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Brandschutz Den Tatsachen ins Auge sehen

Alle drei Minuten bricht in Deutschland ein Brand aus, dabei entsteht jährlich ein Schaden von 2.600.000.000 Euro. Dennoch halten viele Entscheider die Anforderungen an den Brandschutz für überzogen. Dass sie nur eine vage Vorstellung davon haben, was bei einem Brand passiert, mag einer von vielen Gründen für ihre geringe Bereitschaft sein, in Sicherheit zu investieren.

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Dass durchschnittlich 18 Minu­ten verstreichen, bis die Feuer­wehr am Einsatzort mit voller Kraft agieren kann, lasse beispielsweise F 30-Wände und brandschutztechnisch klassifizierte Türen sowie weitere Sicherheitsmaßnahmen in einem anderen Licht erscheinen, erklärte Jörg Ullrich auf der diesjährigen Tagung „Brandschutz im Krankenhaus“ in Leipzig, veranstaltet von der FKT-Regionalgruppe Mitteldeutschland. Bereits die Evakuierung einer gehfähigen und nicht besonders eingeschränkten Person über eine Drehleiter mit Korb nehme weitere zwei bis drei Minuten in Anspruch. Auch der Zeitaufwand für diese Rettungsmaßnahme und vor allen Dingen, was sie für die Betroffenen bedeutet, werde meist unterschätzt. „Schauen Sie mal eine Drehleiter hinunter, wie hoch das ist, und berücksichtigen Sie, welche Gewichte Feuerwehrmänner mit Atemschutzgerät durch die Gegend schleppen und wie sehr das ihre Beweglichkeit einschränkt“, führte der Brandschutzplaner weiter aus. Er ist überzeugt: Mit dem Wissen um diese und viele andere nackte Tatsachen im Zusammenhang mit Bränden sähen viele Brandschutzkonzepte und so mancher Evakuierungsplan anders aus. Vor allem auch die Haltung gegenüber dem Brandschutz, der oft mehr als lästige Pflicht denn als wichtige Sicherheitsmaßnahme abgetan wird, wäre eine andere. Das vorhandene Sicherheitsniveau sei ein durch Brände und Tote der Vergangenheit teuer erkämpftes Gut.

Zeitverzögerter Erfolg

Beim Brandschutz gibt man Geld für bauliche Maßnahmen und Techniken aus, die man mit Glück nie, manchmal auch erst viele Jahre, nachdem man sie erworben hat, braucht. Aus nachvollziehbaren Gründen falle das vielen Investoren schwer, räumte Ullrich ein. Doch: „Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss“, urteilte das OVG Münster bereits am 11. Dezember 1987. „Ob es sinnvoll und nützlich ist, was wir heute für den Brandschutz tun, wissen wir oft erst Jahre später. So ist es in der Geschichte des Brandschutzes immer gewesen“, führte der Sachverständige für vorbeugenden baulichen Brandschutz weiter aus.

Flucht- und Rettungswege

Ullrich ist überzeugt, dass alle rechtlichen Vorgaben zum Thema Brandschutz – vernünftig umgesetzt – wichtig und sinnvoll sind. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass jeder Baukörper individuelle Bewertungen erfordert. Sein spezielles Thema in Leipzig waren Flucht- und Rettungswege. Der Sachverständige rät: Planer sollten die Feuerwehr frühzeitig einbinden, um v.a. zu gewährleisten, dass diese problemlos an das Gebäude herankommt. Bei bestehenden Gebäuden helfe oft banales Ausprobieren. Zum Beispiel mit einer Anleiterprobe. Die Gefahr, die von Brandlasten in Rettungswegen (Fluren und Treppenräumen) ausgeht, werde oft massiv unterschätzt. „Fotokopiergeräte, Mülltrennbehälter, Wasserspender und sonstige Gerätschaften haben in notwendigen Fluren nichts zu suchen“, betonte Ullrich. Sie wirken aus Sicht des Brandschutzes in dreifacher Hinsicht ungünstig: Als Zündquelle, Brandlast und Hindernis. „Um das Entstehen von Bränden oder im Brandfall ein Verrauchen des Flurs und Treppenraumes zu verhindern, sollten in Flucht- und Rettungswegen daher keinerlei Brandlasten zugelassen werden“, forderte der Brandschutzplaner und: „Vergessen Sie nicht! Fluchtweg gleich Rettungsweg und darüber hinaus Angriffsweg der Feuerwehr! Der Personenstrom erfolgt im Brandfall also in beide Richtungen.“ Seine Präsentation finden Sie auf der FKT-Homepage www.fkt.de im Bereich Wissen/Tagungspräsentationen.

Maria Thalmayr

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