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Der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Krankenhaus Die Abrechnungsergebnisse optimieren

Derzeit erfolgt die Kodierung im Krankenhaus meist manuell auf Basis einer papierbasierten Patientenakte. Lesen Sie, wie künstliche Intelligenz (KI) zukünftig dabei helfen kann, die Kodierung und damit die Abrechnungs­ergebnisse eines Krankenhauses zu optimieren.

Die zunehmende Komplexität und der ausufernde Umfang der Dokumentation im Zusammenhang mit der Verschlüsselung von Diagnosen und Prozeduren sind für das medizinische Personal zu einem Alptraum geworden. Seit der Einführung des DRG-Systems im Jahr 2003 wird es immer schwieriger, den administrativen Anforderungen gerecht zu werden. Die Verantwortung für eine fehlerfreie medizinische Kodierung liegt bei den Ärzten, wobei auch Pflegefachpersonen zunehmend in die Dokumentation und Kodierung einbezogen werden. Es handelt sich dabei um einen sehr umfangreichen und komplexen Aufgabenbereich, wodurch sich ein eigenes Berufsfeld von speziell ausgebildeten Kodierfachkräften etabliert hat. Personal ohne entsprechende Fachkenntnisse ist nicht in der Lage, eine korrekte Kodierung durchzuführen um damit die Grundlage zur Abrechnung der erbrachten Leistungen zu legen. Dies kann zu erheblichen finanziellen Einbußen und Liquiditätsproblemen der Häuser führen. Um insgesamt eine möglichst optimale Kodierungssituation und eine schnelle Abrechnung der Fälle zu erreichen, ist es notwendig, die Prozesse zu optimieren, was wiederum den Erlös und die Liquidität des Hauses bzw. der Fachabteilung sicherstellt. Eine Lösung des Dilemmas bietet Künstliche Intelligenz (KI). Innovative IT Programme nutzen die Möglichkeiten der KI und helfen, die Kodierung und Abrechnungsergebnisse zu verbessern.

Das DRG-System gewährleistet grundsätzlich, dass die im stationären Sektor erbrachten Leistungen für einen somatischen Behandlungsfall mit einem festen Entgelt vergütet werden. Über individuelle Patientendaten, wie z.B. das Alter und das Geschlecht, die Haupt- und Nebendiagnosen inklusive pflegerelevanter Nebendiagnosen sowie die durchgeführten Prozeduren, wird die entsprechende leistungsorientierte Fallpauschale (DRG) über einen festen Algorithmus in einem Grouper generiert.

Wie kodieren Deutschlands Krankenhäuser?

Derzeit wird die Kodierung meist manuell auf Basis einer papierbasierten Patientenakte erstellt. Die Summe an verschiedenen Diagnosen und Prozeduren, die dabei anfallen, erhöht die Komplexität einer korrekten medizinischen Kodierung. Insbesondere die große Anzahl an möglichen Kombinationen aus mehr als 80.000 Diagnosekodes, über 42.000 Prozedurenkodes und unterschiedlichsten Ergebnissen in der finalen DRG ist eine Herausforderung, die große finanzielle Folgewirkungen haben kann. Meist sind ärztliches und pflegerisches Personal für die Kodierung zuständig, einige Kliniken beschäftigen speziell ausgebildete Kodierfachkräfte. Das Krankenhausfinanzierungssystem ermöglicht den Kliniken keinerlei finanziellen Spielraum. So haben viele Häuser kein oder zu wenig Fachpersonal für die Kodierung auf den Gehaltslisten. Dies führt schnell dazu, dass die bereits vorhandenen Mitarbeiter die entsprechenden Aufgaben zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit erledigen müssen. Die extrem hohe Arbeitsbelastung des Personals führt somit zu zeitlichem Verzug der Abrechnung und damit zu einem Liquiditätsproblem der Kliniken. Trotz der hohen Komplexität und Vielfalt der Daten und manueller, vorwiegend papierbasierter Durchführung erreicht die Kodierung in Deutschland bereits eine hohe Güte. Mittlerweile gibt es zudem einige digitale Hilfsmittel wie z.B. die externe Kodiernachlese oder die elektronische Kodierunterstützung. Doch der Blick in die Zukunft offenbart eine weitere Möglichkeit, dem Krankenhaus als Wirtschaftsbetrieb eine korrekte und schnelle Abrechnung zu ermöglichen.

Wie kann künstliche Intelligenz hier helfen?

Die künstliche Intelligenz gewinnt in vielen Bereichen immer mehr an Interesse und Aufmerksamkeit. Sie ist ein sehr junges Forschungsgebiet, das regelmäßig neue Erkenntnisse liefert und neue Einsatzgebiete entdeckt. Für die angespannte Situation bei der Kodierung der Kliniken scheint KI eine Lösung zu bieten, die sowohl dem Fachkräftemangel entgegenwirkt, als auch eine korrekte und zeitnahe Vergütung der erbrachten Leistungen ermöglicht.

Die Kodierung wird durchgeführt, indem KI auf die vorliegende Dokumentation innerhalb der Patientenakte zurückgreift und die relevanten Informationen extrahiert. Die Inhalte von optimalen Musterfällen werden als Vergleichspunkte herangezogen, um sozusagen einen Standard für eine korrekte Kodierung darzustellen. Zudem erkennt KI die Muster in Behandlungsdaten und in der Dokumentation der Patientenakten, ohne darauf speziell programmiert worden zu sein. Mögliche Differenzen von Labordaten, Radiologiebefunden und Arztbriefen sind keine Hürden oder Herausforderungen für die KI, da die benötigten Informationen in strukturierter Form bereitliegen und verarbeitet werden können. Die Softwarehersteller bieten bereits heute vielfältige Lösungen für Kliniken an. So können die Vorgänge im Bereich der Kodierung von Prozeduren, Diagnosen und auch der Erkennung von Risikogruppen bereits verarbeitet werden, um einen optimalen Nutzen aus den vorhandenen Daten zu gewinnen. Krankenhäuser können so also zukünftig ihre Vergütungssituation erheblich verbessern, MDK-Prüfungen drastisch reduzieren und die Liquidität nachhaltig sicherstellen.

Obwohl digitale Lösungen bereits jetzt zum Alltag gehören, benötigt es voraussichtlich noch viele Jahre an Entwicklungsarbeit, um eine Vollautomatisierung der Kodierung mittels künstlicher Intelligenz zu erreichen. Diese Zukunftsvision erscheint jedoch sehr realistisch zu sein. Der Übergang zu einer vollständig autonomen Kodierung wird fließend sein und zu Beginn weiterhin von Kodierfachkräften begleitet und unterstützt werden, bis die Systeme ausgereift sind und eigenständig arbeiten können. Eine Veränderung des Berufsfeldes von Kodierfachkräften hin zu Datenbeauftragten ist eine der logischen Folgen.

Mögliche Herausforderungen

Die technisch größte Herausforderung ist der Stand und die Umsetzung der Digitalisierung in den einzelnen Krankenhäusern, denn digital verfügbare Daten sind die Grundvoraussetzung für eine automatisierte Kodierung. Durch den geringen Digitalisierungsgrad in Deutschland und die vermehrt papierbasierte Dokumentation wird daher in naher Zukunft keine eigenständige Lösung denkbar sein. Zudem sind die menschliche Komponente, v.a. situationsabhängige Reaktionen und Intuition, von einem Computer aktuell nicht zu ersetzen. Um eine flächendeckende Umsetzung dieser Möglichkeiten zu erreichen, wird es daher voraussichtlich noch lange Trainings- und Implementierungs­zeiten geben.

Darüber hinaus bringt die Einführung neuer Technologien auch immer hohe Kosten mit sich. In Anbetracht der Höhe der Gesundheitsausgaben in Deutschland, die im Jahr 2018 bei 391 Milliarden Euro lagen, was einem Anteil von 11,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und Ausgaben von über einer Milliarde Euro am Tag entspricht, wird deutlich, welche finanzielle Bedeutung das Gesundheitswesen hat. Mit 105,7 Milliarden Euro entfällt davon mehr als ein Viertel der Ausgaben alleine auf die Kliniken. Ein optimiertes Kodierverhalten dieser könnte daher gleichermaßen zu einem Kostenanstieg der Gesamtausgaben und daher zu einer Belastung der Krankenkassen führen.

Fazit

Zusammenfassend stellt die künstliche Intelligenz einen Bereich mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten im Gesundheitswesen dar, die durch ihr großes Potenzial zukünftig nicht nur im medizinischen sondern auch im administrativen Bereich eine wachsende Bedeutung haben wird und zu einer Entlastung der Mitarbeiter führen kann. Aktuelle Entwicklung wie Fachkräftemangel und demografischer Wandel könnten entscheidend von der Verwendung der KI profitieren. Kliniken profitieren von einer Qualitätssicherung und einer damit einhergehenden Erlössteigerung durch die verbesserte Kodierqualität. Allerdings führt die Verwendung der KI zur automatisierten Kodierung voraussichtlich auch zu einem Kostenanstieg, wodurch ein Kosten-Nutzen-Konflikt zwischen Krankenhäusern und Kostenträgern entstehen könnte. Die flächendeckende Verwendung einer automatisierten medizinischen Kodierung führt somit voraussichtlich zu einer steigenden Kostenbelastung des Systems, allerdings auch zu einer gerechteren Vergütungssituation.

Die Literatur erhalten Sie bei den Verfassern.

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