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Lesetipp Detox für das Gehirn

Klimawandel, Kriege und Katastrophen – unser Oberstübchen wird täglich mit neuen Schreckensszenarien bombardiert. Wie sich das auf Alltag und Gesundheit auswirkt, erklärt Prof. Dr. Maren Urner in ihrem über 200 Seiten langen Appell für mehr kritisches Denken gegenüber schlechten Nachrichten.

Vor lauter schnelllebigen News übersehen viele die echten Nachrichten – wenn es nach Prof. Dr. Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Journalistin, geht. Denn die tägliche Informationsflut kann unser Steinzeit-Hirn kaum noch bewältigen. In „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ fordert die Professorin für Medienpsychologie einen achtsameren Umgang mit Meldungen zu Skandalen und Terroranschlägen. Denn die sorgen für neuronalen Stress und lassen viele bereits am Frühstückstisch hilflos zurück.

Erlernte Hilflosigkeit

Platz für gute Nachrichten bleibt laut Expertin kaum noch und Weltuntergangsszenarien machen sich breit. Und genau die verhindern oft die Lösung der Probleme: Menschen, die aktiv die Herausforderungen unserer Zeit angehen. Doch die, durch den Medienkonsum antrainierte „erlernte Hilflosigkeit“ schiebt dem vor der Überhitzung stehenden Gehirn einen Riegel vor.

Mit vielen Studien und wissenschaftlichen Theorien untermauert Urner die Zusammenhänge zwischen negativen News und Stress. „Nachrichten sind stressiger als die Realität“, fasst sie die aktuelle Entwicklung zusammen. „Das Gehirn ist, wie unser gesamter Körper, biologisch nicht auf eine Welt ausgelegt, in der ständig der Weltuntergang droht.“

Realität statt Horror

Wer wieder die Kontrolle über seine persönliche Weltsicht erlangen möchte, findet einen Crashkurs in kritischem Denken in diesem Buch. Zudem erweitert Urner die journalistische Landschaft um eine weitere Facette: den konstruktiven Journalismus, der keinesfalls mit Lösungsjournalismus zu verwechseln ist. Denn auch Urner und ihre Kollegen vom Online-Magazin „Perspective Daily“ kennen keine fallabschließenden Lösungen für Klimawandel, Kriege und Katastrophen. Ziel ist es, ein realistisches Weltbild darzustellen, und neben den üblichen W-Fragen auch folgende zu beantworten: Wie geht es weiter und wie kann es besser werden?

„Das Reden über Probleme schafft Probleme,
das Reden über Lösungen schafft Lösungen.“

Steve de Shazer, amerikanischer Autor und Psychotherapeut

Fazit

In diesem Buch wimmelt es vor „Aha“-Momenten, die dem eigenen Medienkonsum den Spiegel vorhalten. Urner beginnt mit einem Status Quo und führt durch wissenschaftliche Studien, die ihre Punkte untermauern. Der Leser erkennt, wie sich der „Medienstress“ auf den eigenen Alltag und die Gesundheit auswirken. Im zweiten Teil des Buches bietet die Autorin Handwerkszeug gegen die tägliche Informationsflut und klärt u.a. die Frage, warum uns unser Ego oft wichtiger ist als die Wahrheit.

Über die Autorin

Maren Urner studierte Kognitions- und Neurowissenschaften in Deutschland, Kanada und den Niederlanden und promovierte am University College London. Sie ist Mitgründerin des ersten werbefreien Online-Magazins für konstruktiven Journalismus: „Perspective Daily“. Seit Oktober 2019 lehrt sie als Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

 

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