Gebäude&Technik -

Building Information Modeling Der ideale Einstieg in den digitalen Klinikbau

BIM oder auch Building Information Modeling hat sich mittlerweile bewiesen – auch bei klinischen Baumaßnahmen. Öffentliche Vergabeverfahren können dabei aber eine Hürde darstellen. Dafür stellt die Vereinigung der Krankenhausplaner (AKG) nun einen Leitfaden zum BIM-Einsatz bereit.

Die Planungsmethode BIM (Building Information Modelling), das dreidimensionale Konstruieren, hat mittlerweile seine Vorzüge bewiesen. BIM-Bauprojekte werden nicht mehr über zweidimensionale Planzeichnungen entwickelt. Stattdessen wird das Gebäude als virtuelles Haus eingegeben – alle Technik, die das gebaute Projekt enthalten wird – inkludiert. Das virtuelle Haus kann vorab dreidimensional begangen und in allen Details beurteilt werden. Nicht nur die Ausstattung, nicht nur die Betriebstechnik, auch das Material, die Oberflächen, die Beleuchtung wird simuliert und kann überprüft werden. Dadurch entfallen Kollisionen der Fachplanungen, denn alle geben ihre Angaben in das dreidimensionale Modell ein. Konfliktpunkte werden sichtbar und korrigierbar. Wenn der Lüftungskanal die Stütze durchbohrt, legt das 3D-Modell den Fehler offen und wird korrigiert. Wenn die Wärme erzeugende Geräteausstattung die Lüftung überfordert, ist das bereits in der Simulation ablesbar und anpassbar. Wenn das Nussbaum-Design einer Abteilung das Corporate Identidy der Klinik konterkariert, dann wird verbessert, bevor der erste Handwerker die Baustelle betritt. Das computergenerierte 3D-Modell stellt auch die Quelle für alle Berechnungen dar, womit Kostenberechnungen exakt das sichtbare Modell widerspiegeln. Auch Materialqualitäten sind direkt im Modell fixiert und bleiben ablesbar.

Vorausschau ohne vergessene Posten

Der Bauherr erhält damit ein gut nachvollziehbares Planungsinstrument: "Sein" Projekt steht virtuell auf dem Monitor vor ihm, inspizierbar von allen Seiten, begehbar, ausgestattet mit allen Zahlenwerten und Ausstattungen. Jede Detailinformation ist im Modell enthalten, vom Beamer-Deckenanschluss bis zum Wandschutzwinkel im Bettenzimmer. Solch ein virtuelles Haus dient auch als Grundlage für eine bessere Kostenkalkulation: da vollständig simuliert, wird auch vollständig kalkuliert, eine Vorausschau ohne vergessene Posten.

Die Festlegungen am Modell sorgen dafür, dass der eigentliche Bauprozess schneller vollzogen werden kann. Frühe Bestellungen, kaum Baustellenentscheidungen mehr, weniger Planungsänderungen.

Das Know-how des Planers

Natürlich stellt sich die Realität rauer dar als das Idealbild, nicht alles was sich auf dem Monitor formen lässt, kann auf der Baustelle auch betoniert werden. Das Know-how des Planers entscheidet über den erfolgreichen Einsatz von BIM. Daher ist die Auswahl des geeigneten Planungsteams beim Einsatz von BIM noch entscheidender als bisher.

Hilfe für die Beauftragung von BIM

Den meisten klinischen Baumaßnahmen geht ein öffentliches Vergabeverfahren (sogenanntes VgV) voran, in dem der koordinierende Architekt und das Fachplanerteam in einem nachvollziehbaren Wettbewerb ausgewählt wird. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt muss festgelegt sein, ob BIM eingesetzt werden soll. Es muss auch bereits der Umfang der BIM-Bearbeitung definiert sein, damit alle Teilnehmer kalkulieren können und vergleichbar bewertet werden können. In sehr vielen Vergabeverfahren fehlen diese Festlegungen, was die Wahl des „Richtigen“ verunsichert und Vorteile der Planungsmethode aufs Spiel setzt.

Die Vereinigung der Krankenhausplaner (AKG) hat aus diesem Grund einen Leitfaden initiiert, der über die richtige Planerauswahl für den BIM-Einsatz informiert und eine sichere Vergabegrundlage für beide Seiten anbietet, ohne das Verfahren zu komplizieren. Die Grundidee wurde von buildingSMART als weltweitem Entwickler von BIM ausgearbeitet und als KIA (Klinik-Informationsanforderungen) veröffentlicht, um den BIM-Einsatz im Gesundheitswesen zu fördern. Als schmale Broschüre ist der Leitfaden über beide Institutionen erhältlich.

Wie sieht der KIA-Leitfaden aus?

Auf 18 Seiten wird speziell für Bauherrn im Gesundheitswesen nüchtern und realistisch dargestellt, welche Chancen in der BIM-Methode stecken. Sechs mögliche Elemente des BIM-Einsatzes und deren Vorteile werden in der KIA erläutert, der Leistungsumfang sowie der Honorarbedarf von jedem Paket wird dargestellt. Da die im AKG vertretenen Klinikplaner mit diesem Leitfaden vertraut sind, kann dieser als Standard für VgV-Verfahren genutzt werden und somit eine einvernehmliche Vergabelösung für BIM schaffen.

KIA Leitfaden

Was hat es mit diesen sechs Paketen des BIM-Einsatzes auf sich?

  • Im Paket 1 nutzt das Planungsteam die BIM-Methode, ohne dass der Bauherr sich damit beschäftigen muss. BIM ermöglicht, ein qualitativ besseres Gebäude zu gesicherten Kosten in einem definierten Zeitrahmen zu realisieren. Mit der Wahl von Paket 1 im Vergabeverfahren fällt kein Mehrhonorar zur konventionellen Planungsmethode an.
  • Im Paket 2 entwickelt das Planungsteam ein Raumbuch, in dem alle Qualitäten, Anforderungen, Ausstattungen, Materialien und Zahlenwerte definiert werden (z.B. max. Energieverbrauch; Geräteausstattung je Raum). Dieses dient als verbindliche Planungsgrundlage und stellt die Grundlage für den Bauunterhalt und die effektive Gebäudenutzung (z.B. room-sharing) dar.
  • Das Paket 3 setzt BIM für die Visualisierung im Abstimmungsprozess ein. Oberflächen, Raumfarben, Ausstattungen, Beleuchtungen werden simuliert als Bilder, Film oder als virtuelle Durchwegung, damit werden Entscheidungen zwischen alternativen Ausführungen erleichtert.
  • Das Paket 4 konzentriert sich auf die Kostenermittlung. Die Kosten werden durch die Massengenerierung aus dem 3D-Modell erzeugt, wodurch Vergleiche zwischen Entwurfsvarianten zuverlässiger möglich sind.
  • Das Paket 5 nutzt das 3D-Modell für die Bauzeitplanung. Gerade bei Baumaßnahmen im laufenden Klinikbetrieb müssen komplexe Ablöseprozesse entwickelt werden, die über das 3D-Modell besser visualisiert und abgestimmt werden können.
  • Im Paket 6 werden Massen-, Material- und Produktinformationen abrufbereit integriert, dass eine optimale Voraussetzung für ein wirtschaftliches Facility Management gegeben ist.
  • Es gibt noch ein Paket 7, das oft beschworene "As built-Modell". Hier wird die tatsächliche Ausführung als 3D-Modell dargestellt. Dieses Ziel stellt sich momentan noch als Vision dar.

Der KIA Leitfaden soll als Ratgeber und als Entscheidungsgrundlage für BIM-Leistungen im Vergabeverfahren dienen. Da der Leitfaden auch auf Seiten der Planer akzeptiert wird, ist eine faire rechtssichere Vergabeauswahl für beide Seiten möglich. In dieser Weise unterstützte Verfahren ebnen den Weg zum erfolgreichen BIM-Einsatz für bessere Klinikprojekte.

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