Lesetipps -

Lesetipp Der Panzer für die Seele

Der Begriff „Resilienz“ geistert seit Jahren durch die Medien und beschäftigt Laien wie Forscher. Was hält unsere Psyche im Gleichgewicht und welchen Einfluss haben unsere Gene? In ihrem Fachbuch „Resilienz – Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft“ trägt die Autorin zur Beantwortung dieser Fragen Puzzlestücke aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen.

Es gibt Menschen, die unverwüstlich scheinen – ganz gleich, welches Martyrium ihnen widerfährt. Die sich nach Krisen und Phasen der Verzweiflung aufrappeln, sich zusammenreißen, nie den Lebensmut verlieren. Forscher nennen diesen Wesenszug „Resilienz“ – eine Art psychische Widerstandskraft, quasi ein Schutzpanzer für die Seele.

Was es mit der Wunderkraft auf sich hat und wie man sie lernen kann, steht in unzähligen Lifestyle-Blogs und Selbsthilfebüchern. Denn wir alle brauchen sie, die Kraft in der Krise: jeder Arbeitnehmer, jeder Liebende, auch jeder Erfolgstyp. Christina Berndt, Autorin des Buchs „Resilienz – Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft“, löst sich von oberflächlichen Beschreibungen der Resilienz. Die Wissenschaftsjournalistin begibt sich auf die Suche nach den Hintergründen des Phänomens: Was haben eigentlich Neurobiologen, Genetiker und Psychologen bisher über die geistige Robustheit herausgefunden? Auf welchen Säulen ruht die Widerstandskraft? Und welchen Einfluss hat die Umwelt auf unsere Stärke?

Vom Scheitern und Aufstehen

Berndt beginnt mit einem Kapitel über die menschlichen Lebenskrisen und nutzt dafür reale Beispiele. In „Die verwaiste Mutter“ etwa beschreibt Berndt eine Mutter, die ihr dreijähriges Kind nicht wie befürchtet an dessen Krebserkrankung verlor, sondern durch den verhängnisvollen Fehler einer Pflegekraft. In „Der Selbstausbeuter“ berichtet sie über Ralf Rangnick, Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, der 2011 vor Erschöpfung seinen Job hinschmiss – nur um neun Monate später in alter Frische zurückzukehren. Und in „Die Männer, die dem Mörder entkamen“ schildert Berndt die besondere Stärke der Überlebenden, die im Jahr 2011 Andreas Breiviks Attentat auf der norwegischen Insel Utoya entkamen.

Wie kann jemand, der tiefgreifende Schicksalsschläge erlebt, Trauer und Ängste jemals hinter sich lassen? Berndt stellt diese Frage mehrmals, ihre zahlreichen Beispiele liefern die Antwort.

Die harten Fakten

In einem eigenen Kapitel präsentiert die Autorin pointiert und anschaulich, was die Wissenschaft bis dato über das Rätsel der Stehaufmännchen zusammentragen konnte. Laut den Forschern sind Menschen z.B. aufgrund winziger, aber weit verbreiteter genetischer Veränderungen besonders anfällig dafür, nach Gewalterfahrungen in der Kindheit später im Leben Belastungen nur schwer zu ertragen. Aber auch die Prägung durch den Erziehungsstil der Eltern spielt meist eine wesentliche Rolle. Überraschende Ergebnisse liefert außerdem der junge Forschungszweig der Epigenetik, nach dem das Leben die Erbanlagen verändert – oft über Generationen hinweg.   

Sich biegen statt brechen

Auf Basis ihrer Beobachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse zieht die Journalistin eigene Schlüsse und gibt den Lesern Lehren für den Alltag mit auf den Weg. Sie erklärt, welche Ereignisse uns besonders aus den Bahn werfen und warum. Sie erinnert daran, dass die Kindheit nicht alles ist und auch Erwachsene Resilienz lernen, sie aber auch wieder verlieren können. Und sie erklärt, dass Stress zwar gegen einen Zusammenbruch impfen, die Menschen aber genauso zerstören kann. Mit einem „kleinen Achtsamkeitstraining“ und einer Anleitung zum Abschalten schließt die Autorin ab.

© hcm-magazin.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen