Forschung konkret -

Sturzprophylaxe Den Einsatz von Bettgittern reduzieren

Freiheitsentziehende Maßnahmen stellen einen erheblichen Eingriff in die Selbstbestimmung eines Pflegebedürftigen dar. Um Stürzen vorzubeugen, ohne dabei die Patientenautonomie einzuschränken, haben Forscher der Universität Hall in Tirol jetzt ein Sensorsystem entwickelt.

Luftgefüllte komprimierbare Schläuche, die parallel zur obersten Leiste eines Bettgitters verlaufen, lösen bei einem Druck von 35 mbar Alarm aus. So werden Pflegekräfte rechtzeitig auf Patienten aufmerksam, die durch das Verlassen des Bettes sturzgefährdet sind. Dabei können die Bettgitter sowohl hoch als auch niedrig gestellt sein. Das System erfüllt zudem hygienische Standards, ist kostengünstig und in übliche Alarmsysteme integrierbar. Die präklinische Anwendungsbeobachtung ergab ein sehr gutes Verhältnis zwischen korrekten Alarmen und Fehlalarmen. Bei einem Druck von 35 mbar wurde eine Sensitivität von 96 Prozent (bei insgesamt 99 Fällen, in denen die Testperson das Bett verlassen wollten, gab es 95-mal Alarm) und eine Spezifität von 99,4 Prozent (bei einer Berührung des Gitters ohne die Intention auszusteigen, gab es einen Fehlalarm in 178 Fällen) erreicht. Durch die Verwendung von robustem und üblichem Industriematerial konnten die Materialkosten bei 20 Euro pro Sonsorsystem gehalten werden (ohne Montage, Marketing, Verwaltung und Gewinnmarge).

Hintergrund

Stürze sind ein häufiges unerwünschtes Ereignis, besonders bei kognitiv beeinträchtigten und desorientierten Patienten. Durchschnittlich hat die Hälfte aller Pflegeheimbewohner ein Sturzereignis pro Jahr. Bewohner mit Demenz stürzen dabei doppelt so oft wie Bewohner, die nicht an Demenz leiden. Die Kosten eines Sturzes werden auf 944 Euro geschätzt. Die meisten Stürze ereignen sich im Patientenzimmer. Häufig werden zur Sturzprävention Bettgitter verwendet. Diese finden zudem Anwendung zur Eindämmung von Aggression bzw. Agitation, zur Kontrolle von „Wandering“ (übertriebenes Umherwandern) und zur Bewegungsunterstützung (drehen bzw. hochziehen im Bett). Bettgitter stellen jedoch einen Freiheitsentzug dar. Zudem bergen sie gesundheitliche Risiken, etwa durch das Einklemmen des Kopfes.

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