Pilot-Projekt Delirprävention am LMU Klinikum München

Zugehörige Themenseiten:
Patientensicherheit

Mit dem Namen „gertrud“ ist unter der Stabsstelle Personalentwicklung und Pflegewissenschaft sowie der Klinik für Anaesthesiologie des LMU Klinikums ein innovatives Programm gestartet, das die Versorgung von älteren chirurgischen Patientinnen und Patienten während ihres Krankenhausaufenthaltes verbessern soll.

Das Pilotprojekt der LMU soll u.a. kognitiven Störungen nach chirurgischen Eingriffen bei älteren Menschen vorbeugen. – © Urupong (stock.adobe.com)

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für postoperative Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen. Besonders eine bereits bestehende leichte Gebrechlichkeit bei älteren Menschen erhöht das Risiko, ein Delir zu erleiden. Die Abnahme der Muskelkraft, schwindende Leistungsfähigkeit der inneren Organe und Mangelernährung bei gleichzeitig höherer Empfindlichkeit auf Stressoren gehören zu diesem Komplex. Ein chirurgischer Eingriff ist mit Stressoren, wie einer Entzündungsreaktion, den Auswirkungen von Medikamenten, z.B. während der Narkose, und Angst verbunden.

Aufmerksamkeitsstörungen und kognitive Störungen

Hierdurch erklärt sich, weshalb ältere Menschen nach operativen Eingriffen häufig unter Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit (neurokognitive Störungen) als postoperative Komplikation leiden. Dabei unterscheidet man zwischen dem postoperativen Delir (POD) und postoperativer kognitiver Dysfunktion (POCD). Beim Delir handelt es sich um eine akut auftretende Störung der Aufmerksamkeit und des Denkens in der unmittelbaren postoperativen Phase. POCD bezeichnet dagegen eine neu aufgetretene kognitive Funktionsstörung nach einem operativen Eingriff und beeinträchtigt viele Patientinnen und Patienten meist in ihrer Merk- und Lern-, sowie Konzentrationsfähigkeit. Für die Betroffenen besteht das Risiko, langfristige Folgen, wie eine Verschlechterung der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten und damit verbunden eine Abnahme in der Selbstversorgung, davonzutragen.

Versorgungskonzept zur Delirprävention

Genau hier setzt das innovative sektorenübergreifende Pilot-Projekt namens gertrud (altersgerechte proaktive Gesundheitsversorgung) an: Die Versorgung der Patientinnen und Patienten soll deren Alter und den damit verbundenen individuellen Risiken gerecht werden. Dabei ist das auf drei Jahre ausgelegte Projekt interdisziplinär von der Indikationsstellung bis hin zur postoperativen Weiterversorgung zu Hause angelegt. „Die Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft werden wir nur durch innovative Ansätze bewältigen können. Interprofessionelle Vernetzung wie beim Projekt ‚gertrud‘  eröffnet neue Perspektiven und Lösungsansätze“, sagt Bayerns Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek.

Das sind die Schwerpunkte des Programms gertrud:

  • Stärkung der Zusammenarbeit von niedergelassener Ärzteschaft, multiprofessionellem geriatrischem Team, Angehörigen bzw. Altenhilfe und Patient oder Patientin
  • Risikovorbeugende Behandlungsplanung der prästationären, stationären und poststationären Gesundheitsversorgung gemäß Risikoprofil im multiprofessionell und interdisziplinär besetzten Geriatrie-Team (EDV-gestützt)
  • Prästationäre risikoangepasste Optimierung der Medikationsanpassung
  • Stationäre proaktive Gesundheitsversorgung entsprechend Risikoprofil durch Teams der evidenzbasierten, spezialisierten Pflege und Überleitung in die poststationäre Versorgung
  • Einsatz von Begleitpersonen zur Unterstützung der nicht-pharmakologischen Delirprävention durch patientenzentrierte Begleitung älterer Patientinnen und Patienten

Für Regelversorgung geplant

Das Programm gertrud wird im Rahmen eines dreistufigen interdisziplinären und multiprofessionellen Pilot-Projekts am LMU Klinikum entwickelt, umgesetzt und begleitend evaluiert. Zum Projektende wird eine Implementierungsstrategie erstellt, damit auch andere Kliniken von den Erfahrungen des gertrud-Teams profitieren und das Programm weiterführen können.

Das dreijährige Pilot-Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Rahmen innovativer medizinischer Versorgungskonzepte mit 500.000 Euro gefördert.