Stellungnahme Corona soll Routineversorgung werden

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Corona-Pandemie

Routineversorgung statt Ausnahmezustand – das fordert die sogenannte Thesenpapier-Autorengruppe in Sachen Corona. Das Pandemie-Management von Bund und Ländern kritisieren sie scharf.

Die Thesenpapier-Autorengruppe fordert in Sachen Corona Routineversorgung statt Ausnahmeversorgung. – © ylivdesign (stock.adobe.com)

Die Wissenschaftler um Prof. Matthias Schrappe von der Universität Köln und Prof. Gerd Glaeske von der Universität Bremen halten die aktuellen Infektionszahlen für unterschätzt. Sie spiegelten „in erster Linie die Testfrequenz“ wider, heißt es in der sechsten Adhoc-Stellungnahme der Gruppe, die der Presseagentur für Gesundheit (pag) vorliegt. Eine Verdopplung der Tests würde „mit Sicherheit“ zu einer Verdopplung der Inzidenz führen.

„Der Verzicht auf repräsentative Kohortenstudien und die Verwendung unsystematischer Tages-Stichproben hat dazu geführt, dass spätestens im Rahmen der Ausbreitung der Omikron-Variante von den vom RKI veröffentlichten Zahlen keinerlei Steuerungswirkung mehr ausgeht“, lautet es in dem Papier weiter. Diese Situation werde von großen Teilen der Wissenschaft und des politischen Lebens „klaglos akzeptiert“.

Corona-Kontrolle in die Routineversorgung integrieren

Die Autoren fordern Bund und Länder auf, von der epidemiologischen zur medizinischen Steuerung umzuschalten. „Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass die Steuerung und Kontrolle von epidemisch auftretenden Infektionen in den Krankenhäusern und in der ambulanten Versorgung in Deutschland zur täglichen Routine gehört.“ Leider sei es versäumt worden, dieses Know-how in die Entwicklung einer tragfähigen Corona-Kontrolle zu integrieren. In den Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Pflege werde es unumgänglich sein, über die Neuordnung von Isolation, Quarantäne und den Einsatz von potenziell asymptomatisch Infizierten nachzudenken, einen adäquaten Impfschutz von Mitarbeitenden und betreuten Menschen vorausgesetzt. Es sei jedoch nicht möglich, alle Restrisiken für alle Beteiligten komplett auszuschließen.

Durch gezielten Ausbau der ambulanten Betreuung von Patientinnen und Patienten mit erkannter SARS-CoV-2-Infektion erhoffen sich die Autoren eine Schließung der ambulant-stationären Lücke. So könne anhand eines Risk-Scores der Zeitpunkt für eine geregelte Hospitalisierung genau bestimmen werden.

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