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Digitalisierung in der Krankenhausküche Das Tablet am Herd: Die Lösung für Klinikküchen?

Kosten senken und trotzdem gesunde Verpflegung in Kliniken anbieten. Da hat sich das schwäbische Unternehmen „Glückliche Gäste“ viel vorgenommen. Mit einer selbstentwickelten Software-Lösung soll der Spagat gelingen.

Topic channels: Verpflegung & Catering, Einrichtung & Ausstattung und Fachkräftemangel

Das Essen wird immer mehr zum Aushängeschild eines Krankenhauses. Patientinnen und Patienten sind anspruchsvoller geworden, Fragen nach dem Geschmack oder der Nachhaltigkeit von Speisen und Zutaten werden immer wichtiger. Dem entgegen steht ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. Der Fachkräftemangel in Krankenhausküchen sorgt nach Meinung von Oliver Blum, Geschäftsführer des Konzeptentwicklers Glückliche Gäste, für steigende Kosten bei gleichzeitig sinkender Qualität: Küchen würden zu immer mehr industriellen (und teuren) Convenience-Produkten greifen und der Geschmack bliebe auf der Strecke.

Die Glückliche Gäste GmbH hat eine Küchensteuerungssoftware entwickelt, die Abläufe in Großküchen, z.B. in Kliniken vereinfachen soll. Die Software GG-Bios soll Küchenkräfte Schritt für Schritt bei der Zubereitung von Speisen anleiten. Der Konzeptentwickler mit Sitz in Hechingen und Stuttgart sieht darin die Zukunft im Bereich Gemeinschaftsverpflegung.

Frische Zutaten aus der Region, gespart wird am Herd

Auch andere Hersteller und Beraterfirmen haben die Krankenhausküche mit all ihren strukturellen Problemen für sich entdeckt: Mit vorgegarten Speisen im Cook&Chill- oder Cook&Freeze-Verfahren wollen sie Zeit und Geld sparen. Blum und sein Geschäftsführerkollege Christian Farr setzen bewusst auf frische Produkte aus der jeweiligen Region. Gespart wird am Herd: Zeit, Energie und Personalaufwand wollen die Schwaben mit ihrer Software GG-Bios minimieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung auf dem Tablet

Mit GG-Bios wird am Herd exakt nach den im Vorfeld entwickelten Rezept- und Qualitätsvorgaben gearbeitet. Das Küchenpersonal sieht über einen Touch-Bildschirm jeden einzelnen Arbeitsschritt, der für die Zubereitung erforderlich ist. Produkt, Mengenangabe, Temperatur, Zeit und eine Arbeitsanleitung erscheinen auf dem Display. Im Hintergrund der Software laufen Protokollierungen für die Qualitätssicherung, das manuelle Ausfüllen von Checklisten soll so entfallen.

Laut Blum eignet sich die Software für Küchen, die keine oder nur noch wenige ausgebildete Köchinnen und Köche haben. Das Zubereiten "nach Tablet" kann jeder in einer kurzen Schulung erlernen. Aber auch Küchen mit großem Stamm an Fachpersonal könne die Lösung helfen: so könnten freigewordene Personalressourcen genutzt werden, um beispielsweise weitere Einrichtungen, wie Schulen, Kitas oder Kantinen zu beliefern.

Waren-, Energie- und Personalkosten senken

Getestet wurde die Software in Einrichtungen verschiedener Größen. Laut den Anbietern sinken die Warenkosten bis zu 20 und die Energiekosten bis zu 70 Prozent. Die Personaleinsatzzeiten können laut Blum und Farr um 20 bis 50 Prozent gesenkt werden. Derzeit wird ein Tool zur flexiblen Dienstplangestaltung entwickelt, das die Mitarbeitenden auf Basis der Speisepläne im System einteilt.

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