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BKK Dachverband e. V., Königlich Dänische Botschaft und TU Berlin Dänische Krankenhausreform - Vorbild für Deutschland?

Was klappt in Dänemark, woran es in deutschen Kliniken hapert? Über die ersten Erfolge durch Zentralisierung, Spezialisierung und Digitalisierung der dänischen Krankenhausreform diskutierten am 27. Mai Vertreter des dänischen Gesundheitsministeriums, des BKK Dachverbandes und der TU Berlin in der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin.

Trotz sichtbarer Fortschritte in der Versorgungsqualität und den positiven Auswirkungen auf die Bevölkerungsgesundheit wird besonders die zu hohe Zahl vermeidbarer Krankenhausfälle als Herausforderung angesehen. Dieser wird mit einer Stärkung der intersektoralen und ambulanten Versorgung, mit dem Patienten im Fokus, begegnet.

"Dänemark hat vor fast 20 Jahren begonnen, sein Gesundheitswesen zu transformieren. Das Ziel, mehr Kohärenz zwischen den Akteuren und Sektoren zu schaffen, steht bei der konkreten Gestaltung der Versorgung im Fokus. Die Neuordnung des landesweiten Krankenhauswesens ist die zentralste und konsequenteste Maßnahme dieser Transformation, nicht nur auf Grund des damit verbundenen weitreichenden Strukturwandels. Die neue Krankenhauslandschaft bildet das Rückgrat des dänischen Gesundheitswesens, das sich an einer hoch qualitativen und wirtschaftlichen Versorgung orientiert", erklärte Friis Arne Petersen, Botschafter Dänemarks in Berlin.

Innovationsfondsprojekt Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD)

Das Innovationsfondsprojekt Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark (K:IDD) unter der Projektleitung der TU Berlin zusammen mit den Konsortialpartnern BKK Dachverband, Deutsches Krankenhausinstitut (DKI) und des Zentralinstitutes für die kassenärztliche Versorgung (Zi) geht folgenden Fragen nach:

  • Wie hat es Dänemark trotz mehrfachem Regierungswechsel geschafft, seit Anfang der 2000er Jahre die Krankenhausstrukturen zu verbessern und die sektorenübergreifende Versorgung grundlegend neu zu strukturieren?
  • Inwieweit sind die entsprechenden Änderungen und Erfahrungen auf Deutschland zu übertragen?

"Es sollen die technischen und medizinischen Kriterien wie Bedarfsgerechtigkeit, Erreichbarkeit, Qualität und Finanzierung, sowie schlussendlich auch die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung untersucht werden. Dabei stehen die Fragen, welche Akteure bei der Reform in Dänemark eingebunden waren, wie die politischen Prozesse durchgeführt wurden, welche Kriterien zugrunde gelegt worden sind und wie deren Einhaltung bewertet wurde, im Mittelpunkt," erklärt Prof. Dr. Reinhard Busse, TU Berlin.

Langfristig sollen inhaltliche und methodische Voraussetzung geschaffen werden, übertragbare Teile der dänischen Reform in die deutsche Krankenhausversorgung zu integrieren, um diese für eine bessere Patientenversorgung zu nutzen. Dies soll v.a. durch die

  • Bildung von Zentren,
  • sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen und
  • die Digitalisierung im Gesundheitswesen, indem Patientendaten schneller und sektorenübergreifend zur Verfügung stehen, erreicht werden.

"Denn beim Wechsel zwischen den Sektoren sind Patienten oft auf sich allein gestellt. Sie müssen sich den starren Strukturen unterordnen, weil diese nicht an ihre individuellen Behandlungsbedarfe ausgerichtet sind. Hier gilt es die bestehenden Strukturen mit ihren jeweiligen Grenzen aufzubrechen und auf die Patientenbedarfe auszurichten. Es müssen Rahmenbedingungen für eine durchgängige Versorgung geschaffen werden, in dem der Patient ohne Versorgungsbrüche sektorenübergreifend geleitet und versorgt wird. Hierbei müssen die Potenziale der Digitalisierung genutzt werden", fordert Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes.

Behandlungsverläufe sektorenübergreifend optimieren

Die Patienten treten an unterschiedlichen Stellen in das Gesundheitssystem ein, etwa beim Hausarzt oder über die Notaufnahme. Dadurch beschreiten sie verschiedene Behandlungsverläufe mit unterschiedlichen medizinischen, aber auch finanziellen Ergebnissen. Anzustreben wäre ein sektorenübergreifender Algorithmus, der jeweils den besten Behandlungsverlauf einläutet und z.B. im Rahmen einer Telefontriage den Patienten zielgerichtet lotst.

"Neben solchen Maßnahmen zur Vermeidung unnötiger Krankenhausaufnahmen, ist ein funktionierendes Entlassmanagement zur Vermeidung von Behandlungsbrüchen ebenso essenziell. Hier besteht nach wie vor erheblicher Optimierungsbedarf im Versorgungsalltag. Die Umsetzung eines strukturierten Entlassmanagements mit Hilfe von Routinedaten, die auch vom BKK Dachverband vorangetrieben wird, kann als Blaupause für einen bundesweiten und über alle Kassengrenzen hinweg genutzten Standardprozess dienen", betont Knieps.

 

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