Personalmangel Corona sorgt für Abwanderungen aus der Intensivpflege

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Corona-Pandemie

In fast drei Vierteln der deutschen Krankenhäuser mit Intensivbetten stehen aktuell weniger Intensivpflegekräfte zur Verfügung als noch am Jahresende 2020. Das zeigt eine neue Umfrage des DKI. Grund dafür sind Kündigung, Stellenwechsel und Arbeitszeitreduktion.

Krankenhäuser ab 600 Betten mit entsprechend großen Intensivkapazitäten sind überproportional betroffen. Drei Viertel dieser Häuser konnten seit Anfang des Jahres aufgrund von Mangel an Pflegekräften ihre Intensivbetten oft oder sehr oft nicht voll umfänglich betreiben. – © DKI
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Eine repräsentative Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ergab, das 72 Prozent der bundesweit befragten 233 Krankenhäuser ab 50 Betten, weniger Intensivpflegepersonal zur Verfügung haben, als noch Ende 2020. 86 Prozent der Häuser konnten ihre Intensivkapazitäten aufgrund des Personalmangels nicht vollumfänglich betreiben. Die Gründe für den gesteigerten Fachkräftemangel auf Intensiv sind laut DKI:

  • vermehrte Kündigungen,
  • Arbeitszeitverkürzungen und
  • interne Stellenwechsel.

Koordinierte Auffrischimpfungen könnten erste Abhilfe schaffen

Ursachen dafür sind laut DKI die verschärften und andauernden Belastungen durch die Corona-Pandemie. Diese Belastungen werden nach Einschätzung der DKG aktuell v.a. durch ungeimpfte Menschen verursacht, „die in unverhältnismäßig hoher Zahl auf den Intensivstationen eingeliefert werden“. Die Situation, die sich absehbar noch verschärfen werde, wäre also ohne großen Aufwand vermeidbar. „Sehr kurzfristig ist aber nun v.a. entschiedenes Handeln in der Pandemie-Bekämpfung gefragt. Die starken Belastungen der Pflegekräfte dürfen sich nicht noch weiter verschärfen. Wir benötigen umgehend eine koordinierte Kampagne für Auffrischungsimpfungen und wirksame Schritte, um die Impfquote spürbar zu steigern. Denn die Belastungen auf den Intensivstationen sind eindeutig durch Ungeimpfte und leider zunehmend durch Impfdurchbrüche bei älteren Patienten verursacht“, erklärt Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG.

Einschränkungen und Sperrungen als Folge

Bei Fortschreiten dieses Trends drohen laut DKI Einschränkungen beim Elektivprogramm der Krankenhäuser oder Sperrungen von Intensivbetten auch für Notfälle. „Den Pflegepersonalmangel anzugehen, wird weiterhin zu den wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspolitik gehören und muss ganz oben auf der Agenda der neuen Bundesregierung stehen. Spätestens in der Pandemie musste jeder verstehen, dass eine der höchsten Bettendichten der Welt und modernste Medizintechnik allein keine Kranken versorgen können“, betonte der Vorstandsvorsitzende der DKG, angesichts der Umfrageergebnisse. Politik und Krankenhäuser müssen seiner Ansicht nach gemeinsam „alles dafür tun, dass der Pflegeberuf wieder attraktiver wird“. Wie das funktionieren kann? Laut Gaß in erster Linie mit

  • besseren Arbeitsbedingungen und
  • guten Gehältern, die zur Verantwortung und Qualifikation passen.

Für die politischen Rahmenbedingungen wünsche er sich beispielsweise, dass das Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument schnellstmöglich umgesetzt werden.

Intensivpflege als Beruf „lohnt sich“

Gaß betont aber auch, dass die Kliniken selbst in der Pflicht stehen, „die Arbeitsbedingungen entsprechend zu verbessern und Ausbildungsanstrengungen noch weiter zu erhöhen“. Die meisten Krankenhäuser verfügen laut DKG bereits über Konzepte zur (Rück-) Gewinnung von Pflegekräften und arbeiten intensiv daran, ihren Beschäftigten bestmögliche Arbeitsbedingungen zu bieten. Zudem steigen nach Angaben der Krankenhausgesellschaft die Gehälter von Krankenpflegefachkräften seit Jahren weit überdurchschnittlich. Dennoch stelle die Personalsituation gerade auf den Intensivstationen die Krankenhäuser vor besonders große Herausforderungen. „Intensivpflegefachkräfte sind höchstqualifizierte Beschäftigte mit besonders aufwendiger Ausbildung und besonders hohen Ansprüchen. Sie lassen sich nicht durch kurzfristig ausgebildete Pflegefachkräfte ersetzen. Hier liegt aber auch eine Chance für die Zukunft, denn die Krankenpflege ist ein attraktiver, sinnstiftender und anspruchsvoller Beruf, mit viel Potenzial, höchster Arbeitsplatzsicherheit und zahlreichen Herausforderungen. Es lohnt sich, diesen Beruf auszuwählen“, erklärt Gaß.