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Im Gespräch mit Siegfried Hasenbein Der BKG-Geschäftsführer über Änderungen in der Krankenhausreform und Gründe für den Ärztemangel

Nach bundesweiten Protesten von mehreren tausend Krankenhausmitarbeitern gibt es Änderungen in der Krankenhausreform. HCM hat mit dem Geschäftsführer der BKG, Siegfried Hasenbein, darüber gesprochen und erfahren, vor welche Herausforderungen die Krankenhäuser zukünftig stehen.

Topic channels: Personalentwicklung, Krankenhausfinanzierung und Fachkräftemangel

Noch vor Wochen sind Krankenhausmitarbeiter deutschlandweit auf die Straßen gegangen, um gegen die Krankenhausreform zu demonstrieren. Die Proteste zeigten Wirkung: Am 3. Oktober vermeldete die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) via Pressemitteilung, dass geplante finanzielle Kürzungen zurückgenommen werden. Sind somit die Probleme der Krankenhäuser gelöst?

HCM hat den Geschäftsführer der BKG, Siegfried Hasenbein, am Rande einer Tagung der BKG getroffen und mit ihm über die Änderungen in der Reform und die verbliebene Kritik daran sowie über die Nachwuchsgewinnung in der Pflege und bei den Ärzten gesprochen.

Personal halbwegs gesichert

Die Änderungen in der Reform sind laut Hasenbein ein deutlicher Schritt in Richtung der Krankenhäuser. „Gerade was die finanziellen Kürzungen angeht, ist die Reform weitgehend zu unserer Zufriedenheit geändert worden“, erklärt er. Das Personal sei nun durch die 500 Millionen Euro, die in Form eines Pflegezuschlags nun doch in den Krankenhäusern verbleiben, deutlich besser gesichert, als vor den Änderungen. Es sei ein wesentlicher Fortschritt, da die Krankenhäuser ansonsten Personal hätten abbauen müssen.

Das Pflegeförderprogramm bezeichnet Hasenbein hingegen lediglich als Impuls. Aber die grundsätzliche Forderung, dass Mittel zur Verfügung gestellt werden, um das bestehende und zusätzliches Personal beschäftigen zu können, sind aufgenommen worden. (Doch dass finanzielle Mittel für die Nachwuchsgewinnung nicht ausreichen, erklärt Hasenbein an späterer Stelle.)

„Ein Gebot der Vernunft“

Dass die Vergütungsabschläge durch die Änderungen deutlich reduziert wurden, ist für Hasenbein „ein Gebot der Vernunft.“ Die Höhe der Abschläge für zusätzliche Leistungen, die Krankenhäuser drei Jahre lang zahlen müssen, stehe aber noch nicht fest. „Es sind Größenordnungen von 30 Prozent plus x in der Diskussion. Das ist immer noch sehr viel“, findet der Geschäftsführer der BKG.

Man habe aber in dieser Diskussion Anregung seitens der Krankenhäuser aufgegriffen, z.B. Asylbewerber von den Abschlägen freizustellen, da sie unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen. Das sei zwar noch nicht endgültig, gehöre aber zum Änderungspaket. Daher könne man davon ausgehen, dass es Gesetz wird. Dennoch prognostiziert Hasenbein, dass zukünftig darüber verhandelt werden muss, wie man nach der Gewährung von Asyl verfahren wird. Denn dann fallen die Menschen nicht mehr unter das Asylbewerberleistungsgesetz. „Aber im Augenblick hilft es den Krankenhäusern, dass Asylbewerber von den Abschlägen freigestellt sind“, versichert Hasenbein.

Auch an anderer Stelle sei man dabei, Ausnahmeregelungen zu schaffen. Man definiere Leistungen, deren Mengenentwicklung die die Krankenhäuser nicht beeinflussen können und für die es deshalb geringere Abschläge gibt. Dazu zählen u.a. Geburten. Bereits jetzt stehe im Gesetz, dass hierfür deutlich verringerte Abschläge anfallen. Das verbessere die Gerechtigkeit und die finanzielle Situation der Krankenhäuser.

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