Kolumne Die Pflege in der aktuellen Politik

Mit diesen Newsletter startet die exklusive HCM-Onlinekolumne von Unternehmensberater Eckhard Eyer. Bisher haben nur unsere Printabonnenten das Lesevergnügen gehabt – ab Januar 2018 schreibt Herr Eyer monatlich auch für Sie als Abonnent des Newsletter. Thema in diesem Monat: Die Pflege in der aktuellen Politik.

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    Dipl.-Ing. Eckhard Eyer, www.eyer.de, info@eyer.de
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    Ähnlich wie im Gleichnis der blinden Männer und dem Elefanten, sollten auch die verschiedenen Aspekte der Pflege in der Politik „bei Licht“ betrachtet werden

Es ist interessant die Schlagzeilen zur Pflege in den letzten Wochen zu sammeln, sie nebeneinander an eine Wand zu heften und auf sich wirken zu lassen.

  • Mehr Personal in Pflegeheimen nötig.
  • Es ist naiv den Pflegebedarf an Pflegekräften durch den Import von Pflegekräfte sichern zu wollen.
  • Personalschlüssel in der Pflege neu verhandeln.
  • DBfK fordert tarifliche Vergütung für Pflegefachpersonen .
  • Mehr Geld allein bringt nicht mehr Pflegekräfte.
  • Private Pflegeunternehmen erteilen flächendeckenden allgemeinverbindlichen Tarifverträgen klare Absage.
  • Rheinland-pfälzische Sozialministerin will niedrige Pflegegehälter mit Steuermitteln aufbessern.
  • Grüne wollen Sofortprogramm in der Pflege.
  • Wachstumsstory Sozialimmobilien: Investoren setzen auf Pflegeheime.
  • Pflegeheimbetreiber Alloheim geht an Nordic Capital, Nordic Capital hat andere Investoren ausgestochen.

Beim Lesen der Schlagzeilen stellt sich die Frage, ob wirklich alle Schlagzeilen die gleiche Pflege – die Pflege von alten und pflegebedürftigen Menschen – betreffen. Die Schlagzeilen erinnern an das Gleichnis von den blinden Männern.

Die blinden Männer und der Elefant

Im Gleichnis die blinden Männer und der Elefant untersucht eine Gruppe von Blinden einen Elefanten, um zu begreifen, worum es sich bei diesem Tier handelt. Jeder untersucht einen anderen Körperteil – aber jeder nur einen Teil –, wie die Flanke, ein Bein, den Rüssel, den Schwanz oder einen Stoßzahn. Dann vergleichen sie ihre Erkenntnisse untereinander und stellen fest, dass jede individuelle Erfahrung zu ihrer eigenen, vollständig unterschiedlichen Schlussfolgerung führt.

Das Gleichnis wird auch in der Variante erzählt, dass an der Stelle der Blinden sehende – totaler Dunkelheit – den Elefanten untersuchen sollen. Ihr Erstaunen ist groß, als sie nach dem Austausch ihrer Erkenntnisse den Elefanten bei Licht sehen.

Koalitionsverhandlungen

Bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen, die sich die Steigerung der Attraktivität der Pflegeberufe zur Behebung des Pflegenotstandes und damit auch des begrenzenden Wachstumsfaktors auf die Fahnen geschrieben haben, erscheint es sinnvoll den „Elefanten Pflege“ bei Licht zu betrachten. Die unterschiedlichen (Teil-) Wahrheiten der Akteure sind zusammenzutragen und die Herausforderungen der Zukunft ganzheitlich, unter Einbeziehung aller Betroffenen Gruppen, zu analysieren und zu bewerten.  

Bei der Bewertung der unterschiedlichen (Teil-)Wahrheiten und der Argumente spielen sicher auch die unterschiedlichen Interessen und v.a. die Macht und der Organisationsgrad der einzelnen Akteure eine entscheidende Rolle. Der Maßstab der Politik für ihre Entscheidungen bei diesem Thema sollte das Gemeinwohl und die Nachhaltigkeit der Lösungen sein. Dabei sollte strategisch vorgegangen und zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen unterschieden werden. Nur so lassen sich die Ziele der guten Versorgung der pflegebedürftigen Menschen durch qualifizierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl, in einer wohnlichen Umgebung bei vertretbaren Kosten und angemessenen Renditen bald erreichen und nachhaltig sichern.

Kontakt zum Autor:
Dipl.-Ing. Dipl.-Kfm. Eckhard Eyer ist Gründer von Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels, Kontakt: info@eyer.de, www.eyer.de