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Demenzsensibles Krankenhaus Schwedens Königin zeichnet Görlitzer Malteser Krankenhaus aus

Baumaßnahmen, Mitarbeiterschulungen und Orientierungshilfen – das Malteser Krankenhaus in Görlitz ist vollständig auf Patienten mit Demenz eingestellt. Dieses Engagement hat Königin Silvia von Schweden nun mit dem Zertifikat "Demenzsensibles Krankenhaus" ausgezeichnet.

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Als erstes Krankenhaus in Deutschland ist das Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz vollständig auf die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz eingestellt: In einem virtuellen Festakt, an dem auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer teilnahm, hat Schwedens Königin Silvia dem Krankenhaus am 30. November das Zertifikat verliehen.

Die Königin ist Gründerin und Vorsitzende der nach ihr benannten und international als führend auf dem Gebiet der Demenzversorgung angesehenen Stiftung „Silviahemmet“. Alle Mitarbeitenden des demenzsensiblen Krankenhauses wurden nach der Palliativen Philosophie von „Silviahemmet“ geschult. Räumlichkeiten, Beschilderungen und Prozesse wurden auf die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz und ihrer Angehörigen angepasst. Für die Malteser ist es eine weitere Auszeichnung einer ihrer Einrichtungen. Sie arbeiten bereits seit Anfang der 2000er Jahre mit „Silviahemmet“ zusammen.

Königin Silvia gratuliert digital aus Schweden

Die Königin sagte in ihrer Ansprache, die aus Schweden übertragen wurde: „Es ist eine Ehre für mich, bei der Einweihung des allerersten Krankenhauses, in dem alle Mitarbeiter in der Demenzpflege für Lebensqualität ausgebildet wurden, anwesend zu sein – wenn auch digital. Wir leben in einer besonderen Zeit. Und trotz aller Hindernisse und Herausforderungen haben sich die Mitarbeiter des St. Carolus Krankenhauses in diesem Jahr fortgebildet, um die an Demenz erkrankten Patienten zukünftig noch besser betreuen zu können. Das zeugt von einem beeindruckenden Engagement und einer Sorge um das Wohl der Patienten. Heute sind auf der ganzen Welt schätzungsweise 50 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Und wenn eine Person an Demenz leidet, ist die ganze Familie betroffen.“

Der Alltag im demenzsensiblen Krankenhaus St. Carolus

Demenz als große Herausforderung

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer lobte das Engagement des Malteser Krankenhauses: „Wir haben in den vergangenen Wochen während der Corona-Krise immer wieder gesehen, welche große Herausforderung es bedeutet, wenn bei Menschen als zweite Erkrankung noch Demenz hinzukommt.“ Der Ministerpräsident glaubt, dass medizinische Versorgung nicht nur darin bestehe, beste medizinische und technische Voraussetzungen oder Impfungen zu gewährleisten, sondern auch den Umgang mit einer Demenz bewältigen können. „Umso mehr freue ich mich, dass das St. Carolus-Krankenhaus diesen Weg geht. Der Malteserorden steht für Menschlichkeit, Nächstenliebe, Seriösität und langen Atem. Ich bin ihnen dankbar für das große Engagement, das sie leben.“ Das Land Sachsen hat das in der deutschen Krankenhauslandschaft neue Pilotprojekt der Malteser mit fast 700.000 Euro unterstützt.

Corona belastet an Demenz Erkrankte zusätzlich

Die Geschäftsführerin der Malteser Deutschland, Verena Hölken, wies auf die neuartige Perspektive hin, die Patienten mit Demenz und ihre Angehörigen erwartet: „Wir richten uns im St. Carolus an den Fähigkeiten und auch Einschränkungen, die Menschen mit Demenz haben, aus. Wir wissen, dass sie sich dem üblichen Regime eines Krankenhauses nicht anpassen können.“ Denn gerade in Corona-Zeiten verlören viele Menschen mit einer Demenz die notwendige emotionale Stabilität, da z.B. Angehörige sie nicht mehr besuchen dürften. „Kommt dann ein Krankenhausaufenthalt dazu, weil eine akute Erkrankung behandelt werden muss, wird die Demenz zu einem besonders schweren Rucksack und zu einem gesundheitlichen Risikofaktor.“

Der Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus

Sven Heise, der Geschäftsführer der Malteser Sachsen-Brandenburg, zu der das St. Carolus-Krankenhaus zählt, wies auf die Entwicklung zum demenzsensiblen Krankenhaus hin: „Wir haben bereits vor einigen Jahren in den Schlüsselbereichen erste Schulungsmaßnahmen hinsichtlich Patienten mit Demenz durchgeführt, mussten aber erkennen, dass das nicht reicht. Das war auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Krankenhausleitung sich im Jahr 2019 auf dieses Projekt eingelassen hat. Damals noch, ohne zu ahnen, was Corona an Herausforderungen bescheren würde. Wir sind dankbar, dass das Land Sachsen uns dieses Projekt durch seine Finanzierung ermöglicht hat, und stolz, dass wir trotz aller Widrigkeiten in diesem besonderen Jahr unser Ziel, die Zertifizierung durch Silviahemmet, erreicht haben.“

Schulungen, Baumaßnahmen und Orientierungshilfen

Das Malteser Krankenhaus St. Carolus ist ein Akutkrankenhaus mit den Fachabteilungen Innere Medizin, Urologie, Chirurgie (Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie), Anästhesie und Intensivmedizin. Das 120-Betten-Haus mit 260 Mitarbeitenden verfügt weiterhin über eine Palliativstation und ein zertifiziertes Schlaflabor. Alle Mitarbeitenden - von der Empfangsdame über den Internisten bis zum Techniker - wurden zum Thema demenzsensibler Umgang mit Patienten mehrtägig praxisnah weitergebildet. Neben der Mitarbeiterschulung wurden umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt, Orientierungshilfen installiert, Räume gestaltet und gleichzeitig die Abläufe im Krankenhaus demenzsensibel angepasst.

Die knapp einstündige virtuelle Veranstaltung ist im Netz weiterhin abrufbar.  

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