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Paracelsus-Kliniken Corona-Krise beschleunigt Digitalisierung

Videochats statt Konferenzen, Cloud-Working statt zeitaufwändiger Abstimmungen und Homeoffice statt Präsenzpflicht – was in der Corona-Krise vielerorts zum ersten Mal Einzug in den deutschen Büroalltag fand, hat sich in den Paracelsus-Kliniken bereits in den Wochen der Krise bewährt.

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„Wir haben vor knapp zwei Jahren damit begonnen, alle unsere Kliniken miteinander zu vernetzen, schnelle Internetverbindungen einzurichten und gemeinsame Software-Plattformen auszurollen“, erklärt Fabian Pritzel, der als Geschäftsführer (CTO) bei Paracelsus für den Bereich Technologie und Innovation zuständig ist. Die Corona-Krise sei die Bewährungsprobe gewesen und habe gezeigt, dass das Konzept aufgehe.

Ausbau mit Plan und Weitsicht

Seit Mitte 2018 hat Pritzel mit seinem Team alle Standorte miteinander vernetzt sowie Gigabit-Leitungen mit WLAN und neuer Hardware in vielen Kliniken in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurden einheitliche Office-Anwendungen mit Team- und Chatfunktionen installiert und eine App für Mitarbeiter entwickelt. „Wir konnten so in der Corona-Krise bereits auf bewährte digitale Tools zurückgreifen“, berichtet der Geschäftsführer. „Die Mitarbeiter-App hat zum Beispiel einen regelrechten Boom erfahren. Wir konnten dank Cloud-Working Projekte nicht nur online besprechen, sondern auch gemeinsam bearbeiten und sofort an den Start bringen.“

Videosprechstunde im Klinikalltag

Auch digitale Innovationen wurden in der Krise erfolgreich gestartet. So ermöglichte Paracelsus mit Unterstützung des Berliner Brainwave Hub eine Videosprechstunde. Mit dem Tool können Patienten und Ärzten über einen gesicherten Server per Videochat miteinander in Kontakt treten. Das technische Prinzip ist einfach: Über die Klinik vereinbart der Patient einen Termin und bekommt einen Link per SMS oder E-Mail zugeschickt. Via Link klickt er sich mit PC oder Handy in das Online-Wartezimmer. Dort beginnt dann der zuständige Arzt ihm eine Videokonferenz. „Wir konnten so – mit Einverständnis der Krankenkassen – Erstgespräche und Begutachtungen durchführen und auch Behandlungen fortführen“, erläutert Pritzel. Die Videosprechstunde gehört mittlerweile an den Standorten in Zwickau, Adorf/Schöneck, Kassel, Hemer und Bremen zur festen Einrichtung im Klinikalltag.

Weiterentwicklung neuer Projekte

Auch auf anderen Gebieten setzt Paracelsus auf eine verstärkte Weiterentwicklung digitaler Instrumente. So steht im medizinischen Bereich die finale Einführung der digitalen Pflegedokumentation IDA.Care bis zum Ende des Jahres in allen Klinken an. Die Smartphone-basierte App macht eine vernetzte Pflegeplanung mit mehreren Professionen möglich.

Auch für Patienten gibt es eine App. Zusammen mit dem Teletherapie-Unternehmen CASPAR bietet das Klinikunternehmen seit 2019 eine Nachsorge-App an. Über sie können Patienten Trainingseinheiten zur Physiotherapie absolvieren und vom zuständigen Arzt oder Therapeuten kontrollieren lassen.

In der Planung ist eine weitere App. Sie soll den Patienten bei seinem Klinikaufenthalt begleiten und bald praktische Infos wie den Gebäudeplan der Klinik ebenso auf dem Smartphone vereinen wie individuelle tagesaktuelle Infos zu Therapieterminen und Speiseplänen. Interaktive Fragebögen zur Aufnahme und zur Entlassung könnten in der App digital hinterlegt werden. „Sogar die Nachsorge wäre über eine integrierte Videofunktion mit Arzt-Chat möglich. Da sind wir in der Planungsphase”, so Pritzel weiter.

Neues für Patienten gibt es auch direkt am Krankenbett: In Bremen wurden zusammen mit dem Unternehmen Bewatec bereits erste Bedside-Terminals installiert. Über die Multimedia-Geräte mit Touch-Screen kommen nicht nur TV und Telefon ins Patientenzimmer, sondern auch alle wichtigen Infos rund um das Krankenhaus – von individuellen Therapieplänen über die Öffnungszeiten der Cafeteria bis zur Essensbestellung. Interaktiv lassen sich Inhalte abrufen und auch die Service-Taste ist in das Tablet integriert.

Zukunftsvision eines „Medical Archive“

Das größte Projekt ist die Zukunftsvision eines „Medical Archive“. Aus allen Häusern des Klinikunternehmens sollen die Behandlungsdaten zusammenzutragen und ausgewertet werden, um immer bessere Behandlungspfade und Behandlungsmöglichkeiten identifizieren zu können. Zentrales Element sollen die sogenannten Patient Reported Outcome Measures (PROMs) sein, das sind Fragebögen, die Patienten vor und nach einer Behandlung zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen. An ihnen kann konzernübergreifend nachvollzogen werden, wie die erfolgreichste Behandlung aussieht. „Wir arbeiten seit Anfang 2019 daran, eine strukturierte konzernweite Speicherung aller medizinischen Informationen, Patienten-Daten und Fallzahlen als ,Big Data‘ unabhängig von einzelnen Krankenhausinformationssystemen umzusetzen“, so Pritzel. Ziel sei eine Wissensbasis, die mit Tools unterschiedlicher Art gezielt abgefragt werden könne.Das Wissen soll konzernweit für die Modellierung besserer Behandlungsprozesse dienen. Das System sei aber auch an Schnittstellen offen für andere Akteure im Gesundheitssystem vom Hausarzt bis zur Nachsorge. Durch die Daten sollen aber auch Arbeitsabläufe in den Kliniken weiter verbessert, Pflegepersonal und Ärzte entlastet und Fehlerquellen reduziert werden.

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