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Top-Management-Studie Das sagen Chefärzte über die Qualität ihrer Krankenhäuser

Bei der Betreuung ihrer Patienten sehen die verantwortlichen Ärzte in deutschen Krankenhäusern durchaus Möglichkeiten zur Verbesserung. Vor allem in der sinnvollen Koordination verschiedener Abläufe. Die Qualität der Behandlung erscheint dagegen auf hohem Niveau. Das ergab eine aktuelle Umfrage von Porsche Consulting.

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Wenn leitende Mediziner ihrem Krankenhaus Schulnoten aus Patientensicht geben müssten, dann würden Behandlung und Heilungserfolg am besten abschneiden – mit der Note 1,7. Eine glatte Zwei würden sie für die Freundlichkeit des Personals, die Kommunikation mit den Patienten, die Therapie und Pflege geben. Eher mit „Befriedigend“ schneiden die Aufnahme der Patienten, Verpflegung und Unterbringung, der Austausch zwischen Klinik und niedergelassenem Facharzt sowie das Verhältnis zwischen Patienten und Verwaltung ab.

Mehr Geld helfe nur zum Teil

Um die Qualität ihrer Häuser zu steigern, würden die Chefärzte zuerst beim Patientenmanagement und der Organisation ansetzen (25 Prozent der Befragten), gefolgt von Verbesserungen in der Pflege und beim Gebäudezustand (jeweils 15 Prozent). Bei der Frage, ob bessere Qualität unbedingt mehr Geld kosten muss, sind die Meinungen geteilt: 42 Prozent halten zusätzliches Budget für unbedingt erforderlich, 49 Prozent sagen, dass finanzielle Mittel nur zum Teil helfen würden. Und neun Prozent können sich Verbesserungen für den Patienten vorstellen, ohne dafür den Etat zu erhöhen.

Wer gab die Einschätzungen?

Das sind einige der Ergebnisse der Top-Management-Studie von Porsche Consulting. Dafür wurden deutschlandweit 154 leitende Mediziner des Verbands leitender Orthopäden und Unfallchirurgen e.V. (VLOU) befragt. Unter den befragten Studienteilnehmern arbeiten laut Porsche Consulting 57 Prozent in Kliniken mit weniger als 400 Betten, 43 Prozent in Häusern mit 400 Betten oder mehr. Dabei sind leitende Ärzte aus allen Trägerschaften vertreten: 43 Prozent der Befragten arbeiten für einen öffentlichen Träger, 36 Prozent für einen freien, gemeinnützigen und 21 Prozent für einen privaten. Ziel der Studie sei es gewesen, Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • Wie steht es um die Qualität in deutschen Krankenhäusern?
  • Welche Mittel gibt es zur Qualitätssicherung?
  • Ist eine Steigerung der Qualität ohne Effizienzeinbußen möglich?
 

Weiteres Ergebnis der Studie: Leitende Ärzte an kleineren Krankenhäusern mit relativ geringer Bettenanzahl beurteilen die Gesamtqualität deutlich besser als ihre Kollegen an großen Einrichtungen mit zum Teil mehr als 800 Patientenbetten. Und: Jeder zweite Befragte (51,9 Prozent) sieht einen engen Zusammenhang zwischen der Effizienz in der Patientenbetreuung und dem Qualitätsniveau. „In gut geführten Krankenhäusern ist die Teamleistung der Erfolgsgarant: Arbeiten alle Disziplinen gut abgestimmt zusammen, lassen sich die vorhandenen Kompetenzen und Kapazitäten bei Personal, Räumen und Instrumenten bedarfsgerecht nutzen. Eine bessere Abstimmung entlastet das Personal und hilft den Patienten“, sagt Dr. Roman Hipp, der als Partner bei Porsche Consulting für den Bereich Health Care verantwortlich ist.

Das ist zu tun für Erfolg im Qualitätsmanagement

Laut Porsche Consulting zeigen die Studienergebnisse auch, dass die die Qualität im Krankhaus aus Sicht der Chefärzte insgesamt als „Gut“ bis „Befriedigend“ bewertet wird. Trotz allem gebe es noch klaren Handlungsbedarf – insbesondere bezüglich der Organisation. Krankenhäuser sollten demnach den eigenen Anspruch haben, Qualität und Effizienz zu steigern. Dies sei im Sinne der Patientenversorgung und auch aus ökonomischen Gründen wichtig. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, empfiehlt Porsche Consulting die Orientierung an drei Erfolgsfaktoren:

  • Qualität sollte in allen Dimensionen (Ergebnis-, Struktur- und Prozessqualität) fest in der Unternehmensstrategie verankert sein.
  • Qualität sollte nicht ausschließlich zentral wahrgenommen werden. Es empfiehlt sich laut Porsche Consulting ein dezentral geprägtes Qualitätsmanagement einzurichten.
  • Krankenhausprozesse sollten klinikübergreifend mit klaren Verantwortlichkeiten und an aussagekräftigen Qualitäts- und Effizienzkriterien ausgerichtet werden. Gleichzeitig solle man ein Kennzahlensystem etablieren, welches den Status der Qualität und Effizienz transparent macht.
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