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Nachlese zum 9. Beschaffungskongress der Krankenhäuser „Der Einkäufer muss der Treiber sein“

Mit einer Neustrukturierung der thematischen Handlungsfelder und mehr Fachforen bot der 9. Beschaffungskongress der Krankenhäuser in Berlin Anfang Dezember ein größeres Angebot als in den Vorjahren. Im Mittelpunkt standen (inter)nationale Entwicklungen und Trends sowie aktuelle Anforderungen an einen strategischen Krankenhauseinkauf. Von Fachkräftemangel über Krankenhausstrukturgesetz bis Industrie: Die Anforderungen werden noch steigen.

Topic channels: Einkauf und Krankenhausgesetzgebung

Auch in diesem Jahr folgten wieder mehr als 500 Teilnehmer aus Gesundheitsversorgung, -politik, Industrie und Beratung der Einladung des Veranstalters Wegweiser Media & Conferences zum Beschaffungskongress der Krankenhäuser in Berlin. Im stilvollen Ambiente des Hotel de Rome wurde über praktische Themen des täglichen Krankenhauseinkaufs, Optimierungspotenziale und rechtliche Fragestellungen sowie internationale Trends diskutiert und beraten.

Kompaktes Programm mit neuer Struktur

Um noch näher am Puls der Zeit zu sein, wurden die Handlungsfelder – Professionalisierung, Recht, Digitalisierung, Finanzierung und Innovation – neu strukturiert und deren neun Fachforen durch 14 passende Plenen bzw. Workshops vernetzt, die auch die Gesundheitspolitik sowie breitgefächerte Zusatzaspekte in den Fokus nahmen.

So umspannte das zweitätige Programm eben nicht nur Einkauf und Logistik per se, sondern setzte den Fachbereich in Kontext zu aktuellen Diskussionen etwa zu Controlling, Qualität, Hygiene, Medizinprodukte und -technik oder Patientenzimmerausstattung bis hin zum Antikorruptions- bzw. Krankenhausstrukturgesetz (KHSG).

„Machen Sie mit bei der Krankenhauspolitik!“

Schon das Eröffnungsplenum zum Thema „Die ‚Neue Situation’ im Gesundheitswesen: Worauf sich medizinische Leistungserbringer einstellen müssen“ zeigte die ganze Komplexität. „Die Krankenhausbranche braucht einen Masterplan, sie krankt daran, dass bisher zu viel an zu kleinen Schräubchen gedreht wurde,“ kritisierte Keynotespeaker Dr. Josef Düllings (Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschland – VKD) und führte dazu sieben Punkte an, darunter innovativere Strukturen, fehlende Lösungen für die ambulante Notfallversorgung, die Abwertung der Sachkosten im DRG-System und die Unterfinanzierung der Tarifsteigerungen.

„Man kann nicht immer Spitzenqualität von Kliniken fordern, aber so weitermachen wie zuvor, die Länder verstoßen permanent gegen das Gesetz, statt endlich Investitionen freizugeben,“ so Düllings. Abschließend sein Appell: „Gehen Sie nicht nur Ihrem Beruf nach, sondern beteiligen Sie sich auch politisch! Machen Sie mit bei der Krankenhauspolitik!“

„Der Einkäufer muss es richten“

Ähnlich kritisch äußerten sich seine Mitreferenten Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff (Universität Münster), Prof. Dr. Thomas Lux (Hochschule Niederrhein) und Bunyamin Saatci (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein). „Wir müssen nehmen, was wir aus dem DRG-System bekommen und der Einkäufer muss es richten. Die Gefahr ist, dass er billige Produkte z.B. mit geringerer Lebensdauer kauft oder Einwegartikel repariert werden,“ warnte etwa von Eiff, der zudem das Entlassmanagement als „Katastrophe“ bezeichnete, weil die Häuser dazu noch gar nicht digitalisiert sind.

Lux stimmte zu, das ganze E-Health-Gesetz sei nur ein „Schubser“, es müsse zur Digitalisierung viel mehr passieren.

Eine nachhaltige Verbesserung der finanziellen Situation sei nicht erkennbar, resümierte Saatci: „Wegen des KHSGs haben wir 400 Kliniken weniger, Belegtage und Verweildauer sinken – doch wir haben mehr Patienten!“

„Wenn Google oder Amazon ein Krankenhaus kaufen, sind wir Steinzeit!“

Dass Einkäufer jedoch auch entscheidenden Einfluss nehmen könn(t)en, wurde anschließend im Fachforum „Einkauf & Logistik als ‚Game-Changer’: Schnittstellenmanagement im Krankenhaus“ deutlich. „Die Komplexität wird steigen,“ prophezeite der Unternehmensberater Thomas Gallmann der Branche für die Zukunft, „und wenn Google oder Amazon mal ein Krankenhaus kaufen, sind wir Steinzeit! Der Einkäufer muss der Treiber sein.“

Wo weitere Fallen für diese Berufsgruppe liegen, zeigte Heinz Kölking, früher u.a. Geschäftsführer der Klinik Lilienthal GmbH in seinem sehr gut besuchten Workshop „Was darf/muss exzellente Servicequalität kosten?” auf. Wichtige Frage – konkret schwierig zu beantworten. Der Weg ist das Ziel, wie seine informative Präsentation erläuterte, die u.a. zum Fazit kam: „Konzeptionen für Systempartnerschaften können klug sein.“ Kölking schloss: „Optimierung muss zu einem gemeinsamen Ziel gemacht werden – wenn man nur auf Preise zielt, verliert man zu viele andere Aspekte aus dem Blick.“

Organisationsverschulden durch den Einkauf – wer haftet?

Mehr als spannend war am Nachmittag das Fachforum „Patientensicherheit, Hygiene & Recht: Organisationsverschulden durch den Einkauf – Was müssen Beschaffer dringend beachten?“ Mit forschen Fragen entlockte Moderator Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff „seinen“ drei Referenten nicht nur viele Fakten, sondern zeigte auf diese Weise auch auf, warum manch ein Einkäufer oder Krankenhauschef zurecht verunsichert ist, wenn es um Produkte, Verträge und Gesetze geht.

„Nicht jeder Kittel, jedes Bettlaken kann vom Einkäufer eingeschätzt werden, dazu ist es sinnvoll, sogenannte Risikobereiche zu bilden,“ führte beispielsweise Nadia Schwirtzek aus. Gleichwohl: „Wenn schlechtes Material verwendet und die Qualität vom Einkäufer nicht überprüft wird, ist das Krankenhaus schadensersatzpflichtig.“ Oder gar der Einkäufer selbst? „Der Hersteller muss eine adäquate Anwendung seines Produkts voraussetzen und der Einkäufer auf die Zweckbestimmung achten,“ so die Fachanwältin für Medizinrecht. Deshalb rät sie Chefs, entsprechende Einweisungen bzw. Schulungen für Produkte im Arbeitsvertrag der Einkäufer aufzunehmen, um das Haus im Zweifelsfall zu enthaften.

10-Punkte-Programm für erfolgreiches Beschaffungsmanagement

Nach einem Expertengespräch am Abend zur „Ganzheitlichen Digitalisierung des Gesundheitssektors am Beispiel von Dänemark“ und weiteren Veranstaltungen am zweiten Tag schloss der 9. Beschaffungskongress mit der Fachkonferenz zum Thema „Die Baustellen im Jahr 2018: Ein 10-Punkte-Programm für erfolgreiches Beschaffungsmanagement“.

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