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Neue VKD-Umfrage u.a. zur finanziellen Lage „Die deutsche Politik kümmert sich nicht genug um Krankenhäuser“

Alles redet übers Geld – auch der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), der zum Jahresende Bilanz zur finanziellen Lage der Häuser zog. In der Berliner Geschäftsstelle präsentierte Präsident Dr. Josef Düllings die Ergebnisse der neuesten VKD-Mitgliederbefragung. Ernüchterndes Fazit: Eine stabile Zukunftsperspektive für die Kliniken ist auch in diesem Jahr nicht erkennbar – es brauche eine echte Trendumkehr.

Topic channels: Klinikmarktentwicklung, DRGs aktuell, Krankenhausfinanzierung und Digitalisierung

Die VKD-Umfrage wurde von Juli bis August 2017 wie in den Vorjahren als Online-Befragung der Mitglieder durchgeführt. Angeschrieben wurden über 1.800 Mitglieder, überwiegend Vorstände, Geschäftsführer, Krankenhausdirektoren und Verwaltungsleiter. Auswertbare Antworten gingen für 328 Kliniken ein. Für wesentliche Erhebungsmerkmale konnten somit verlässliche Aussagen getroffen werden. (Aufgrund der Rückläufe sind diese jedoch nur für Allgemeinkrankenhäuser einschließlich Universitätsklinika sowie für Fachkrankenhäuser möglich.)

Gefragt wurde nach der aktuellen Finanzlage der Häuser, der Organisation der ambulanten Notfallversorgung sowie dem Grad der Digitalisierung.

Trendfarbe Rot

Demnach hat sich die Finanzlage nur vorübergehend etwas entspannt: Hatten 2014 noch rund 35 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser das Wirtschaftsjahr mit roten Zahlen abschlossen, waren es 2016 etwa 23 Prozent. Bei den Fachkrankenhäusern hat sich dieser Anteil sogar von 27 Prozent auf 13 Prozent halbiert. Bei den Universitätskliniken gab es allerdings nur eine leichte Verbesserung: 2014 schrieben 42 Prozent rote Zahlen, 2016 waren es immer noch rund 33 Prozent.

Für 2017 erwarteten 27 Prozent der befragten Manager von Allgemeinkrankenhäusern und mehr als ein Drittel der Universitätskliniken jedoch wieder eine Verschlechterung. Um das aktuell zu überprüfen, wurden im Oktober und November speziell dazu die Mitglieder nochmals befragt. Ergebnis: Die Anteile der Häuser, in denen das Management nun mit roten Zahlen für 2017 rechnet, liegt für die Allgemeinkrankenhäuser bei 46,3 Prozent, bei den Fachkrankenhäusern bei 26,7 Prozent und bei den Universitätskliniken bei 40 Prozent. Insgesamt rechnen 38,9 Prozent der Befragten zum Jahresende mit roten Zahlen.

„DRG-System keinesfalls leistungsgerecht“

Wie die Umfrage insgesamt zeigte, wiesen insbesondere Häuser unter 250 Betten mit 33,8 Prozent ähnlich hohe Defizite aus, wie die Universitätskliniken mit 33,3 Prozent. Am besten geht es noch den Krankenhäusern in den mittleren Größenklassen, von 250 bis unter 400 Betten und von 400 bis unter 800 Betten, von denen 23,3 Prozent bzw. 16,1 Prozent in roten Zahlen stecken (Jahresabschluss 2016). Aber auch hier steigen, wie die Wirtschaftspläne für 2017 zeigten, die Häuser mit voraussichtlichen Defiziten auf 25,4 bzw. 28,4 Prozent.

„Wir müssen erneut feststellen, dass insbesondere kleinere Krankenhäuser und Universitätsklinika mit dem DRG-System nicht zurechtkommen,“ so Dr. Josef Düllings. „Der Grund ist die Durchschnittskalkulation der Preise. Das System führt zu einer Umverteilung der Finanzmittel von den Rändern zur Mitte. Es ist also keinesfalls leistungsgerecht. Ein Durchschnittssystem befördert, klar gesagt, Durchschnittsmedizin. Das sagt unser Verband bereits seit mehreren Jahren. Die Kollateralschäden liegen offen zutage.“

In einigen Gebieten überhaupt kein KV-Notdienst verfügbar

Aufgrund der aktuellen und drängenden Probleme in der ambulanten Notfallversorgung wurden die Mitglieder auch dazu befragt. Dabei ging es nicht nur um die klinikeigene Notaufnahme, sondern um die Versorgung im Einzugsgebiet insgesamt.

Zwischen 52 und 83 Prozent der Krankenhäuser verwiesen für ihr Einzugsgebiet auch auf die Existenz einer Zentralen Notfallambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Über eine KV-Notfallambulanz am eigenen Krankenhaus verfügten bei den Allgemeinkrankenhäusern 61 Prozent, bei den Uniklinika 40 Prozent. Unterschiede gab es bei den Allgemeinkrankenhäusern einschließlich der Uniklinika je nach Größe.

Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung

Auffällig: Im Einzugsgebiet von 18,5 Prozent der kleinen Kliniken unter 250 Betten ist überhaupt kein KV-Notdienst verfügbar. Das könnte darauf hindeuten, dass die ambulante Notfallversorgung im Einzugsgebiet von kleineren Kliniken eher selbst übernommen werden muss und diese Krankenhäuser dadurch erheblich belastet sind.

Düllings sieht etwa in der Umwandlung kleinerer Häuser in ambulante Versorgungszentren eine Lösung und forderte einen Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung.

Manko Digitalisierung

Der Anteil vollständig digitalisierter Kliniken liegt, laut Umfrage, auf sehr niedrigem Niveau – auch im internationalen Vergleich. Das betrifft insbesondere die Allgemeinkrankenhäuser (5 Prozent), Fachkrankenhäuser (8 Prozent) und Universitätskliniken (6 Prozent). Etwas besser sieht es bei den Psychiatrischen Krankenhäusern und Rehakliniken aus, die in 40 Prozent bzw. 21 Prozent der Kliniken über eine vollständige Digitalisierung verfügen. Am höchsten ist der Prozentsatz der Krankenhäuser, die ein digitales Archiv einsetzen (36 Prozent).

Wo bleibt der politische Plan?

Weitere, noch detailliertere Fakten inkludiert (mehr hier), sagt der VKD-Präsident: „Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen können noch so ausgefeilte und intelligente Maßnahmen des Managements nicht zu akzeptablen Ergebnissen führen. Dies gilt sowohl für die Wirtschaftlichkeit, wie auch für die Qualität. Von daher fragen wir als Krankenhausmanager die Politik auf Bundes- und Landesebene: Was ist Ihr Plan für unsere Branche?“

Der VKD habe in seinem „Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus“ den Reformbedarf aufgezeigt und konkrete Vorschläge genannt, wie in der neuen Legislaturperiode aus Sicht des VKD die Herausforderungen prioritär angegangen werden können. Bisher sieht Düllings jedoch kein Land in Sicht: „Die deutsche Politik kümmert sich nicht genug um Krankenhäuser.“

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