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7. EPatient Survey 2018 Die Deutschen wollen digitale Gesundheitstools

Die Menschen in Deutschland wollen mehrheitlich eine Onlinepatientenakte, auch wenn einige von ihnen mit dem Begriff selbst nichts anfangen können. So lautet eines der Ergebnisse des 7. EPatient-Survey mit 9.700 Befragten.

Themenseite: Digitalisierung

Die Deutschen wollen mehr digitale Gesundheitsanwendungen. Vier von fünf Befragten wollen Onlineempfehlungen vom Arzt oder ihre Patientendaten digital mit ihm teilen, darauf folgen Kliniken und Krankenkassen. Zum Vergleich: Nur fünf Prozent vertrauen Apple oder Google als Speicherort für Patientendaten. Das geht aus der 7. EPatient Survey 2018 hervor. Circa zwei von drei Bürgern, so die Befragungsergebnisse, fehlt allerdings umgekehrt die digitale Kompetenz mit Therapieapps umzugehen. Auch hier wünschen sie sich von ihren Versorgern Hilfestellung.

Die EPatient Survey 2018, umgesetzt von Dr. Alexander Schachinger (EPatient RSD GmbH), ist eine jährlich stattfindende Onlinebefragung zum „Patient im Netz“. Hierzu wurden dieses Frühjahr 9.700 Gesundheitssurfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Unterstützung führender Krankenkassen, Gesundheitsportalen, Patientenorganisationen und Startups befragt. Was aus der Untersuchung außerdem hervorgeht:

  • Trotz hoher Intransparenz auf dem digitalen Gesundheitsmarkt haben die Bürger eine klare Vorstellung mit welchem Akteur und über welche Kanäle sie ihre persönlichen Krankheitsdaten teilen wollen. Dabei spielt der mögliche Betreiber einer Onlinegesundheitsakte (z.B. der Staat, die Arztpraxissoftware, die Krankenversicherung, Amazon, Google, Apple) wie auch der direkte Ansprechpartner hierzu eine Rolle (primär die behandelnden Ärzte und Kliniken, gefolgt von Krankenversicherungen). Entsprechend wollen Bürger und Patienten ihre Daten auch mit diesen Ansprechpartnern für eine bessere Therapie teilen.
  • In der Vielfalt der digitalen Anwendungen für Gesundheit und Patienten verbreitet sich die Onlineterminvereinbarung (24 Prozent), das Onlinecoaching (14 Prozent), gefolgt von der App zum Medikament oder dem Medizingerät und der Onlinezweitmeinung seit mehreren Jahren am deutlichsten.
  • Das Zwei-Welten-Dilemma von der medizinischen Versorgung vor Ort auf der einen Seite und den über 5.000 Webseiten, Apps und Startups auf der anderen Seite ist derzeit für das Gesundheitssystem und besonders für Bürger und Patienten ein Dilemma. Dabei wünscht sich der Patient eine verständliche und relevante digitale Orientierung von seinen Behandlern während und nach seiner Therapie. Diese Verflechtung der medizinischen mit der digitalen Versorgung zeigt auch in internationalen Studien Nachhaltigkeit.
  • Nicht jeder Patient im Netz hat die nötige digitale Kompetenz zum einen eine digitale Anwendung in den Onlinekanälen zu finden und zum anderen auch zu benutzen. Die zunehmende Angebotsvielfalt auf dem digitalen Gesundheitsmarkt auf der Ebene der Prävention sowie Therapie ist für den Einzelnen eine Herausforderung. Entsprechend ist die Nutzung und Kompetenz für digitale Gesundheit sowie auch die Zahlungsbereitschaft in den Patientenzielgruppen ungleich verteilt. Wie es laut Studienergebnissen scheint, ist die traditionelle Versorgung vor Ort weniger von Kaufkraft und Kompetenz abhängig als auf dem digitalen Gesundheitsmarkt. Eine bürgerzentrierte Versorgung mit digitaler Gesundheit für alle ist somit in Deutschland nicht gegeben – obwohl sich dies die Bevölkerung klar wünscht.
  • Der Arzt ist der am häufigsten genannte Akteur, von dem die Befragten eine Empfehlung oder Orientierung für Apps und Onlineanwendung für ihre Therapie haben wollen, gefolgt von ihrer Krankenkasse oder der Apotheke vor Ort. Die behandelnde Klinik ist somit auf Platz 4. Das ist laut Dr. Alexander Schachinger, Initiator der Studie, nicht verwunderlich, da nicht jeder Klinikpatient sei. Die Klinik als Empfehlungsgeber wandere bei denjenigen Befragten nach oben, die aktuell eine Behandlung in einer Klinik haben.
  • Das gleiche Phänomen mit identischen Ergebnissen zeige sich bei der Frage, mit wem die Befragten ihre eigenen Patientendaten aus Apps und Wearables teilen wollen: Arzt Platz Eins mit 80 Prozent , Klinik Platz Zwei mit 25 Prozent, Kasse Platz Drei mit 28 Prozent gefolgt von weiteren Akteuren. Auch diese Prozente bei der Klinik gehen nach oben, wenn die Befragten gerade eine Behandlung in einer Klinik haben oder jüngst hatten!

Dr. Schachingers Fazit: Die Klinik wird von ihren Patienten als digitaler Therapielotse für jegliche Therapie-, Nachsorge-, Begleit-Apps gesehen – auch wenn die Kliniken selbst dies derzeit mehrheitlich noch nicht auf der Agenda haben.

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