteten heute nicht nur in Deutschland. Unter anderem auch in Dänemark, Griechenland, Bulgarien und Malta haben die ersten Menschen einen Wirkstoff gegen Covid-19 injiziert bekommen. "Es ist der 27. Dezember des Jahres 2020 ein historischer Tag", sagte Sebastian Kurz, Bundeskanzler in Österreich. Auch dort haben am 27. Dezember 2020 die Impfungen begonnen. Es sei "der Anfang vom Sieg gegen die Pandemie" soll Kurz laut einem Bericht der dpa gesagt haben. Bis zum Sommer sollen in dem Land mit knapp neun Millionen Einwohnern gut vier Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Das habe Gesundheitsminister Rudolf Anschober laut dpa angekündigt. In Österreich wird ebenfalls mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft. Theresia Hofer (84) sei die erste Patientin, die am Sonntag in Österreich geimpft wurde.

Spahn ist zuversichtlich, die Bevölkerung skeptisch

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gibt sich bei der Erläuterung des weiteren Vorgehens ziemlich optimistisch. 1,3 Millionen Dosen sollen noch vor Jahresende verabreicht werden, Ende März sollen es schon weit mehr als zehn Millionen sein. Und Mitte des Jahres will Spahn laut dpa bereits allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot machen können, die sich impfen lassen wollen. "Der Herbst und der Winter und auch das Weihnachten des kommenden Jahres, sollen nicht mehr im Zeichen dieser Pandemie stehen."

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur haben 57 Prozent der Deutschen Angst vor Nebenwirkungen. Zwar wollen sich fast zwei Drittel impfen lassen. Aber nur die Hälfte davon sei sofort dazu bereit. Die anderen wollten erst einmal mögliche Folgen bei anderen abwarten.

Nach Schätzung von Experten müssen sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen, damit die Pandemie wirkungsvoll bekämpft werden kann. Ob das Virus so auch endgültig besiegt werden kann, ist allerdings fraglich. "Die Impfung wird eine große Wirkung haben, aber ich denke, dass niemand die Auslöschung des Virus versprechen kann, solange wir nicht viel mehr darüber verstehen", sagte der Nothilfekoordinator der Weltgesundheitsorganisation WHO, Mike Ryan, vor einigen Wochen.

"Ärmel hoch" – zunächst in Pflegeheimen

Die Bundesregierung wirbt nun mit dem Slogan "Ärmel hoch" dafür, dass so viele wie möglich mitmachen. Am Samstag wurden die ersten etwa 150.000 tiefgefrorenen Impfdosen teils mit Polizeieskorte aus einer Impfstoff-Fabrik in Belgien in die Zwischenlager in den Bundesländern gebracht. Am Sonntag schwärmten laut dpa-Bericht mobile Impfteams v.a. in Pflegeheime aus. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko – etwa in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten – geimpft werden. In Stufe 2 sind über 70-Jährige und Menschen mit hohem Risiko für schwere Corona-Verläufe an der Reihe – etwa mit Trisomie 21, Demenz oder einer geistigen Behinderung. Zur Gruppe 3 mit "erhöhter" Priorität gehören über 60-Jährige und Menschen mit Krebs und weiteren Erkrankungen etwa am Herzen, mit Diabetes oder Asthma. In dieser Gruppe sind auch Polizisten, Feuerwehrleute, Katastrophenschützer und Erzieher sowie Politiker aus Bundestag und Bundesregierung.

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