DDKA Denkanstöße aus Aarhus

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Digitalisierung und Healthcare Europa

Wie ist im dänischen Gesundheitssystem die Digitalisierung erfolgreich gelungen? Und wie lässt sich der Klinikbetrieb innovativ, digital und patientenfokussiert organisieren? Antworten auf diese und weitere Fragen bekamen Delegierte der Universitätsmedizin Dresden bei einem Site Visit im Super-Hospital in Aarhus organisiert von der Deutsch-Dänischen Krankenhausallianz (DDKA).

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Die deutsche Delegation der Universitätsmedizin Dresden besichtigte in Aarhus auf einem Site Visit der DDKA das Super Hospital in der Region Midtjylland. – © HCM/DDKA

Alternde Gesellschaft, steigende Anzahl an chronischen Erkrankungen, zunehmende Health Literacy auf Patientenseite, Fachkräftemangel, neue technologische Entwicklungen, Wettbewerb durch neue, private Unternehmen im Gesundheitsmarkt, veränderte Anforderungen in Aus- und Weiterbildung, … Die Liste der Herausforderungen könnte im dänischen Gesundheitssystem kaum ähnlicher der deutschen sein. Auch wenn man in Dänemark bei Finanzierung, Planung und Leitung auf den Staat setzt, findet man im Nachbarland so einige Denkanstöße für den strukturellen Reformbedarf hierzulande – nicht nur im Bereich der Digitalisierung.

Wissenstransfer auf allen Ebenen des Klinikbetriebs

Die Deutsch-Dänische Krankenhausallianz (DDKA), gegründet von der Handelsabteilung der dänischen Botschaft in Berlin unter der Leitung von Hans Peter Kay und der Organisation von u.a. Olaf Meyer und Ingela Aliwell, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Player aus beiden Gesundheitssystemen zusammenzubringen, um den Wissenstransfer zwischen beiden Ländern zu unterstützen. Anfang Mai 2022 fand der erste Site Visit der DDKA in Aarhus, einem der Super-Hospitals Dänemarks, statt. Eine Delegation der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie der Universitätsmedizin Dresden vertrat Deutschland (mehr zu den Hintergründen und der Motivation der Dresdener Klinikmanager erfahren Sie in der kommenden Ausgabe von HCM).

Im Fokus des Site Visits standen u.a. folgende Themenbereiche rund um einen zukunftsorientierten Klinikbetrieb:

  • Lehren aus dem Bau des neuen Universitätsklinikums
  • Organisation der interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb eines Hauses
  • Digitale Transformation
  • Ressourcenplanung und -optimierung/digitale Personalplanung
  • Klinische Ergebnisverbesserung durch optimierten Patientenfluss
  • Effiziente Logistik
  • Datengesteuertes Aufgabenmanagement
  • Innovationsmanagement

Digitalisierung und Strukturveränderungen brauchen eine „lange Reise“

Super-Hospitals wie Aarhus wie auch die dänische Versorgungsstruktur mit ihrem Fokus auf digitale Prozesse werden in Deutschland immer wieder als Best-Practicer für die hierzulande diskutierten Veränderungsbedarfe herangezogen. Beim oft ehrfürchtigen Blick auf die Nachbarn und ihren Digitalisierungs- und Strukturreformerfolg bleibt häufig unerwähnt, dass „die Reise auch in Dänemark eine lange war“, wie Anne Katrine Greisen, Healthcare Denmark, bei ihrer Vorstellung des dänischen Gesundheitswesens zu bedenken gab.

Was Deutschland und Dänemark in Sachen Digitalisierung bisher maßgeblich unterscheidet: Das Commitment bzw. das Festlegen auf eine „Digital Health Strategie“ fehlen bisher. „Unser Gesundheitsministerium hat gezeigt, dass alle hinter den Veränderungsvorhaben stehen“, erklärte Greisen. Ebenso habe man auf Regierungsebene gemeinsam mit starken Akteuren und durch Heranziehen von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fakten zur Optimierung der Versorgung die Bevölkerung mitnehmen können. Auch in Dänemark standen Teile der Bevölkerung v.a. im ländlichen Bereich der Schließung von Krankenhäusern sehr skeptisch gegenüber. Die kontinuierliche und stringente Kommunikation der Ziele, sowohl die Patientensicherheit als auch die Versorgungsqualität zu optimieren, habe dabei geholfen, große Teile der Bevölkerung auf die Reise mitzunehmen. Mittlerweile arbeitet man in Dänemark zusätzlich an sogenannten Ausgleichsprojekten in Form von „Nahkliniken“, in denen weniger aufwendige Behandlungen durchgeführt werden können.

Digitale Transformation braucht Management

Grundlage bei allen digitalen Veränderungsvorhaben in der Gesundheitsversorgung sollte laut Thomas Engsig-Karup, Digital Innovation, Universitätsklinikum Aarhus, dabei immer die Patientenperspektive sein: Mit dem Ziel, die Digitalisierung einzusetzen, um Ressourcen effizienter zu verteilen und v.a. die Patientinnen und Patienten zu unterstützen, die sich selbst helfen können. Für diejenigen, die dagegen mehr persönliche Begleitung brauchen, könnten so freigewordene Ressourcen in einer Art Umverteilung besser verfügbar gemacht werden.

10 Grundsätze für die Digitale Transformation

  1. Veränderungen zu Patientenbedingungen
  2. Ermöglichen von Mitgestaltungsoptionen
  3. Nationale Lösungen, wo möglich
  4. Schutz der Patientendaten
  5. Erreichbarkeit und Leistung sicherstellen
  6. KI integrieren
  7. Schnelle und agile Entwicklung
  8. Effektive und vollständige Implementierung
  9. Eine Aufgabe, eine Lösung
  10. Mobilität durch Design

Quelle: Thomas Engsig-Karup, Digital Innovation, Universitätsklinikum Aarhus

Auch wenn Dänemark Deutschland in der strukturierten Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung voraus ist, gibt es auch hier noch einiges zu tun. Der Tenor der dänischen Sparring-Partner lautete durchweg: Digitalisierung und Veränderungen sind fortlaufende Prozesse, die es kontinuierlich weiterzutreiben und zu optimieren gilt. Nach rund 20 Jahren steht man in Dänemark nun vor der Aufgabe, das aus Daten generierte Wissen zur Ergebnisverbesserung anzuwenden.

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    Zu Gast in Dänemark: Eine Delegation der Universitätsmedizin Dresden reiste mit der DDKA Anfang Mai nach Aarhus und besichtigte u.a. die Kardiologie und die Notaufnahme in der dänischen Universitätsklinik.
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    Die Notfallversorgung in Dänemark liefert einiges ans Inspiration für eine Optimierung in Deutschland.
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    Auf dem Hubschrauberlandeplatz: Die Dresdener Delegation mit den Organisatoren des Site Visit der Handelsabteilung der dänischen Botschaft in Berlin.
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    Beim Gastgeber Systematic: Deutschland und Dänemark im Austausch über die Neuordnung der Gesundheitsversorgung.

Gemeinsam für ein Ziel

Leistungsbringer werden in Dänemark auf ihrem Weg der Veränderung eng von Industrieseite begleitet. Die Industriepartner, die den dänischen Transformationsprozesses mitgestalten, stellen mit ihren erprobten Lösungen auch potenzielle Sparring-Partner für das deutsche Gesundheitssystem dar. Unternehmen wie Gastgeber Systematic bieten u.a. sogenannte „Lightweight Products“ an, die den schrittweisen Einstieg in eine zukunftsorientierte Versorgung erleichtern. Systematic unterstützt z.B. mit Lösungen fürs klinische Aufgabenmanagement für Entlastung bei den Mitarbeitenden, ungestörte Arbeitsprozesse sowie optimierte Kommunikation und Patientennavigation.

Ebenfalls in Dänemark bewährt haben sich u.a. die Lösungen folgender Unternehmen:

  • Careturner: Dekubitusreduzierung und Ressourcenoptimierung
  • Gibotech: Effiziente Logistik in der automatisierten Zentralsterilisation
  • LSR Life Science Robots: Arbeitsdruckentlastung in der Rehabilitation
  • Ramboll: Automatisierung der Krankenhauslogistik
  • UVD: Optimierung der Ressourcen und Verbesserung der Qualität der Behandlung
  • UVmedico: Automatisierung der Standdesinfektion
  • Visikon: Klinische Ergebnisverbesserung durch optimalen Patientenfluss
  • PDC: Digitale Personalplanung sowie einfache Ressourcenplanung im Überblick
  • PTR Robots: Gesteigerte Patientensicherheit durch Robotik für den Patiententransfer

HCM begleitet die DDKA als Medienpartner und unterstützt den Wissenstransfer in weiterführenden Beiträgen.