Hygiene in Krankenhäusern DBfK: Standards durch ausreichend Pflegepersonal im Krankenhaus sichern

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Hygiene und Patientensicherheit

Der DBfK sieht den Grund für die rasante Verbreitung nosokomialer Infektionen im Personalmangel in der Pflege. Kürzlich hat der Verband ein Positionspapier zu Hygienestandards in Krankenhäusern veröffentlicht, in dem er fordert, dass es hierfür ausreichend Pflegepersonal geben muss.

Für gute Hygienestandards in Krankenhäusern braucht es laut DBfK ausreichend Personal. – © RioPatuca Images (Fotolia.com)

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) e.V. weist anlässlich des ersten Internationalen Tags der Patientensicherheit in einem am 16. September veröffentlichten Positionspapier auf Hygienemängel in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen hin. „In den Krankenhäusern tickt eine Zeitbombe“, warnt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Nosokomiale Infektionen breiten sich rasant aus. Eine der Ursachen ist der Personalmangel in der Pflege. Die Einhaltung von Standardhygienemaßnahmen wird dadurch erschwert“, prognostiziert Bienstein. Man müsse sich darauf einrichten, dass die Anzahl von etwa jährlich 10.000 bis 15.000 Erkrankten weiter ansteige, wenn nicht schnell Gegenmaßnahmen ergriffen werden würden.

Erschwerend bei der Bewältigung der Infektionen ist laut DBfK u.a., dass multiresistenter Erreger sich zunehmend entwickeln und verbreiten sowie Antibiotika zu häufig eingesetzt und verfrüht abgesetzt wird. Das Positionspapier beleuchtet die Situation in den Krankenhäusern und die Risiken aus der Perspektive der Pflege und stellt Forderungen auf.

Hintergrund

Zwischen 1996 und 2006 sind nach Angaben der DBfK etwa 15 Prozent der Stellen im Pflegedienst der Kliniken abgebaut worden. Gleichzeitig sei die Anzahl der Patienten gestiegen, insbesondere habe der Anteil älterer und pflegeaufwendiger Patienten zugenommen. Das höhere Lebensalter der Kranken zusammen mit Mehrfach- und chronischen Krankheiten steigere die Arbeitsbelastung in der Pflege weiter. Zudem habe sich die Verweildauer der Patienten von 1991 bis 2010 halbiert.

Die Folge sei eine enorm gestiegene Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung, die bereits viele Pflegefachpersonen aus dem Beruf getrieben habe. Internationale Studien wie die RN4 Cast Studie von 2011 belegen, dass in deutschen Krankenhäusern eine Pflegefachperson durchschnittlich zehn Patienten zu versorgen hat – in Schweden und den Niederlanden dagegen lediglich 4,5 bis 5 Kranke. Damit schneidet Deutschland in Europa zusammen mit Spanien (ebenfalls 1:10) am schlechtesten ab, noch hinter Griechenland. Seit 2011 sei dieses Missverhältnis eher noch schlechter geworden.

Auswirkungen auf die Mitarbeiter

„Die Kollegen eilen von einem Patienten zum nächsten. Der Arbeitsdruck ist so hoch, dass die Hygiene vernachlässigt wird“, erklärt Bienstein. Qualitativ angemessene Pflege kann nur durch ausreichendes und qualifiziertes Pflegepersonal gewährleistet werden. Die Bemessung des einzusetzenden Pflegepersonals und dessen Qualifikation müssen sich nach Meinung der DBfK am tatsächlichen Pflegebedarf der Patienten und nicht an ökonomischen Interessen orientieren. Der Verband fordert seit langem die politisch Verantwortlichen auf, zügig analytische Personalbemessungsinstrumente einzuführen, die dem Pflege- und Versorgungsbedarf der Kranken angepasst sind. Die Arbeitsbedingungen würden die Berufsflucht aus den Pflegeberufen sonst weiter erhöhen.