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Lesetipp Den Patienten im Zentrum mit dem Martini-Prinzip

In der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat man sich auf die Behandlung einer Erkrankung spezialisiert. Ein Team an Mitarbeitern therapiert und betreut ohne hierarchische Strukturen über die Entlassung hinaus. Einblicke gibt jetzt ein Buch über das Martini-Prinzip.

Die Martini-Klinik verzeichnet mehr als 2.000 operative Eingriffe pro Jahr. Gearbeitet wird nach dem „Martini-Prinzip“, was das Prostatakrebszentrum der Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zu einem der größten Zentren weltweit aufstiegen ließ.

Auf rund 200 Seiten beschreiben Mitarbeiter der Hamburger Klinik, aber auch externe Experten, was das Martini-Prinzip so erfolgreich macht. Dabei sind sich die Herausgeber und Autoren bewusst, dass es die „perfekte Klinik“ nicht gibt. Man könne sich dem Idealzustand aber durch Spezialisierung, Ergebnistransparenz und Patientenorientierung – wie es im Untertitel des Buches heißt – möglichst weit annähern.

Was das Martini-Prinzip ausmacht

Die Herausgeber Prof. Dr. Hartwig Huland, Prof. Dr. Markus Graefen und Dr. Jens Deerberg-Wittram beschreiben drei essentielle Punkte, deren Kombination das Martini-Prinzip einzigartig machen:

  1. Die Spezialisierung auf eine Krankheit
  2. Das Nicht-hierarchische System aus einem gut kooperierenden Team
  3. Die Erfassung von Behandlungsergebnissen auch nach der Entlassung

Die Autoren widmen sich den Besonderheiten des Martini-Prinzips in vier Kapiteln. Sie dienen als Leitfaden dafür, wie Veränderung aus der Einrichtung selbst funktionieren kann.

Erfrischend ist, dass die Mitarbeiter der Martini-Klinik ihre Einrichtung nicht als das Nonplusultra verkaufen wollen, sondern sie lediglich als Beispiel für erfolgreiche „Veränderung von innen“ heraus dient.

Das Martini-Prinzip als Perspektive für die Zukunft?

Die Defizite im deutschen Gesundheitswesen seien derzeit zu groß, um das Prinzip flächendeckend einzuführen. Hindernissfaktoren zeigen Dr. Mani Rafii und Benjamin Westerhoff auf. Demnach müssten ambulante ärztliche und stationäre Vergütung aneinander angepasst und Parameter zur Messung der Ergebnisqualität eingeführt werden. Helfen könnte dabei die seit Jahren versprochene, aber nur von einigen Krankenkassen in Eigenregie eingeführte elektronische Patientenakte „als zentraler Wissensspeicher“.

Neben den großen Veränderungen, zeigt das Buch  aber auch, wie man auch mit nur kleinen Anpassungen Großes bewirken kann.

Zum Buch
Huland H., Graefen M., Deerberg-Wittram J. (Hrsg.) (2018) Das Martini-Prinzip. Spitzenmedizin durch Spezialisierung, Ergebnistransparenz und Patientenorientierung. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. ISBN: 978-3-95466-395-8

 

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