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Sterbebegleitung Corona erschwert die Seelsorge im Krankenhaus

Von den rund 40.000 Corona-Toten im Jahr 2020 sind mehr als 77 Prozent im Krankenhaus gestorben. Durch den Infektionsschutz ist die Begleitung Sterbender durch Angehörige aber auch Seelsorger deutlich schwerer geworden.

Topic channels: Corona-Pandemie und Sterbehilfe

Die aufgrund des Infektionsschutzes stark eingeschränkten Besuche von Angehörigen lassen Sterbende allein mit ihren Gedanken und in ihrer besonderen Situation. "Deswegen ist die Arbeit unserer Seelsorgerinnen und Seelsorger in den evangelischen Krankenhäusern noch einmal wichtiger geworden. Sie bieten ihren Besuch an und nehmen sich Zeit für Gespräche, bei denen die oft gestellte Frage nach dem Warum ebenso im Mittelpunkt stehen kann wie die Suche nach Nähe", erklärt Christoph Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV).

Für die Pfarrerinnen und Pfarrer seien diese Besuche in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: Wie alle anderen, die Kontakt zu den Erkrankten haben, müssten sie bei ihren Besuchen aufwendige Schutzbekleidung tragen. Wenn Besuche nicht möglich sind, würden Seelsorgende oft die Brücke zwischen Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen, sagt Radbruch. Sie berichten beiden voneinander, überbringen Botschaften und ermöglichen ihnen visuelle Kontakte, z.B. via Tablet.

Palliativstationen zuerst in kirchlichen Einrichtungen

Die ökumenische Woche für das Leben unter dem Thema "Leben im Sterben" vom 17. bis zum 24. April 2021 rückt das Thema Sterben und Palliativmedizin in den Fokus. "Die ersten Palliativstationen wurden in kirchlichen Krankenhäusern eingerichtet. Im Jahr 2018 wurden an 78 evangelischen Krankenhäusern 11.251 Menschen mit einer palliativmedizinischen Komplexbehandlung versorgt. Das sind rund zehn Prozent der 106.360 in Deutschland erbrachten palliativmedizinischen Behandlungen", erklärt Radbruch.

Kirchliche Krankenhäuser seien sich der Gefährdung des Lebens durch Krankheit und Krisen bewusst und böten Patientinnen und Patienten am Lebensende Hilfen aus dem Bereich der Palliativmedizin und Pflege an.

Hilfe beim Sterben aber keine Sterbehilfe

In den wenigen Fällen, in denen es trotz qualitativ hochwertiger Palliativmedizin dazu kommt, dass Menschen mit schweren Erkrankungen kurz vor dem Tod um Hilfe beim Suizid bitten, eröffnen evangelische Krankenhäuser, laut Radbruch vielfältige andere Möglichkeiten: von einer Therapiebegrenzung bis zur palliativen Sedierung oder einem möglichen Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen und künstliche Beatmung. Er betont aber auch: "Einen assistierten Suizid, der derzeit auf politischer Ebene diskutiert wird, lehnen wir als reguläres Leistungsangebot evangelischer Krankenhäuser ab. Alle Entscheidungen am Lebensende sollten gemeinsam von Betroffenem, Angehörigen, Ärzten und auf Wunsch einer spirituellen Begleitung getroffen werden, um dem Patientenwillen und der Selbstbestimmung der Betroffenen bestmöglich gerecht zu werden."

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